Kirchdorf
Jugendchor Siggenthal begeistert mit «De Zäller Josef»

Zum 100.Geburtstag von Paul Burkhard führte der Jugendchor Siggenthal «De Zäller Josef» auf. Über 80 Kinder standen als Schauspieler und Sänger auf der Bühne.

Matthias Steimer
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Zäller Wiehnacht in Obersiggenthal
6 Bilder
Josef und sein Vater mit den Traumwesen und Brüdern
Riccardo Aloisi als Josef und seine Brüder
Josef wird in Ägypten Herr über alles Brot
Margreth Sohn und Trix Lehr
Ein festliches Amen zum Schluss

Zäller Wiehnacht in Obersiggenthal

Aargauer Zeitung

«Josef, min Josef isch tot», wimmert Vater Jakob, in den Händen ein rot verschmiertes Tuch. Die Lichtregie, der Chor im Hintergrund und das Orchester auf der Empore unterstützen die Dramatik. Verstohlene Blicke der Brüder Josefs. Sie wissen genau: Josef ist nicht tot, denn sie haben ihn als Sklaven nach Ägypten verkauft – aus Eifersucht, weil er vom Vater bevorzugt wurde.

Paul Burkhards «Zäller Josef» thematisiert in Momenten wie diesem menschliche Gefühle und ihre ganze Tragweite. Da die Geschichte aus dem Alten Testament stammt, wird bald klar, dass Emotionen zeitlos sind; die Szenen könnten sich heute in ähnlicher Weise abspielen.

Volle Konzentration

In diese Gefühlswelten tauchten am Wochenende über 80 Kinder des Jugendchors Siggenthal – es gab drei Aufführungen. Einfache Kostüme machten es möglich, Chor, Gebrüder und Traumwesen optisch zu trennen. Die ausgeklügelte Choreografie brachte Dynamik ins Geschehen. Problemlos meisterte die Kinderschar den Ablauf, obwohl nur ein paar Hilfslinien am Boden gezogen waren.

Alle konnten sich bis zum Schluss konzentrieren, sprachen laut und deutlich, hatten die volle Aufmerksamkeit des Publikums. In der Hauptrolle als Josef glänzten nacheinander Michele Aemmer, Jonas Kalt und Riccardo Aloisi. Die Personenwechsel erdachte nicht die Regisseurin Trix Lehr, sondern sind von Paul Burkhard so vorgeschlagen.

Josef rettet seine Brüder

Neben den Kindern überzeugte auch Guido Arnet als Vater Jakob mit schauspielerischem Geschick und seiner sonoren Stimme. Ihm zuzuhören erinnerte an Paul Bühlmann, dessen Stimme Kindern wie Erwachsenen aus Kasperlitheatern bekannt ist.

Als begabter Traumdeuter wird Josef in Ägypten «Herr über alles Brot», um schliesslich seine Brüder vor dem Hungertod zu bewahren.

Die Geschichte von Josef und seinen Brüdern lässt nichts an konfliktreichem Stoff aus: «Liebe, Strafe, Macht, Vergebung – alles ist dabei», sagt Margret Sohn, musikalische Leiterin. Erstaunlich, wie die Kinder all dies zu vermitteln vermochten.

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