Badener Stadtammann
Jetzt kommt es zum Showdown zwischen diesen beiden CVP-Politikern

Markus Schneider und Bernhard Schmid sind mögliche Ammann-Kandidaten – Reto Schmid scheidet aus.

Roman Huber
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Bernhard Schmid und Markus Schneider sind noch im Rennen.

Bernhard Schmid und Markus Schneider sind noch im Rennen.

ZVG

Drei Kandidaten haben ihre Ambitionen für das Stadtammannamt angemeldet. Jetzt hat der Vorstand der CVP zusammen mit der Fraktion einen wichtigen Vorentscheid gefällt: An der Nominationsversammlung vom 30. März kommt es zum innerparteilichen Showdown zwischen dem amtierenden Vizeammann Markus Schneider und Bernhard Schmid, Inhaber einer Kommunikationsfirma. So lautet die Empfehlung der CVP-Führung. Grund: «Markus Schneider und Bernhard Schmid erfüllen das Anforderungsprofil, das an das Amt eines Stadtammanns gestellt wird, am besten. Gleichzeitig werden ihnen intakte Wahlchancen attestiert», erklärt die CVP-Spitze. Die Nomination für den zweiten CVP-Stadtratssitz, zurzeit von Matthias Gotter besetzt, erfolgt erst, wenn der Ammann-Kandidat nominiert ist. Die Wahlen finden dann am 24. September statt.

Der Entscheid sei aufgrund eines sorgfältig durchgeführten Evaluationsverfahrens gefällt worden, erklärt Co-Präsident Simon Binder. Argumente, die von aussen kamen, wie auch die Avancen der FDP, wo heftig für Bernhard Schmid geweibelt wurde, hat man bei der CVP zur Kenntnis genommen, heisst es. Mit dem Zweierticket zeigt die CVP-Führung jedoch, dass sie diesem Druck standgehalten hat. Denn bei der FDP, aber auch im Brödlirat der Spanischbrödlizunft und bei den Rotariern hätte man sich einen Einer-Vorschlag ihres Favoriten Bernhard Schmid gewünscht.

Schmid hat mehr Wahlchancen

Beim CVP-Nominationsverfahren bekamen die vier Kandidaten (inklusive Gotter) einen Fragenkatalog vorgesetzt. Dabei wurden ihre Vorstellungen über Führung und Stadtentwicklung ausgelotet. Wie aus verlässlicher Quelle zu erfahren war, habe in diesem Teil Schneider die meisten Punkte geholt, während Bernhard Schmid mit seiner Unterstützung in der FDP sein Ticket aufgrund höherer Wahlchancen holte.

Verlierer Reto Schmid nimmt es gelassen: «Natürlich wäre ich gerne Kandidat geworden, aber ich akzeptiere die Empfehlung und nehme sie sportlich.» Es sei klar, dass es bei ihm weder «irgendwelche Spielchen noch Winkelzüge» geben werde. «Die CVP soll ab 2018 den Stadtammann stellen», steht für ihn fest.

Für Bernhard Schmid beginnt der Wahlkampf nun erst richtig: «Ich freue mich, dass diese Empfehlung die parteiübergreifende Unterstützung meiner Kandidatur bestätigt», erklärt er. Und auch wenn es ihm im Herbst nur für ein Stadtratsmandat reichen würde ist für ihn klar: «Ich würde mich so oder so freuen, wenn ich mit meinem Engagement dazu beitragen kann, dass die Stadt vorwärtskommt.»

Schneider nur als Ammann

Markus Schneider attestiert der Parteiführung, dass sie ein überzeugendes Auswahlverfahren geführt habe. Schneider, der aus den Wahlen im Herbst 2013 als bestgewählter Stadtrat hervorging, stellt aber klar: «Wenn ich nicht als Stadtammann-Kandidat nominiert werde, trete ich auf Ende dieser Legislatur aus dem Stadtrat Baden zurück und stelle mich nicht mehr der Wiederwahl.» Für ihn wie für Bernhard Schmid steht eine «wilde Kandidatur» nicht zur Diskussion.

Mit Schneiders Ankündigung darf Matthias Gotter, der wieder für den Stadtrat antreten will, aufatmen. Ohne den Verzicht von Schneider bei einer Nomination von Bernhard Schmid hätte er wohl für die CVP über die Klinge springen müssen. «Ich bin erleichtert und zugleich motiviert. Ich stelle mich gerne für eine weitere Amtsperiode als Stadtrat zur Verfügung», sagt Gotter.

