Turgi

Jüngster Ammann im Bezirk: «Mein Alter ist kaum mehr ein Thema»

Adrian Schoop auf der Holzbrücke: «Wir müssen uns langfristig in Richtung Baden orientieren.»

Adrian Schoop auf der Holzbrücke: «Wir müssen uns langfristig in Richtung Baden orientieren.»

Adrian Schoop (30) schaffte die Wahl und wird 2017 jüngster Ammann im Bezirk. Dabei wollte er einst zur «Tagesschau». Im Interview redet er über die Schwierigkeit, Politik, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen.

Adrian Schoop, Glückwunsch zur Wahl. Wobei, Gemeindeammann sei ein undankbarer Job, liest man immer wieder. Warum tun Sie sich dieses Amt an?

Adrian Schoop: Gehen Sie davon aus, dass ich mir mein Engagement sehr gut überlegt habe. Es ist eine Aufgabe mit viel Verantwortung und vielen Erwartungen von allen Seiten. Darum habe ich viel Respekt vor diesem Amt. Aber grösser ist die Vorfreude. Wenn ich in mich hineinhöre, dann merke ich: Es stimmt für mich. Der innere Antrieb ist vorhanden. Und ich finde Turgi eine super Gemeinde. So einfach ist das.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Resultat? Sie waren einziger Kandidat und haben 301 von 397 Stimmen erhalten.

In den vergangenen Jahren habe ich als Bauvorsteher einige Einwendungsverhandlungen geführt. Da kann man es nicht allen recht machen, das hat vielleicht die eine oder andere Stimme gekostet. Ich denke, ich darf mit dem Resultat zufrieden sein. Auch einige linke Wähler haben mir ihre Stimme gegeben. Mir wäre aber lieber gewesen, hätte ich einen Konkurrenten gehabt. Das tiefe Interesse an Politik in unserer Gemeinde ist bedauerlich. Nur 27 Prozent der Stimmberechtigten haben abgestimmt.

Sie sind ab nächstem Jahr der jüngste Gemeindeammann im Bezirk. Ist Ihr Alter oft ein Thema?

Nein, ich werde kaum mehr darauf angesprochen. Niemand hat mir vor oder nach der Wahl gesagt, ich hätte zu wenig Lebenserfahrung. Das war vor vier Jahren bei der Gemeinderatswahl noch anders. Umso mehr werde ich inzwischen auf meine Ziele für Turgi angesprochen.

Wie soll sich Turgi unter Ihnen denn entwickeln?

Jeder und jede sollte wieder stolz sein, ein Turgemer, eine Turgemerin zu sein. Wir haben einen Bahnhof, Primar- und Bezirksschule, Kultur, Feste, gute Infrastruktur und eine belebte Bahnhofstrasse. Aber ich habe das Gefühl, dass die Leute momentan eher an den Rohrdorferberg ziehen, wenn sie in der Nähe von Baden wohnen wollen, obschon wir mit der S-Bahn nur 5 Minuten von der Stadt entfernt sind. Wir müssen uns als Gemeinde nach aussen wieder attraktiver positionieren. Der finanzielle Spielraum unserer Gemeinde ist in meinen Augen zu klein, wir müssen steuerkräftige Neuzuzüger anziehen. Wir brauchen mehr Einnahmen, um die Investitionen der kommenden Jahre stemmen und vielleicht den einen oder anderen Franken für Unvorhergesehenes beiseitelegen zu können.

Sie sprechen schnell, wie aus einem Guss, als gäbe es nichts Wichtigeres. War Politik schon immer Ihre Leidenschaft?

Nein nein, lange Zeit wollte ich Tagesschau-Sprecher werden, habe darum regelmässig in Sendungen reingeschaut. Nach dem Jus-Studium vor fünf Jahren rückte ich per Zufall in die Finanzkommission. Und ich merkte: Im Gegensatz zum Fernsehen wird in der Politik nicht nur über Ereignisse geredet, man kann mitbestimmen und viel bewegen.

Stehen Sie denn gerne im Rampenlicht?

Wie meinen Sie das?

Ob Tagesschau-Sprecher oder Politiker: Bei beiden Jobs steht man in der Öffentlichkeit.

Wenn ein guter Auftritt hilft, eine Idee oder eine Vision zum Zünden zu bringen, dann mache ich das tatsächlich sehr gerne. Deshalb gefällt es mir auch, etwa eine 1.-August-Rede halten zu dürfen, dabei eine Idee zu präsentieren und Leute zu motivieren.

Sie werden als Gemeindeammann Chef von 25 Angestellten. Was für ein Chef sind Sie?

Obwohl ich gerne und etwas schnell spreche, kann ich auch gut zu hören und auf die Bedürfnisse meiner Mitarbeitenden eingehen und sie motivieren. Umgekehrt scheue ich nicht, klare Entscheidungen zu fällen und für diese einzustehen, obwohl es vielleicht nicht allen gefällt. Als Gemeindeammann ist vor allem auch der Dialog mit der Bevölkerung wichtig und mit den umliegenden Gemeinden.

Dazu eine Frage, die Sie bitte mit Ja oder Nein beantworten.

Soll Turgi eine Fusion anstreben?

Ja.

Mit wem?

Ich bin der Meinung, dass sich Turgi langfristig in Richtung Baden orientieren muss.

Wie stehen Sie zur aktuell laufenden Diskussion über den Lohn von Gemeinderäten?

Ein vernünftiges Salär ist wichtig, Aufwand und Ertrag müssen stimmen. Ich arbeite als Unternehmer und bin daneben auch noch Politiker, die allermeisten Gemeinderäte kennen diese Doppelbelastung. Das soll schon entsprechend honoriert werden.

Und das Privatleben?

Es ist nicht einfach. Meine letzte Beziehung ging in die Brüche, weil ich fast keine Zeit für meine Freundin hatte. Vier von fünf Abenden bin ich weg wegen der Politik, am Samstagnachmittag ist Aktenstudium angesagt. Manchmal fragen mich Leute, ob ich eine Polit-Karriere plane. Bei aller Leidenschaft für Politik – mein langfristiges Ziel ist es, eine Familie zu haben. Das ist mein grösster Traum.

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