Blues Band hat die Bühne betreten. Rund 150 Zuhörer lockte die Band aus Lettland in die Stanzereihalle. Der Schweiss glänzte bereits auf der Stirn des Gitarristen und Leadsängers der Band, als er eines seiner Gitarrensolos zum Besten gibt. Beinahe rockig klang die Jazz-Funk-Band plötzlich, während das Publikum tänzelte, johlte und klatschte.

Doch dann kippte die Stimmung wieder, plötzlich verlangsamte sich der Rhythmus und Liebeslieder versetzten das Publikum in romantische Hochgefühle. Lebendig und energiereich schaffte es die junge Bluesband, ihre Zuhörer zu entzücken, und zaubert dem einen oder anderen ein Lächeln ins Gesicht.

Zu Beginn war das Publikum zwar noch etwas verhalten, nur da und dort wippte jemand im Rhythmus mit. Während vor der Bühne aufmerksam gelauscht wurde, diskutierte man im Hintergrund noch kräftig. Doch als dann unerwartet ein Basssolo einsetzte und der Sänger, ohne lange zu zögern, das Instrument dem Bassisten weg nahm, um selber noch eine oder zwei Strophen zu spielen, verstummten auch die letzten Gespräche. Das Publikum verfiel in rhythmisches Klatschen, während die Band emotionsgeladen mit verzogenen Gesichtern Höchstleistungen erbrachte. Schliesslich mangelte es den jungen Musikern weder an Talent noch an Enthusiasmus. Also fehlte es auch nicht an einer kurzen Marschmusik ähnelnder Einlage des Schlagzeugers, die dem Publikum nochmals richtig einheizte.

«Immer mehr sagen, der Blues sei tot, doch diese Band zeigt, dass Blues auch was für junge Menschen ist», sagte Susanne Slavicek, Präsidentin des Bluesfestival-Organisationskomitees. So ist das jüngste Mitglied der Band knapp über zwanzig Jahre alt, und doch feiert die Band bereits internationale Erfolge. Die lettische Bluesgruppe trat schon an Festivals in den USA, Kanada und Europa auf. Sie sind aber bekannt für ihre bodenständige Art. «Die Band ist in einem alten Bus zweiunddreissig Kilometer in die Schweiz gereist – sie sind nicht abgehoben, trotz ihres Erfolges», sagte Slavicek. Da liess es sich der Leadsänger auch nicht nehmen, mehrere Mal die Bühne kurzerhand zu verlassen, um inmitten des Publikums ein Gitarrensolo zu spielen oder mit der einen oder anderen Zuschauerin für Fotos zu posieren.