Nachruf
Journalist, Regionalfernseh-Pionier, Träger des Humorordens, Ur-Bademer

Am Ende war der Krebs stärker. Unser geschätzter ehemaliger Kollege Klaus Streif ist letzte Woche im Alter von 74 Jahren an dieser heimtückischen Krankheit gestorben

Hans Fahrländer
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Baden verdankt Klaus Streif viel.

Baden verdankt Klaus Streif viel.

Bis fast zuletzt war Klaus Streif an öffentlichen Anlässen in Baden präsent, allerdings schon stark gezeichnet von seiner Krankheit. Doch sich verstecken oder gar vorzeitig kapitulieren – das wäre nicht seine Art gewesen.

Klaus Streif war ein Ur-Bademer, ein «Haldebueb», wie er stets betonte. Er wurde im zweiten Kriegsjahr an der Kronengasse 7 als fünftes und jüngstes Kind von Louis und Anna Streif-Meier geboren. Nach der Bezirksschule trat er nach dem Willen des Vaters eine Lehre als Maschinenschlosser bei BBC an, übte diesen Beruf aber nur kurze Zeit aus. Er strebte nach Höherem – im wörtlichen Sinn: Er wollte in die Luft. Bereits mit 21 erwarb er das Privatpilotenbrevet und wurde Beamter beim Amt für Luftverkehr auf dem Flughafen Kloten. Nach fünf Jahren wechselte er als Einsatzleiter zur Schweizerischen Rettungsflugwacht. Die Liebe zur Luftfahrt bewahrte er ein Leben lang.

Klaus blieb ein unruhiger Geist, stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Anfang der Siebzigerjahre lockten die Politik und der Journalismus: Er wurde Parteisekretär der CVP Aargau und Redaktor bei der katholischen Tageszeitung «Aargauer Volksblatt» (AV). Nach knapp zwei Jahren beschloss er, sich ganz auf den Journalismus zu konzentrieren. Streif war ein Allrounder, er bearbeitete mit anerkannter Sachkenntnis lokale, kantonale und nationale Themen. 1980 wechselte er über die Strasse zum «grösseren Bruder»: Otto Wanner nahm ihn, den Katholisch-Konservativen, in die Redaktion des reformiert-liberalen «Badener Tagblatts» (BT) auf – eine besondere Wertschätzung.

Motor von «Rüsler TV»

Doch die stete Lust nach Neuem trieb Klaus ins nächste Experimentierfeld. Ende der 70er-Jahre, als in der Schweiz noch niemand von regionalem Fernsehen sprach, erteilte Bundesbern einer Projektgruppe eine Konzession für eine «regionale kabelgebundene Fernsehversorgung in der Region Baden». An vorderster Front mit dabei, als Vertreter der Tageszeitungen AV und BT: Klaus Streif. Zu sehen waren zunächst nur Texttafeln – doch zur Badenfahrt 1987 lernten die Bilder laufen: Die Region bewunderte am ersten Umzugs-Sonntag die erste regionale TV-Reportage. Produzent und Moderator: Klaus Streif.

Klaus wurde zum eigentlichen Regionalfernseh-Pionier im Aargau. Zehn Jahre lang leitete er die Rüsler-Television AG (Namensgeber war der Standort des Senders oberhalb Neuenhof), führte sie von laienhaften zu professionellen Strukturen, war Redaktor, Produzent, Aufnahmeleiter, Anzeigenchef und Rechnungsführer in einem. 1995 wurde Rüsler-TV in Tele M1 umbenannt, die Aufbauarbeit war beendet, Zeit für Klaus, zur Zeitung zurückzukehren. Noch fast zehn Jahre lang arbeitete er für die Aargauer Zeitung im Ressort Wirtschaft mit den Schwerpunkten Telekommunikation, Logistik und Aviatik.

Doch damit ist das Leben des Klaus Streif noch längst nicht fertig erzählt. Man staunt, was alles Platz hatte im Leben dieses engagierten, zupackenden Tatmenschen:

Der Jugendhaus-Leiter Mit 25 wurde Klaus Gründungspräsident der «Vereinigung Kornhaus-Jugendhaus Baden». Er setzte sich an vorderster Front für den Aufbau eines Jugendhauses ein und trug damit wesentlich dazu bei, dass die Jugendrevolte der 60er- und 80er-Jahre in Baden ein gewaltverhinderndes Ventil fand.

Der Fasnächtler Klaus war 45 Jahre lang Brödlirat der Spanischbrödlizunft, die in und für Baden die Fasnacht und weitere fröhliche Anlässe organisiert. Von 1980 bis 1990 stand er der Zunft als Brödlimeister vor. Er organisierte die Fasnacht aber nicht nur, er bereicherte sie auch: unter anderem als Schnitzelbänkler «Haldeschnüüfel» und als Redaktor der «Gelben». Dafür verlieh ihm die Stadt 1980 den Humor-Orden in memoriam Herbert E. Duttwyler.

Der Politiker Neben und nach seiner Tätigkeit als kantonaler Parteisekretär war Klaus Vorstandsmitglied der CVP Baden und von 1974 bis 1985 Mitglied der CVP-Fraktion im Einwohnerrat. Die Streifs waren/sind eine Politiker-Familie. Seine Gattin Trudi (von der er sich 2010 scheiden liess) war bis vor kurzem ebenfalls Einwohnerrätin, sein Sohn Hannes ist es bis heute – allerdings nicht für die CVP, sondern für das team.

Der Offizier Als guter Staatsbürger absolvierte Klaus die militärische Karriere bis zum Hauptmann und Kommandanten einer Flugzeugreparatur-Kompanie. In einem zweiten militärischen Leben wurde er Informationsoffizier und warb nach innen und aussen für die Notwendigkeit der militärischen Landesverteidigung.

Der Lokalhistoriker Bis fast zuletzt verfasste Klaus Beiträge für die Badener Neujahrsblätter. Er kannte die Geschichte Badens – und die Sprache Badens. So belehrte der Dialektpfleger etwa den Neuzuzüger, «Bade» (mit kurzem a) sei Import aus Züri, der richtige Bademer sage «Baade».

Nun ist ein intensives Leben zu Ende gegangen. Klaus Streif war ein neugieriger Mensch, der ungeheuer viel wusste, er war ein guter Journalist und ein präziser Formulierer – und er war ein fröhlicher, geselliger Kollege. Wer öffentlich schreibt, der überdauert seinen Tod, er lebt weiter, in dem was, er geschrieben hat. Wir werden Klaus ein ehrendes Andenken bewahren. Seinen Angehörigen entbieten wir unser herzliches Beileid.

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