Vorstand und Fraktion der CVP erachten einen Wechsel an der Spitze der Stadt Baden für dringend notwendig, sind sich aber bewusst, dass sie dazu die Unterstützung der bürgerlichen Seite benötigen. «Die Amtsführung des jetzigen Stadtammanns blockiert viele für die Weiterentwicklung unseres Wirtschaftsstandortes und Lebensraumes wichtige Dossiers. Die Dynamik unserer Stadt ist aufgrund dieser Politik erlahmt», so der Vorstand. Das erklärte Ziel, Geri Müller aus dem Amt zu heben, hat für die bürgerlichen Parteien Priorität. Einzig die SVP will laut Parteichef Serge Demuth keinen CVP-Kandidaten unterstützen.

Damit dieses Ziel sicher erreicht würde, forderten mehrere Stimmen in der FDP sogar ein überparteiliches Nominationsverfahren von der CVP. Doch Co-Präsident Tobias Auer winkte ab und erklärte, das sei Sache der CVP.

Brödlirat und Rotary Club

Die Portierung von Bernhard Schmid wurde auch im Brödlirat, dem Schmid als Brödlimeister seit mehreren Jahren vorsteht, und bei den Badener Rotariern vorangetrieben. Dort wirkten Vertreter von der CVP und der FDP vereint. Der ehemalige CVP-Stadtrat Lukas Voegele, der im Jahr 2005 auch als Exekutiv-Neuling den Stadtammannsessel erobern wollte und klar scheiterte, outete sich als Unterstützer von Bernhard Schmid.

Bei der FDP selber wurden indes prominente Parteimitglieder über den freisinnigen Verwandten- und Bekanntenkreis von Bernhard Schmid hinaus für ein Bekenntnis zur Kandidatur Schmid angegangen. Sie sollten als FDP-Mitglieder für den Hoffnungsträger aus der CVP ihre Stimme abgeben. Ihm wird innerhalb der FDP am ehesten zugetraut, dass er an der Spitze des Stadtrates diesen und die Stadt Baden wieder in Fahrt bringen würde, und zwar auch ohne politische Amtserfahrung. Laut offiziell unbestätigten Angaben seien so über 30 Statements zusammengekommen für Schmid, wohl vermerkt für Bernhard, denn Cousin Reto sei bei der FDP kein Thema, war zu erfahren.

Der parteilose Obrist ist beim FDP-Vorstand eher ein Reizwort. Denn einige prominente Freisinnige, die bei der parteiinternen Umfrage zwar nicht befragt wurden, unterstützen den ehemaligen SP-Einwohnerrat und jetzigen Stadtrat bei der Ammannwahl. Es gibt sie aber auch, die Freisinnigen, die hinter Schneider stehen, jedoch im jetzigen Zeitpunkt nicht mit Namen genannt sein wollen. Er mache seinen Job als Bauvorsteher besser als mancher seiner Vorgänger, hört man in den Fachkommissionen und in seinem engeren Umfeld. Die Schneider-Unterstützer würden es bedauern, wenn er bei einer Nicht-Nomination den Bettel auch als Stadtrat hinwerfen würde.

Die CVP hofft nun, gestärkt aus diesem Nominationskapitel herauszugehen. Immerhin darf sie aufgrund der Aussagen ihrer Kandidaten darauf hoffen, von einer «wilden» Kandidatur verschont zu bleiben. So sieht es auch Simon Binder: «Wir sind zuversichtlich, dass dieser Fall mit einem fairen und transparenten Nominationsverfahren nicht eintreffen wird.»

Ja kein Sitzverlust

Die CVP-Führung hofft nach ihrem gefällten Entscheid, dass auch im Laufe des weiteren Verfahrens kein Geschirr unnötig zerschlagen wird. Denn man ist sich bewusst, dass die Partei dabei Gefahr laufen könnte, im schlimmsten Fall gar einen der beiden Stadtratssitze zu verlieren. Wenn auch Grossratswahlen nicht dasselbe sind wie Stadtrats- oder Einwohnerratswahlen, so hat denn die Verteilung der Parteistimmen vom vergangenen Herbst für alarmierende Stimmen unter den Bürgerlichen gesorgt. Denn gerade in der Stadt Baden konnte die SP um sechs Prozent Wähleranteil zulegen. Die SP hat bereits klare Signale dafür abgegeben, dass sie ihren verloren gegangenen zweiten Stadtratssitz zurückholen will, wie es auch der Plan bei der FDP ist.