Den 80. Geburtstag mit 110 Gästen und einem ausgelassenen Fest zu feiern ist nicht gerade typisch für einen Pater – aber sehr typisch für Josef Ambühl. «Das Wiedersehen mit rund 30 ehemaligen Mitgliedern von unserem ‹Kreis der Jungen› – damals um die 20-jährig, heute Grossmütter und Grossväter – an meinem Fest im Juni war einmalig.»

Josef Ambühls Augen strahlen und um seinen Mund spielt ein verschmitztes Lächeln. Nach 34 Jahren ist er seit letztem Jahr wieder dort, wo er als 33-Jähriger das Amt des Quartierpfarrers übernommen hatte.

In Emmenbrücke aufgewachsen, hatte Josef am Collège in Fribourg die Matur gemacht und danach in Matran das Noviziat bei der Kongregation der Redemptoristen absolviert.

«Gegründet von Alfons von Liguori ist es ein aktiver Orden, der sich für die verlassensten Menschen einsetzt.» Nach fünfjährigem Studium an der theologischen Hochschule der Redemptoristen im bayrischen Gars am Inn wurde er am 21. August 1961 durch Bischof von Streng in der Klosterkirche Wettingen zum Priester geweiht.

Wow – was für eine Hütte

Nach drei Jahren Priestertätigkeit in Kastanienbaum hatte Pater Ambühl als Vikar in einer Pfarrei in Kreuzlingen einspringen müssen. «Weil ich mit dem dortigen Pfarrer Schwierigkeiten hatte – auch das gibts – habe ich nach zwei Jahren um Versetzung gebeten.»

Pech für Kreuzlingen, Glück fürs Badener «Kappi»-Quartier. Im August 1967 trat er hier seine Stelle an. «Es begann wie üblich: Sonn- und Werktags-Gottesdienste, Religionsunterricht, Krankenbesuche, Beerdigungen . . . Eines Tages aber klopfte eine Gruppe junger Leute bei mir an und fragte, ob ich beim Aufbau einer Jugendgruppe mitmachen würde.»

Der Pater machte nicht nur mit – er war sofort Feuer und Flamme. Im September 1968 wurde der «Kreis der Jungen» (KdJ) mit 40 Mitgliedern aus der Taufe gehoben.

«Drei Jahre später hatten wir unser eigenes Jugendzentrum, die KdJ-Hütte, am Waldrand, finanziell und materiell grosszügig gesponsert und in Fronarbeit aufgerichtet.» Stolz führt Pater Ambühl mich zu einem Augenschein. Wow! Gepflegt, stattlich, gemütlich, ausgestattet mit elektrischem Licht, Küche, WC, ist sie heute noch ein Bijou von einer «Hütte».

Rasch war der KdJ für die etwa 16- bis 25-jährigen zu einem festen Bestandteil vom «Kappi» geworden. Diskussions- und Vortragsabende, Wandertage, Weekends, Besichtigungen: Gemeinschaft war grossgeschrieben.

Aber die KdJ-ler waren auch offen gegenüber allen Quartierbewohnern, organisierten Suppen- und Skitage, Ausflüge, Ferienlager. Ende der 70er Jahre hatte der Pfarrer für seine Schäfchen Familienferien in Spanien organisiert: «Wir waren über 60 Leute und sind mit dem Bus nach Calella in Spanien gefahren; 16 Tage Badeferien für 450 Franken pro Person mit Vollpension.»

«Der jährlich gross angelegte Fasnachtsball, den wir ins Leben riefen, wurde mit seiner Bombenstimmung rasch weit über den ‹Kappi› hinaus bekannt und beliebt. 700 bis 800 Besucher sind jeweils gekommen.» Wen wunderts?

Die «fünfte Jahreszeit» hat für den gebürtigen Luzerner naturgemäss schon immer eine Rolle gespielt. Und ebenso der Sport: «Bis vor zwei, drei Jahren bin ich Rollerblades gefahren und früher war ich begeisterter Schlittschuhläufer.»

Eine Grundlage für solche Leidenschaft hatte Josef Ambühl im Winter 1971 im «Kappi» gelegt: «In einer frostigen Nacht habe ich klammheimlich genügend Wasser auf den Platz vor der Turnhalle gespritzt – die Buben und Mädchen des Quartiers hatten riesig den Plausch an ihrer Eisbahn. An der Badenfahrt 1975, dem ‹Musiläum›, bin ich am Umzug als Winnetou hoch zu Pferd mitgeritten.»

Heimkehr nach 34 Jahren

Noch immer ist Pater Ambühl spürbar glücklich und stolz, wenn er sich an seine Jahre in Baden erinnert. Als er 1981 von hier Abschied nahm, organisierten die Kappelerhöfler ein rauschendes Fest: Er wurde zum Ehrenbürger des Quartiers ernannt und der damalige Stadtammann Victor Rickenbach überreichte ihm ein Stadtsiegel.

«Ich habe danach ein Studienjahr eingeschaltet, habe unter anderem in Dublin einen Englischkurs besucht, in Würzburg einen Kurs in Krankenhaus-Seelsorge und in Spanien Windsurfen gelernt.»

Nach drei Jahren als Seelsorger an der psychiatrischen Uniklinik Bern hatte Pater Ambühl die Pfarrei St. Mauritius in Bern-Bethlehem übernommen. 2000 wurde er pensioniert. «Weil Pfarrer bekanntlich Mangelware sind, habe ich weitere 14 Jahre in Bern, Münsingen und Konolfingen in den Pfarreien ausgeholfen, bis Ende September letzten Jahres.»

Der rüstige 80-Jährige – gesegnet mit einer wunderbaren Ausstrahlung von Weisheit, Güte, Weltoffenheit, Humor, Gelassenheit, durchmischt mit einer Portion Dynamik – wollte nicht mehr allein leben, auch falls er mal krank werden sollte.

So kehrte er zurück nach Mariawil. Neben der Kapelle, etwas zurückversetzt hinter Bäumen, leben im Haus der Kongregation zurzeit sieben Redemptoristen. «Nicht nur von ihnen, von ganz vielen Kappelerhöflern wurde ich mit offenen Armen empfangen: Ich bin nach Hause gekommen.»