Stetten

Jungstörche wurden beringt – in aller Stille

Seit 2000 gibt es in Stetten regelmässig Storchennachwuchs.

Seit 2000 gibt es in Stetten regelmässig Storchennachwuchs.

Wegen Corona wurde der Storchennachwuchs im Hochkamin der Stetter Brennerei Humbel ohne Zuschauer begrüsst.

Die Spezialitätenbrennerei Humbel in Stetten durf­te erneut Storchennachwuchs empfangen. Die zwei Jungen, genannt Moritz und Housi, seien bereits kräftig gewachsen, schreibt die Brennerei in einer Mitteilung. Traditionell werden die Jungen zur Identifikation an den Beinen beringt. Ein Anlass, dem in Stetten normalerweise jedes Jahr viele Schaulustige beiwohnen. Dieses Jahr fand die Beringung jedoch aufgrund der Coronakrise unter besonderen Umständen statt. «Es waren keine Besucher vor Ort», sagte Nicole Lüthy von der Brennerei. Es seien weder Zuschauer eingeladen noch sei Werbung für den Anlass gemacht worden.

Wo sonst Dutzende von Kindern in den vordersten Reihen eng beieinanderstehen und auch viele Erwachsene das Ereignis um das doch seltene Tier gespannt verfolgen, standen dieses Jahr gerade einmal eine Handvoll Leute bereit, um die Beringung zu beobachten. «Wir konnten coronabedingt keine Menschenansammlung von gut 100 Personen verantworten», so Lüthy. Die geforderten Abstände hätten nicht eingehalten werden können.

Horst wurde von oben angesteuert

Bei starkem Regen, der den ganzen Donnerstag andauerte, standen ausserdem die Aussichten für eine erfolgreiche Beringung erst nur wenig gut. Trotzdem fuhr am Abend die Feuerwehr Mutschellen vor und besprach die Situation mit dem anwesenden Präsidenten des Natur- und Vogelschutzvereins Stetten, Alois Vogler. Danach wurde der Hubretter der Feuerwehr auf dem Vorplatz der Brennerei so positioniert, dass die Beringung optimal ausgeführt werden konnte. Mit dem Knickarm und der beweglichen Rettungsbühne des Hubretters können Hindernisse besser überwunden werden. Damit konnte der Horst von oben angesteuert werden. Die Jungtiere würden sich mit einer solchen Vorgehensweise im Nest klein machen und es bestehe weniger die Gefahr, dass sie sich gezwungen sehen, ein erstes Mal zu fliegen, sagte Vogler. «Die Jungstörche machen aber einen kräftigen Eindruck und üben fleissig», so Vogler.

Hochkamin für Störche präpariert

Michael Luginbühl und Roger Hitz von der Feuerwehr Mutschellen steuerten den Korb des Hubretters zum Horst – unter Beobachtung von Angela Humbel von der Spezialitätenbrennerei. Den Hochkamin habe ihr Mann Max auf Anraten der Vogelwarte Sempach und der Schweizerischen Gesellschaft für den Weissstorch präpariert. Der Kamin wurde 1999 mit einem Inoxdeckel verschlossen und mit Hilfe der Feuerwehr ein Wagenrad mit einem Durchmesser von 1,2 Metern montiert. Bereits im darauffolgenden Jahr habe das erste Storchenpaar den Horst bezogen.

Hoffnung auf leuchtende Kinderaugen im 2021

Seit einigen Jahren nehmen inzwischen eine französische Storchendame und ein unbekannter Storchenvater den Kamin-Horst für sich in Anspruch. Sie hätten auch dieses Jahr gut für ihre Jungen gesorgt, sagte Vogler. «Moritz und Housi sind in guter Verfassung, und es wird nicht mehr lange dauern, bis sie den Horst verlassen werden.»

Der Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Stetten hat die beiden Jungstörche direkt im Nest beringt. «Nun hoffen wir, dass es im nächsten Jahr wieder Nachwuchs auf dem Hochkamin gibt und wie in normalen Zeiten wieder kleine Forscher zur Beringung eingeladen werden können.» Es sei einfach schön, wenn dabei auch noch leuchtende Kinderaugen zusehen. (az)

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