Wie bitte – nächsten Monat soll er seinen 79. Geburtstag feiern? Das wird schon stimmen, jedenfalls auf dem Papier. Auf der Bühne aber scheint er alterslos, ist ganz einfach immer der Jörg Schneider, wie man ihn mag. Ja, wie gar so manche ihn lieben seit sie Kind waren – ihn, den Inbegriff von Kasperli. Ihn auf diese Figur zu reduzieren, wird Jörg Schneider allerdings in keiner Weise gerecht. Denn er ist ein ausgezeichneter Volksschauspieler im besten Sinne des Wortes. Einer, der Charaktere verkörpert, ohne sich dabei zu verleugnen. Einer, der es meisterlich versteht, Lachmuskeln zu strapazieren und im nächsten Moment stille Seufzer zu provozieren.

Nun ist er aufgebrochen zu seiner Abschiedstournee und hat, drei Tage nach der Premiere, an Silvester im Badener Kurtheater Station gemacht. Schneider selbst hat das 2007 uraufgeführte Stück «Blickwechsel» der österreichischen Autorin Susanne Felicitas Wolf, mundgerecht ins Schweizerdeutsche übertragen und ihm den sinnvollen Titel «Häppi Änd» verpasst. Sinnvoll, weil das Stück für seine über 50-jährigen Bühnenkarriere ein glückliches Ende darstellt. (So er danach denn tatsächlich bühnenabstinent werden sollte, was a) sehr schade und b) deshalb nicht ganz geglaubt sein will.)

«Motzki» und seine Fassade

Item, mit der Wahl von «Häppi Änd» hat Jörg Schneider jedenfalls einmal mehr ein glückliches Händchen bewiesen. Es ist ein Lustspiel, das bestens unterhält. Von Anfang an steht der Zuschauer mitten drin in der Handlung, kann auch Unverhofftes bestens nachvollziehen. Dies nicht zuletzt, weil unter all dem Lachen auch leise Tragik mitschwingt. Die Figur des ewig nörgelnden, griesgrämigen Kinobesitzers und Witwers Robert Lehmann ist Schneider auf den Leib geschrieben. Weil er es blendend versteht, durch Mimik, Gestik und Diktion den Zuschauer auch hinter die «Motzki»-Fassade blicken zu lassen.

Drei weitere Akteure sorgen in «Häppi Änd» für überraschende Wendungen, gelungene Pointen und wohldosiertes Tempo. Als fürsorgliche, nachsichtige Nachbarin Sager – die Lehmann reich mit Titulierungen wie «Schreckschraube» eindeckt – trifft Irène Fritschi genau die richtigen Tonlagen. Daniel Bill verleiht Lehmanns Sohn Alex mit Nonchalance die nötige (aufgesetzte) Schnoddrigkeit des aufgeblasenen Versagers. Als Hauspflegerin mit Pflichtgefühl und Engelsgeduld, deren Kragen erst ausserhalb von Lehmanns Wohnung platzt, überzeugt Angelika Binz.