Vor gut zwei Wochen entdeckte ein Spaziergänger in Neuenhof am Limmatstausee eine gefällte Trauerweide. Bei genauerer Betrachtung sah er die Spuren des Bibers, der den Baum gefällt hatte. Bei der Gemeindeverwaltung hatte man keine Kenntnis davon. «Die Biber tauchen eigentlich nur in der Nähe der Webermühle auf», heisst es vonseiten der Abteilung Bau und Planung in Neuenhof. Auch in Würenlos, Spreitenbach, Wettingen und Ennetbaden hat die Verwaltung keine Kenntnis von grösseren Biberschäden an der Limmat. In anderen Gewässern im Aargau, besonders an Aare und Rhein, sind die Schäden teilweise verheerend.

Biber nagte Baum im Garten ab

Dass sich «Meister Bockert» aber auch gerne an der Limmat aufhält, ist bekannt. Unter der Siggenthaler Brücke wurde die Gemeinde Obersiggenthal bereits öfters mit Baumfällungen des Bibers konfrontiert. Im Dezember 2016 knabberte eine Biberfamilie mehr als 20 Bäume ab. Dank einem Aufruf der Gemeinde und den dadurch gefundenen Baumpaten konnten Ende März neun neue Obstbäume gepflanzt werden. Damit ihnen nicht das gleiche Schicksal widerfährt, pflanzte man diese mit einem Drahtgeflecht ein.

Thomas Kuster von der Abteilung Bau und Planung in Obersiggenthal ist mit der Entwicklung beim Kappisee soweit zufrieden. Trotz des Drahtgeflechts an den neugepflanzten Bäumen hat der Nager noch genug zu knabbern. «Wir haben für die Biber ungeschützte Weiden dagelassen», sagt Kuster. Abgesehen von einem kleinen Zwischenfall sei alles in Ordnung. «Eine Person, die an der Limmat wohnt, hat sich bei uns gemeldet. Der Biber ist unter einem Maschendrahtzaun in ihren Garten gelangt und hat dort einen Baum gefällt.» Laut Kuster sei das ein untypisches Verhalten, da Biber sich immer in der Nähe des Ufers aufhalten.

Dass Biberfamilien sich beim Kappisee wohlfühlen, wundert Andres Beck, Biologe und Biberbeauftragter des Kantons Aargau, nicht. «Die Biber suchen einen Lebensraum mit idealen Gewässern und Weichhölzern.» Beck hat mit der kantonalen Sektion Jagd und Fischerei dieses Jahr den Aargau nach Bibern kartiert. Im Raum Neuenhof bis Spreitenbach haben sie wenige frische Nagespuren registriert. «Es handelt sich um einzelne Biber», sagt Beck. «Wahrscheinlich sind es die dreijährigen, die zurzeit auf Wanderschaft sind, da sie ihr Geburtsrevier verlassen müssen.» Durch die Wanderschaft dürften Spaziergänger also auch weiterhin auf gefällte Weiden an der Limmat stossen.