Man kann ihn mit Fug und Recht als Badener Stadtoriginal bezeichnen. Zwar keines, das immer wieder überall in der Stadt gesichtet wurde. Doch wer sich regelmässig ins Badener Nachtleben stürzte, der kannte Donato Genovese. Anfang Monat wurde er im Alter von 81 Jahren von seinem Krebsleiden erlöst. Langjährige Freunde und Weggefährten nahmen am Sonntagabend Abschied von Donato.

Rund 40 Personen begaben sich – begleitet von italienischen Klängen – auf die Schlossruine Stein, wo weisse Kerzen entzündet wurden und man gemeinsam von Donato Abschied nahm. Der Ort hätte nicht passender gewählt werden können, blickt man doch von der Schlossruine Stein direkt auf den ehemaligen Club Kiste.

Er gehörte quasi zum Inventar

Denn mit der «Kiste», respektive dem Vorgänger-Club Ventil, war Donato seit über zehn Jahren eng verbunden. Aufgewachsen in Potenza, nahe Neapel, kam Donato als 20-Jähriger nach Baden, wo er bis zu seiner Pensionierung bei der ABB als Lagerist arbeitete. Doch wirklich bemerkbar machte er sich erst nach seiner Pensionierung. Jürg Peter, einer der Mitbegründer des «Ventil», erinnert sich: «Als wir 2006 das ehemalige Kleidergeschäft am Schulhausplatz zum ersten Mal betraten, war Donato schon einer der Ersten, der einen Augenschein vom zukünftigen Club nahm. Fortan gehörte er quasi zum Inventar.» Dabei habe Donato bei der Umgestaltung der Liegenschaft in einen Club tatkräftig mitgeholfen. «Und auch nach der Eröffnung war Donato eigentlich jeden Abend im Club anzutreffen.» Nicht nur habe er leidenschaftlich «tanziert», wie er selber zu sagen pflegte. «Nein, wenn die Party vorbei war, hat er sehr oft Leergut eingesammelt und mit dem Besen den Boden gefegt», erinnert sich Peter.

Auch wenn Donato nie offiziell angestellt gewesen sei, so habe man ihn für diese Arbeiten natürlich entschädigt. «Wir mussten jeweils einfach darauf Acht geben, dass er nicht sein ganzes Geld sofort verspielt», so Peter mit einem Lachen.

Als aus dem «Ventil» 2011 die «Kiste» wurde, habe man mit den neuen Betreibern quasi vertraglich vereinbart, Donato im Inventar zu übernehmen. Das wäre aber wohl gar nicht nötig gewesen, da sich Renato Binder, Jorin Schmitz und Marc Huber Donato auch ohne «Vertragsklausel» angenommen hätten. «Donato war wie ein Grossvater für uns», sagt Schmitz, der bei seiner Abschiedsrede erwähnte, dass sie mit Donato wohl mehr Zeit verbracht hätten als mit manchen Angehörigen. Oft habe Donato die «Kiste»-Jungs auch auf Reisen begleitet. Binder erinnert sich: «Einmal bin ich mit ihm im Zug ins Wallis gefahren. Er kam fast zu spät, weil er noch seine Bolognese fertig kochen und diese im Dampfkochtopf ins Wallis transportieren wollte. Ich hab ihm dann gesagt, dass er die Sauce nicht mitzunehmen brauche, da es im Wallis bestimmt auch etwas zu essen gibt.»

Während die «Kiste»-Jungs in Donato ihren Grossvater sahen, wurden diese für ihn schnell eine Art Familienersatz. So halfen sie ihm in den letzten Jahren zweimal, eine neue Wohnung zu finden und während einer kurzen Zeit organisierte man für ihn gar eine Putzfrau.

Schalk bis zum Schluss behalten

Zwar klagte Donato in den letzten Jahren immer mal wieder über Bauchschmerzen, was wegen seines nicht immer ganz gesunden Lebenswandels nicht weiter verwunderlich war. Doch nur wenige Tage nachdem die «Kiste» Ende Juni die letzte Party gefeiert hatte, liess er sich wegen der Schmerzen ärztlich untersuchen – mit der niederschmetternden Diagnose Krebs. Und ein letztes Mal waren es die «Kiste»-Betreiber, die Donato zur Seite standen, ihn im Spital besuchten, für ihn ein Zimmer im «National» in Ennetbaden organisierten, mit Ärzten sprachen oder Finanzielles regelten. «Für uns war das selbstverständlich, ihn auf diesem letzten Weg zu begleiten», sagt Binder. Körperlich habe Donato sehr schnell stark abgegeben. «Doch seinen Schalk hat er sich bis zum Schluss bewahrt.» In den Armen seines aus Italien angereisten Bruders durfte Donato Anfang Monat schliesslich friedlich einschlafen.

Alle auf der Schlossruine Stein Anwesenden – zu Ehren von Donato trugen alle einen Hut – waren sich einig, mit Donato einen herzensguten Freund verloren zu haben, «der sein Leben richtig gelebt hat». Zu den Klängen von «Ti amo» von Umberto Tozzi erinnerte man sich an gemeinsame Momente mit Donato und prostete ihm mit einem Jägermeister hinauf zum Himmel, wo er jetzt gewiss mit den Engeln «tanziert».