Baden

Jetzt gibt es endlich eine Strategie: Das Museum Langmatt wird aufblühen, muss aber Bilder verkaufen

Ein unschätzbares Juwel: Das Museum Langmatt in Baden.

Ein unschätzbares Juwel: Das Museum Langmatt in Baden.

Die Stadt Baden und die Stiftung Langmatt legen nach langem Warten eine Strategie für das Museum vor. Zum einen soll das Haus mit der bedeutenden Impressionisten-Sammlung saniert werden. Zum anderen muss die Stiftung durch den Verkauf von einem oder mehreren Bildern aus der Sammlung gesunden.

Es war eine aussergewöhnlich gut besuchte Medienkonferenz im Badener Amtshimmel – wenn auch mit coronabedingtem Abstand. Hier, unter dem Dach des Amtshauses an der Rathausgasse, präsentierten der Stadtrat und die Stiftung Langmatt am Donnerstag die Zukunftsstrategie für die Langmatt.

Das Museum in der herrschaftlichen Villa der Industriellenfamilie Brown an der Römerstrasse feiert dieses Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Die Sammlung, die es beherbergt, ist eine der bedeutendsten Privatsammlungen des Impressionismus in Europa. Die Coronakrise hat dem Jubiläum zwar vorerst einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber trotz Krise liegt nun die lang ersehnte Strategie für das Museum und die Stiftung vor.

Seit 12. Mai wieder zugänglich: Die Jubiläumsausstellung «Herzkammer – 30 Jahre Museum Langmatt».

Seit 12. Mai wieder zugänglich: Die Jubiläumsausstellung «Herzkammer – 30 Jahre Museum Langmatt».

Es war schon seit Jahren klar, dass man das Haus, 1901 vom Badener «Stararchitekten» Karl Moser für Sidney und Jenny Brown-Sulzer erbaut, grundlegend renovieren muss. Ihr Sohn John A. Brown hatte die Villa samt Kunstsammlung der Stadt Baden vermacht. Die von der Stadt 1988 errichtete Stiftung muss bald genauso dringend wie das Haus saniert werden, wenn sie nicht in die Insolvenz schlittern will. Zu viel kosten der Unterhalt und der Betrieb des Museums. Die Farbe am Haus bröckelt, es regnete auch schon rein.

Neuer Eingang, neuer Lift und neuer Pavillon

«Wir haben lange auf diesen Tag gewartet», sagte Stadtrat und Kulturvorsteher Erich Obrist (parteilos). «Jetzt können wir eine Strategie vorlegen, die diesem Juwel auch in Zukunft eine gute Fassung gibt.» Der Betrieb soll nicht für die nächsten zwei, drei Jahre gesichert werden, sondern für die nächsten 20 bis 30 Jahre. Dem Antrag, den der Stadtrat dem Einwohnerrat vorlegt, liegt der Schlussbericht über drei Jahre intensiver Planungsarbeit bei. Als erstes soll der Einwohnerrat einen Beitrag über 453 500 Franken für bauliche Sofortmassnahmen sprechen. Die Kosten werden hier zur Hälfte von der Stadt, zur Hälfte von der Stiftung getragen.

Jenny Brown-Sulzer und die Langmatt:

Als nächster Schritt soll in einem partnerschaftlichen Vorgehen zwischen Stadt, Kanton und Stiftung das Haus grundlegend saniert sowie mit einem Pavillon – anstelle des heutigen Verwalterhauses aus den 1970er-Jahren – erweitert werden. Die Baukosten dürften sich auf rund 17 Millionen belaufen. Das Ökonomiegebäude neben dem Haupteingang soll zu einem neuen Eingangsbereich mit Garderobe und Shop werden. Für den behindertengerechten Zugang ist ein neuer Lift geplant. All das ist mit der Denkmalpflege abgesprochen, zumal die Langmatt unter kantonalem Schutz steht. Das Gebäude soll darüber hinaus in eine gemeinnützige Aktiengesellschaft, die AG Langmatt überführt werden.

Schmerzlich, aber nötig: Ein bis drei Bilder verkaufen

Ausserdem will sich die Stiftung für einen Zeitraum von mindestens 50 Jahren wieder auf gesunde Beine stellen und so den Betrieb des Museums gewährleisten. Diese Gesundung dürfte viel Aufmerksamkeit generieren. Denn: Für die nötigen 30 bis 40 Millionen Franken müssen bis zu drei Bilder aus der Sammlung verkauft werden. «Wir haben uns gefragt, was hätte John Brown gemacht», sagte Obrist. Der Verkauf tue sehr weh, aber er sei die einzige realistische Lösung, erklärte Museumsdirektor Markus Stegmann.

«Um welche Bilder es sich handelt, können wir noch nicht sagen», sagte Stiftungsratspräsident Lukas Breunig. Das könne man erst absehen, wenn der Verkauf näher rückt. «Aber der Kernbestand mit den wichtigsten Werken der Sammlung wird nicht berührt.»

Die «Grand Old Lady», wie Markus Stegmann die Langmatt nannte, dürfte in Zukunft in Baden und in der internationalen Kunstwelt noch eine deutlich wichtigere Stellung bekommen. Das Museum soll 2025/26 saniert werden und ab dann, anders als heute, ganzjährig geöffnet sein. Nicht abgerückt für eine kleine Elite, sondern einladend für ein breites Publikum.

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