Der Auslöser klickt, mehrmals erhellt das Blitzlicht den Raum. Es muss schnell gehen, denn vor dem Objektiv schmilzt langsam die Butter im Sonnenlicht davon. Konzentriert blickt Adrian Ehrbar durch den Sucher seiner Kamera. Der 28-Jährige ist Gastrofotograf und fotografiert das Essen in verschiedensten Schweizer Restaurants.

Sein roter Vollbart sticht sofort ins Auge. Ohren und Nase sind gepierct, eine graue Tellermütze verdeckt die verlorene Haarpracht und sein rechter Arm ist bis auf die Hand tätowiert: Kein unauffälliges Erscheinungsbild, wie viele Künstler es kultivieren. Doch Ehrbar ist nicht nur Fotograf, sondern auch gelernter Konditor-Confiseur. «Ich bin auch beim Essen ein Ästhet», sagt Ehrbar.

Adrian Ehrbar bei der Arbeit – im Video-Statement sagt er, was  für ihn das Schönste ist an der Foodfotografie.

Adrian Ehrbar bei der Arbeit – im Video-Statement sagt er, was für ihn das Schönste ist an der Foodfotografie.

Vor zwei Jahren machte sich der geborene Wettinger mit seiner Firma «Adrian Ehrbar Photography» selbstständig. Angefangen hat alles mit seiner ersten Spiegelreflex-Kamera. Diese kaufte er sich als Jugendlicher, um seine Freunde beim Skaten zu fotografieren. In der Lehre nahm er dann Gebäck mit nach Hause, um es abzulichten. Dafür wurde das Kinderzimmer zum Fotostudio.

«Damals lernte ich, in beengten Verhältnissen zu arbeiten», sagt Ehrbar und schmunzelt. Der Startschuss für seine Karriere sei nur kurze Zeit später gefallen: Er schickte dem bekannten Konditor und Chocolatier Franz Ziegler eines seiner Fotos zu. Worauf Ehrbar bei Zieglers Marzipan-Buch mithelfen durfte.

«Ich bin heute noch erstaunt, wie gut die Bilder wurden, obwohl ich so wenig Erfahrung hatte», sagt Ehrbar. Trotz seinem Erfolg arbeitete er danach nicht sofort als Fotograf. «Im Militär machte ich erst mal weiter.» Danach konnte er einige Jahre für ein Magazin fotografieren.

Reich werden ist nicht das Ziel

Als selbstständiger Fotograf lebt er heute von verschiedenen Aufträgen. «Manchmal habe ich fast zu viele.» Dann helfe ihm seine Freundin bei den Büroarbeiten aus. Reich werde er aber nicht von seinem Beruf.

«Das ist auch nicht mein Ziel», sagt Ehrbar. Es sei seine Leidenschaft, das gebe ihm genug. So blickt Ehrbar sogar in seiner Freizeit am liebsten durch den Sucher seiner Kamera. «Sie ist mein zweites Augenpaar geworden.» Weil das Fotografieren seine grösste Leidenschaft ist, hat er sich auch gleich Linse und Objektiv im Querschnitt auf den Arm tätowieren lassen.

Viel Freizeit habe er aber nicht: Meistens arbeitet Ehrbar sieben Tage die Woche. «Oft merke ich, dass Sonntag ist, weil alle Läden zu sind», sagt Ehrbar und lacht. Denn zu seinem Repertoire gehören auch Hochzeiten und Porträtfotos.

Wobei die meisten Hochzeiten an den Wochenenden stattfinden. Doch seine Spezialität sind Gastronomiefotos. «Es ist vorteilhaft, dass ich selber eine Lehre in diesem Bereich gemacht habe.» Oft gebe es den Köchen Vertrauen, wenn der Fotograf wisse, wovon sie reden.

Fotoprojekt: Flüchtlingsrezepte

Nicht immer wird Ehrbar für seine Fotos bezahlt. So arbeitet er momentan an einem Charity-Projekt: «Deutsche und Schweizer Starköche interpretieren Rezepte von Flüchtlingen neu.» Ehrbar macht für den guten Zweck mit und lernt dabei neue Köche kennen. Schliesslich sei ein gutes Netzwerk das Wichtigste in seinem Beruf.

Dabei könne er auch seine beiden Leidenschaften vereinen: Fotografieren und Essen. «Wenn ich die Zeit finde, stehe ich heute noch viel in der Küche.» Nur gebacken habe er schon länger nicht mehr.

Seine Leidenschaft zum Beruf machen, das habe aber auch seine Nachteile: Jede Fotografie untersuche er genaustens. Dasselbe passiere ihm beim Essen. «Ich versuche immer, alle Zutaten in einem Gericht zu schmecken.» Das sei wohl eine Berufskrankheit. Trotzdem sehe er sich gern andere Fotografien an, das gebe ihm Inspiration. «Am meisten Ideen kommen mir beim Autofahren», sagt Ehrbar.

Und das macht der Fotograf viel. Denn ein eigenes Studio hat er nicht. «Damit spare ich viel Geld. Mein ganzes Equipment passt in mein Auto.» Auch würden die meisten Köche lieber in der eigenen Küche kochen. Ehrbar: «Vor Ort ist es auch authentischer. Dann sieht das Essen so aus, wie es serviert wird.»