Laientheater

Jubiläumsauftritt der «Badener Maske» muss auf nächstes Jahr verschoben werden

2018 trat die Badener Maske mit «Ben Hur» auf – hier beim Gastspiel in Wettingen.

2018 trat die Badener Maske mit «Ben Hur» auf – hier beim Gastspiel in Wettingen.

Das Laientheater «Badener Maske» ist 75 Jahre alt und hätte das heute mit dem Stück «Herr Peter Squenz» gefeiert. Corona liess das nicht zu. Nun muss ein Jahr gewartet werden.

Die Bühne misst nur gerade 5,4 auf 2,05 Meter und ist doch gross genug, um darauf Goethe, Goldoni, Schnitzler, Tschechow, Dürrenmatt und weitere Klassiker zu spielen. Man könnte es schlicht als dramaturgisches Wunder bezeichnen, doch das Ganze hat zwei Namen, die unverrückbar miteinander verbunden sind: Badener Maske und Thespiskarren. Dazu gesellt sich nun die Zahl 75: So viele Jahre schon gibt es das Liebhabertheater, das eisern dafür sorgt, dass der Ruf Badens als lebensfrohe Stadt nicht gänzlich verblasst.

Heute wäre es wieder so weit: Premiere der 75-Jahr-Jubiläumsproduktion «Absurda Comica oder Herr Peter Squenz» frei nach Andreas Gryphius, Beginn 20.30 Uhr auf dem Badener Kirchplatz. Jeder Mitwirkende hätte rund 300 Stunden an Aufwand geleistet, zwei Wochen intensiver Endspurt würde hinter dem Ensemble liegen. Wäre, hätte, würde...Konjunktiv gleich Coronaaktiv.

«Am 22. April hatte ich die Mitglieder, Freunde und Sponsoren informiert, dass das Jubiläum um ein Jahr verschoben wird. Erfreulicherweise hat sich kein einziger Sponsor zurückgezogen», so Vereinspräsidentin Barbara Gebhart. Die 60-Jährige ist sozusagen mit der BaMa aufgewachsen: Onkel Martin Gebhart hatte als Grafiker das erste Logo und ab 1947 mehrere Bühnenbilder entworfen. Vater Klaus war in der Technik, Schwester Monika auf der Bühne aktiv und Mutter Heidi soufflierte. Barbara hatte ihr schauspielerisches Talent erstmals als 18-Jährige in «Romeo und Julia oder wie kommt man in den Himmel» nach Ludwig Thoma auf dem Thespiskarren unter Beweis gestellt, was sie unverdrossen regelmässig immer noch tut.

Seit 1976 verbreitet sie als Frau Klingefuss an der Cordulafeier den neuesten Stadtklatsch. Ab und zu spielt sie auch in Röbi Egloffs Theater in Baden mit und seit neun Jahren amtet sie als Präsidentin der Badener Maske. So «nebenbei» respektive hauptberuflich ist Gebhart Malerin mit eigenem Betrieb tätig.

87 Produktionen in 75 Jahren

Zu einem Jubiläum gehört auch ein Blick zurück. Im Mai 1945 hatten drei junge Badener – Paul Bruggmann, Max Mittler und Fritz Sidler – das Bedürfnis verspürt, das brachliegende Theaterleben der Stadt mit der Gründung einer Liebhaberbühne aufzumöbeln. Rasch hatte sich ein Verein konstituiert und nur zwei Monate später war der Entscheid gefallen, die Badener Maske mit zwei kurzen Stücken von August Kotzebue aus der Taufe zu heben. Nach der Premiere im arg in die Jahre gekommenen hölzernen Sommertheater im Kurpark ging es Schlag auf Schlag und mitten hinein in die grosse Badenfahrt 1947: Zum einen war die gesamte Badener Maske beim Festspiel engagiert, zum andern führte die BaMa separat eine Komödie nach Molière auf.

Und damit schlug – mangels geeigneter Bühne – die Geburtsstunde des Thespiskarrens. 35 Jahre hatte er in der Folge brav seinen Dienst versehen – jeweils auch eine Woche lang bei den Gastspielen am Bodensee. Inzwischen ist der dritte Thespiskarren im Einsatz. Die ersten zehn Jahre hatte die Badener Maske Jahr für Jahr mehrere Stücke aufgeführt, später war jährlich eine Produktion gefolgt und seit 2010 wird noch alle zwei Jahre gespielt. 87 Produktionen wurden in den 75 Jahren auf den Thespisbrettern realisiert.

«Bei der Stückwahl musste und muss berücksichtigt werden, dass auf unserer Bühne gleichzeitig höchstens acht Darstellerinnen und Darsteller Platz haben und eine Vorstellung nicht länger als 70 Minuten dauern sollte», sagt Gebhart.

Feldmarschall als Herausforderung

Highlights hat es viele gegeben. Etwa 1955, als mit Fritz Lichtenhahn ein junger professioneller Schauspieler auf dem Thespiskarren gastierte; «Was ir wänd» von Franz Doppler frei nach Shakespeare als Badenfahrt-Festspiel 1982 im Kurpark; die Verleihung des «Dutti»-Ordens 1983 um nur ganz wenige von sehr vielen zu nennen.

Wie viele Rollen sie inzwischen gespielt hat, kann Barbara Gebhart nicht sagen. «Eine besondere Herausforderung war für mich die letzte Produktion, als ich 2018 in «Ben Hur» einen Feldmarschall spielen musste», sagt sie lachend. Eine Traumrolle habe sie nicht, wohl aber einen grossen Wunsch: «Dass die BaMa auch noch ihr 100-Jähriges feiern kann.» Warum nicht mit ihr auf dem Thespiskarren? Sie wäre nicht die einzige Mimin, die ihren letzten Atemzug am liebsten auf den weltbedeutenden Brettern tun würden.

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