Wer Alkohol an unter 16-Jährige verkauft, soll künftig einfach und rasch mit einer Ordnungsbusse von 200 Franken bestraft werden, statt dass wie bisher die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wird: Der Bundesrat hat diese Woche seine sogenannte Bussenliste entsprechend erweitert, die Änderung befindet sich nun in der Vernehmlassung.

Dass Handlungsbedarf besteht, belegen beispielsweise Testkäufe, welche die Stadtpolizei Baden diesen Frühling in ihrem Vertragsgebiet gemeinsam mit der Suchtpräventionsfachstelle Blaues Kreuz durchgeführt hat. Die Jugendschutzbestimmungen würden leider häufig nicht eingehalten, sagt Erika Albert von der Badener Gewerbepolizei. Im März und April sind solche Alkohol-Testverkäufe in insgesamt 73 Betrieben der Region durchgeführt worden. Mehr als die Hälfte, rund 55 Prozent der Betriebe, hielt sich nicht an die Bestimmungen. «Das Ergebnis ist ernüchternd», sagt Erika Albert.

Jeweils zwei Jugendliche hatten unter Leitung des Blauen Kreuzes versucht, alkoholische Getränke zu erwerben; im Anschluss an den Testkauf wurde das Ergebnis mit dem Betrieb durch Angehörige der Polizei besprochen. Erika Albert: «Die meisten Betriebe waren einsichtig und haben Besserung versprochen. Unserer Meinung nach würde es Sinn machen, dass man beim Alkoholkauf automatisch und ungefragt einen Ausweis zeigen muss, so wie das bereits bei gewissen Detailhändlern verlangt wird.» Gebüsst werden durften die Betriebe, die bei den Tests durchfielen, allerdings nicht: Die bei Testkäufen gewonnenen Erkenntnisse dürfen bei einem Strafverfahren nicht verwendet werden. Alkohol-Testkäufe durch Minderjährige gelten laut Bundesgericht als verdeckte Ermittlung.

Kontrollen auch im Zurzibiet

Lilian Studer, Geschäftsführerin vom Blauen Kreuz Aargau/Luzern und EVP-Grossrätin: «Wir stellen allgemein fest, dass die Alkoholverkäufe an Jugendliche im Aargau wieder gestiegen sind. Schweizweit gilt, dass Jugendliche häufig an Bars und temporären Verkaufsstellen etwa an Festen an Alkohol kommen.»

Auch im Bezirk Zurzach wurden im letzten Herbst Kontrollen gemacht – 40 Prozent der Betriebe schenkten Alkohol an Jugendliche aus. In der Region Baden sei das Ergebnis nun besonders schlecht ausgefallen, sagt Studer. «Im Durchschnitt halten sich bei unseren Tests 34 Prozent der Betriebe nicht an die Bestimmungen, in Baden mehr als die Hälfte.» Mögliche Erklärung: «In Gemeinden und Städten, in denen wir regelmässig Testkäufe durchführen, halten sich die Betriebe eher an die Regeln. Und in Baden könnten sicher noch häufiger Testkäufe gemacht werden», sagt Studer. Bei den 73 in und um Baden kontrollierten Betrieben handelte es sich fast ausschliesslich um Gastrobetriebe.

Bruno Lustenberger, Präsident des Gastgewerbe-Verbandes Gastro Aargau: «Die Zahlen sind bedenklich. Ich kann nur alle Betriebe dazu auffordern, das Alter streng zu kontrollieren.» Dass Beizer künftig direkt und schnell gebüsst werden können, befürwortet er: «So sind die Folgen für die fehlbare Person unmittelbar spürbar.»

Wer Bier, Wein oder vergorene alkoholische Getränke an Jugendliche unter 16 verkauft, macht sich in der Schweiz strafbar. Spirituosen und Alcopops dürfen nicht an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft werden.