«Achtung Katzen» heisst es an der Tür des Sekretariats und bei der Buchhaltung. Das deutet unmissverständlich darauf hin, dass man im Tierheim an Grenzen stösst. «Die Katzenzimmer sind überfüllt. Wir haben kaum mehr Platz», sagt Anita Gasser, Tierheimleiterin. Ein Raum nur für Tierschutzkatzen steht noch leer. Das Mobiliar musste entsorgt, der Raum desinfiziert werden, weil eine Katze eine Krankheit eingeschleppt hatte. In den andern Räumen für Tierschutzkatzen tummeln sich Dutzende junge Katzen. «Weil viele von ihnen gesundheitlich angeschlagen zu uns gelangen, achten wir darauf, dass wir die Würfe je nach Herkunftsort trennen», erklärt Astrid Becker, Präsidentin des Aargauischen Tierschutzvereins (ATs), die in der Katzengruppe aktiv mithilft.

Zu jeder Tageszeitwerden wilde Kätzchen gemeldet, meistens von Personen aus der Nachbarschaft, selten von den Katzenhaltern selber. Eine Katze stammt aus Deutschland. Jemand hat sie von einem Bauernhof gerettet, wo man die Geschwister bereits totgeschlagen hatte. Das Totschlagen sei leider heute noch eine gängige Methode, wie sich Leute des unliebsamen Nachwuchses entledigen würden, weiss Becker. «Darum kann unsere Botschaft nur heissen: Kastriert bitte die Katzen frühzeitig!»

Tiere verstecken sich

Die vier Mitglieder der ATs-Katzengruppe sind fast ununterbrochen im Einsatz. Sie sind für das ganze Kantonsgebiet zuständig und brauchen dringend Verstärkung. «Wollen wir auf einem Hof oder auf einem Industrieareal jeweils alle jungen Katzen einfangen, müssen wir mehrmals hinfahren, denn irgendwo versteckt sich immer wieder ein kleines Tier», sagt Becker. Herrenlose Kätzchen älter als 10 bis 12 Wochen seien so handscheu, dass sie fliehen und nur mit viel Mühe oder mit Katzenfalle eingefangen werden können.

«Dafür braucht es Verständnis und Geduld für die kleinen Raubtiere, gegenüber den Menschen einen breiten Rücken und Hartnäckigkeit», sagt Becker. «Man muss mit einem vernünftigen Tierschutzgedanken auftreten und den richtigen Ton treffen», sagt Anita Gasser, Tierheimleiterin in Untersiggenthal, auch wenn man sich oft einiges anhören müsse.

Die Besitzer — sofern sie eruiert werden können — müsse man überzeugen, dass es das Beste sei, wenn man die Kätzin mitnehme und kastrieren lasse, erzählt Gasser. Wenn sie zurückgebracht werden, steuert der ATs wenn nötig noch etwas Futter bei. Oftmals würden sich die Leute aber nicht an die Abmachung am Telefon halten und die Aufnahme der kastrierten Katze verweigern. «Ich denke, dass den Leuten manchmal das Verständnis für das Problem fehlt», sagt Becker.

Pflege für die Kätzchen

Wer ein junges Kätzchen aus dem Tierheim bei sich aufnimmt, muss sich vertraglich dazu verpflichten, nach sechs Monaten die Kastration von einem Tierarzt vorzunehmen zu lassen. «Die Benachrichtigung per Mail oder Telefon reicht uns nicht. Wir wollen die Bestätigung des Tierarztes», sagt Becker, «und darauf beharren wir auch».

6 bis 8 Wochen sollen die herrenlosen Jung-Katzen bei der Mutter bleiben, danach können sie ins Tierheim gebracht werden. Wenn wild lebende, nicht an Menschen gewöhnte Kätzchen älter als 10 bis 12 Wochen seien, könne es sehr schwer bis unmöglich werden, die Katzen an Menschen zu gewöhnen; und für die Kätzchen kann es ein sehr grosser Stress werden, wenn sie ins Tierheim kommen. Leider müssen wir immer wieder solche Tiere aufnehmen. Für sie suchen wir dann einen guten Platz im Grünen.

Mit ihrer Aktion löst die Katzengruppe gleich mehrere Probleme auf einen Schlag: Sie trägt dazu bei, dass die wilden Populationen nicht explodieren, dass die Katzenwelpen Pflege erhalten und auch geimpft, gechipt und auf Leukose (ein zum Tod führendes Virus) geprüft und geimpft werden, ansonsten sie Artgenossen anstecken könnten. Der Tierschutz erhält auf diesem Weg ausserdem die Garantie, dass die Katzen bis spätestens zum siebten Lebensmonat kastriert würden. In der Vermittlung bezahlt man für eine junge Katze 150 Franken. «Pflege, Betreuung, Futter und wenn nötig Medikamente eingerechnet werden damit die Kosten bei weitem nicht gedeckt», hält Becker fest.

Katzen werden präventiv kastriert

Prävention durch Kastration sei sehr wichtig, erklärt Becker. «Es hat genügend junge Katzen, die ein Plätzchen möchten». Oft würden Katzen unkastriert in Familien genommen, damit die Kinder Wurf und Aufzucht mitverfolgen könnten. Becker ist da sehr skeptisch, denn sie weiss, dass Katzen oft angeschafft und dann vernachlässigt würden. «Leider ist in der heutigen Gesellschaft die Verantwortung gegenüber Haustieren oft verloren gegangen.» Wenn sie nicht mehr erwünscht sind, werden sie vernachlässigt oder man will sie irgendwie loswerden.

Pro Jahr lässt der ATS über 1000 Katzen kastrieren. Dieses Jahr und besonders die letzten zwei Monate seien nun sämtliche Rekorde geschlagen worden, berichten Becker und Gasser. Gut 100 Meldungen seien eingetroffen, bei über 50 davon rückte die Katzengruppe aus. 78 junge Katzen stellte sie sicher. 63 Jungtiere leben zurzeit im Tierheim, die übrigen konnte man an Aussenstellen unterbringen. Mit den Verzichts- und Findelkatzen sind es inzwischen über 200 Katzen, die in diesem Jahr zum Tierschutz gelangt sind.

«Wollen wir unsern Auftrag erfüllen, brauchen wir wieder einen Ausbau im Tierheim», erklärt Becker. Geplant ist ein weiteres Katzen-Aussengehege, ausserdem will man im Herbst eine Nagerstation und später eine Vogelstation in Betrieb nehmen. Wie die Katzenflut und die Investitionen finanziell bewältigt werden, das ist beim Verein, der nur von Sponsoren- und Spendengeldern lebt, noch eine offene Frage. Vom Kanton wird der ATS nicht subventioniert.