Der Hahn vom Badener Cordulaplatz wird definitiv in Dättwil weiterkrähen. Im vergangenen Herbst stellte die Badenerin Marita Knecht in einem Leserbrief die Frage, ob beim Verkauf der Kupferskulptur des Bildhauers Franz Pabst alles mit rechten Dingen zu- und hergegangen sei.

Die Badener Kunstkommission hatte das Werk aus der städtischen Kunstsammlung für 5000 Franken an den privaten Sammler und Immobilienunternehmer Christoph Schoop verkauft. Er möchte den Hahn im Hof der Husmatt in Dättwil aufstellen.

Auch in Zukunft öffentlich zugänglich

Der Stadtrat gestand im Herbst ein, es sei ein Versäumnis gewesen, die Skulptur ohne vorgängige Information zu verkaufen. Kulturvorsteher Erich Obrist (parteilos), der auch Präsident der Kunstkommission ist, sagte damals: «Wir waren uns der grossen emotionalen Verbundenheit zur Skulptur nicht bewusst.»

Nun sind aber sowohl die Kunstkommission als auch der Stadtrat zum Schluss gekommen, am Verkauf festzuhalten. In einer Mitteilung der Stadt heisst es, diese Lösung mache das Kunstwerk auch in Zukunft öffentlich zugänglich. Sie biete zudem «Potenzial, dem ursprünglich auf Ganzheit bedachten Konzept des Künstlers zu entsprechen».

Der Stadt liegt ein neuer, umfassender Bericht zum Schaffen von Franz Pabst vor. Man habe den Verkauf und auch die Idee einer erneuten Platzierung des Güggels auf dem Cordulaplatz eingehend geprüft. «Hierzu entschied der Stadtrat, dass eine Wiederplatzierung auf dem Cordulaplatz nicht weiterverfolgt wird», heisst es von der Stadt.

Neue Platzgestaltung in der Husmatt

Erich Obrist sagt auf Nachfrage: «Der vorgelegte Bericht zeigt die Absichten von Franz Pabst, nicht einfach ein Kunstobjekt aufzustellen, sondern die Plastik in eine ganzheitliche Platzgestaltung zu integrieren.» Pabst hat oft ganze Plätze gestaltet, etwa in Brugg, Gebenstorf, Wettingen und Würenlingen. Die Kunstkommission und der Stadtrat hätten das Anliegen sehr ernst genommen, sagt Obrist. Der Bericht habe aber gezeigt, dass eine aus dem Zusammenhang gerissene Positionierung auf dem Cordulaplatz nicht sinnvoll gewesen wäre, zumal der Platz seit den 1970er-Jahren vielfach verändert wurde.

Wie der Güggel nun in der Husmatt in Dättwil präsentiert wird, ist noch nicht ganz klar. «Er soll wieder wie früher beweglich sein und in die neue Platzgestaltung in der Husmatt integriert werden, wenn diese in den kommenden Jahren saniert wird», sagt Christoph Schoop. Der Hahn bedeute ihm sehr viel, zumal ihn sein Vater im Auftrag von Pabst in der Spenglerei Schoop selbst gefertigt habe und sein Vater auch mit dem Künstler befreundet gewesen sei.

Vom BBC-Lehrling zum vielseitigen Künstler

Franz Pabst hat viele öffentliche Räume in der Region Baden und Brugg geprägt. Er wurde 1927 in Gebenstorf geboren und wuchs in Brugg auf. Franz Pabst war nicht nur Bildhauer, sondern auch Zeichner, Fotograf und Gestalter. Nach den Schulen in Brugg besuchte er die Werksschule der BBC in Baden, bevor er in Italien und in Paris studierte, unter anderem an der École national supérieur des Beaux-Arts. 1955 kehrte er in die Schweiz zurück und bezog ein Atelier in Riniken. Im Jahr 2000 starb er nach einem schaffensreichen Leben im solothurnischen Fulenbach.