Ein leises Surren empfängt die Gäste im Badener Konzertlokal Nordportal. «Ich liebe dieses Geräusch», sagt ein Gast und tritt in die Halle ein. Er trägt Jeans, sein Flanellhemd ist sorgfältig in die Hose gestopft. Die Haare hat er mit Pomade in eine Tolle gegelt und erinnert durch sein ganzes Aussehen an John Travolta im Kultfilm «Grease». Das Surren ist das Geräusch von Tätowiernadeln; der Mann ein Rockabilly-Fan.

Am Wochenende trafen sich Anhänger dieser Musik- und Moderichtung auf dem Gelände des «Nordportals» zum zweiten «Trash Town Rockabilly Weekender» – einem Festival, bei dem sich das gesamte Gelände in ein Paradies für Rockabilly-Fans verwandelt. Neben Ständen mit den passenden Kleidern, einer kleinen Oldtimer-Ausstellung und einigen Konzerten zog besonders die Tattoo-Convention am Samstag viele Besucher an. Während draussen laute Rockabilly-Musik aus den Boxen dröhnte, war die Halle drinnen von dem leisen Surren der Nadeln erfüllt. Etwa 15 Tätowierer von 8 Tattoostudios stachen den Leuten verschiedenste Motive unter die Haut. Dabei konnten sich die Besucher auch spontan für ein Tattoo entscheiden.

Geld für Kinder in Not

Der gesamte Erlös der Convention geht an die «Stiftung für Kinder in der Schweiz», die benachteiligten Kindern in Not hilft. «Ich gehe sonst nicht an Conventions», sagt Marco Andermatt vom Tattoostudio Skillpin aus Baar, «aber das hier finde ich eine gute Sache.» Er ist durch seinen ehemaligen Lehrmeister, Werner Brunner, dazu gekommen, im «Nordportal» quasi ehrenamtlich zu stechen. Brunner ist Inhaber des Badener Tattoostudios Rock’n’Roll und organisiert seit drei Jahren die Convention. Wegen ihm ist eine Tätowiererin sogar aus Rotterdam angereist.

Wer nicht wegen Werner da war, kam wohl wegen der Konzerte, oder um sich selbst zu präsentieren: Bei strahlendem Sonnenschein trafen Frauen in hohen Pumps und bauschigen Röcken auf Männer mit tätowierten Armen und Lederjacken. Es war ein Wochenende, bei dem man sich in die 50er-Jahre versetzt fühlte – Bloss mit mehr Tätowierungen.