Baden
Jukebox aus Fleisch und Blut mit unheimlich viel Wortwitz

Das Beste vereint: Vier talentierte Künstler gestalteten einen unterhaltsamen Abend im Royal in all ihren Facetten, mit viel Wortwitz, bewegender Musik und witzigen Illustrationen. Auf Publikumswunsch entstanden Geschichten und Märchen-Potpourris.

Salomé Meier (Text und Fotos)
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Mit 400 Geschichten im Gepäck war Paul Steinmann angereist
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Jukebox im Royal in Baden
Er heimste womöglich die meisten Lacher ein Simon Libsig
Den vier Künstlern wurde zum Schluss lautstark applaudiert
Die witzigen Shortfilms kamen vom Engländer Dustin Rees
Count Vlad gibt zum Stichwort Blasphemie einen Song zum Besten

Mit 400 Geschichten im Gepäck war Paul Steinmann angereist

AZ

Das Konzept der Gruppe «Stoffwechsel» basiert – wie der Name schon andeutet – auf verschiedenen, abwechselnden Themen und Ideen, inszeniert mit unterschiedlichen Kommunikationsformen.

Das aktuelle Programm heisst «Jukeboxstories: Geschichten auf Publikumswunsch», bei dem am Samstagabend das zahlreich im Royal erschienene Publikum zu Beginn – wie in eine Jukebox – eigene Stichworte einwerfen konnte. Diese reichten von Waschmaschine, über Schrebergarten bis hin zu Blasphemie.

Der Musiker Count Vlad, Filmemacher Dustin Rees, Autor und Regisseur Paul Steinmann und Simon Libsig, welcher ebenfalls als Autor und Poet unterwegs ist, zogen dann aus ihrem Repertoire ein Lied, eine Geschichte oder einen Shortfilm – und das so «träf», dass man als Zuschauer das Gefühl hatte, die Künstler hätten sich schon lange bloss auf dieses eine Stichwort vorbereitet.

Zu einem der Stichworte gab Simon Libsig ein Märchen zum Besten, das er gelinde gesagt etwas durcheinanderbrachte: «(...)Gretel war die Schöne und Hänsel das Biest. Sie war sein zarter Hase und er ihr stacheliger Igel.

Sie war stets gut gelaunt, machte einen auf Bruder Lustig, und er – er blickte immer nur grimm aus der Wäsche. Bis zu jenem schicksalhaften Tag: «Hänsel», fragte Gretel, «warum machst du plötzlich so grosse Augen?»

Doch der Bruder antwortete nicht. Rüpelhaft wie Rübenzahl nahm er ihr die Brille ab und liess ihr Haar herunter. Tausendundeine Nacht war er neben ihr gelegen, hatte Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein auf sie geworfen, nun konnte er nicht mehr anders, er war gelinde gesagt in Knusperstimmung: «Knusper, knusper Knäuschen ...», dachte er und stürzte sich auf sie wie der Vogel Greif. Gretel wurde schneeweisschen, doch ihre Äpfel lockten rosenrot.»

Überraschend, kreativ und mit viel Feingefühl für Sprachwitz und Ironie waren die Reaktionen der einzelnen Künstler, welche auch auf gleiche Stichworte doch so unterschiedlich zu unterhalten wussten.

Es war eine Reflexion über die unendliche Breite der Unterhaltungs-Kunst, eine Demonstration von Kunst in ihren verschiedenen Sparten – und das locker, witzig und charmant.

Simon Libsig, welcher für das Programm von «Stoffwechsel» verantwortlich ist, schöpft mit seinen Kollegen vom OK aus allen Mitteln, oder besser gesagt Medialitäten. Die Künstler sind immer mal wieder andere. Unter anderem haben auch schon Hip-Hop Tänzer und Lifezeichner mitgewirkt.

Mehr Informationen unter www.stoffwechsel03.ch

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