Baden

Jungunternehmer mit Erfolg: Ihre Anleitung zeigt, wie das möglich wird

Die Freude über das gemeinsame Buch ist gross: Journalist Yves Demuth (l.) und Unternehmer Tobias Gläser.

Die Freude über das gemeinsame Buch ist gross: Journalist Yves Demuth (l.) und Unternehmer Tobias Gläser.

Tobias Gläser und Yves Demuth erzählen, wie aus einer Idee beim Mittagessen ein Buch entstand. Am Freitagabend findet in der Agentur Glaswerk an der Dynamostrasse dessen Vernissage statt.

Der Postbote schiebt das schwere Paket auf einem Hubwagen in die Agentur. Auf diesen Moment haben der Unternehmer Tobias Gläser und der Journalist Yves Demuth ein Jahr lang hingearbeitet. Es ist ihr gemeinsames Werk. Das Buch mit dem Titel «Geschafft: So wirst auch du selbstständig», eine praktische Anleitung für Jungunternehmerinnen und -unternehmer. Grundlage des Buches bilden die Erfahrungen, die Tobias Gläser auf dem Weg in seine Selbstständigkeit gemacht hat. Wie das Buch zustande kam, schildern die beiden im Gespräch.

Wo waren Sie, als Sie das erste Mal über das Buch gesprochen haben?

Yves Demuth: Wir waren zusammen Mittagessen. Tobias sagte mir, wenn er Zeit hätte, würde er ein Buch schreiben. Ich fand es schon immer sehr spannend, wie er es geschafft hat, sein eigenes Unternehmen aufzubauen. Und habe ihn oft mit Fragen gelöchert, wie das eigentlich genau funktioniert hat.
Tobias Gläser: Noch während dieses Mittagessens haben wir uns für das Projekt entschieden und gleich einen Termin für ein erstes Treffen abgemacht.

Wie muss man sich Ihre Treffen vorstellen?

Gläser: Am Anfang waren das Interviews. Yves hat mich ausgefragt. Wir haben gemeinsam nach Antworten gesucht, was den Erfolg meines Unternehmertums ausmacht.


Demuth: Wir haben auch von Anfang an überlegt, was für die Leute überhaupt spannend ist. Tobias ist nicht Bill Gates, von dem fast jeder erfahren möchte, wie er zum Unternehmer wurde.

Wie haben Sie gearbeitet?

Demuth: Sehr viel war Versuch und Irrtum. Einiges fanden wir am Anfang spannend und haben es im Nachhinein wieder rausgeworfen.
Gläser: Es war schwierig, abzuwägen, ob etwas ins Buch gehört oder nicht. Darüber haben wir diskutiert.
Demuth: Das Buch sollte sich von theoretischen Büchern abheben. Ich denke, die Zusammenarbeit hat so gut funktioniert, weil wir beide die gleichen Interessen verfolgten.
Gläser: Wir konnten uns schnell einigen. Das hat aber sicher auch damit zu tun, dass wir uns sehr gut kennen.

Sie sind Sandkastenfreunde und rund zehn Jahre gemeinsam zur Schule gegangen. Wie hat sich die Freundschaft auf das gemeinsame Projekt ausgewirkt?

Gläser:Das gegenseitige Vertrauen ist bestimmt ein grosser Vorteil. Wir führten einen offenen Dialog.
Demuth: Wir haben wirklich tabulos über alles gesprochen. Das ist das Spannende, das man auch im Buch wiedererkennt.
Gläser: Ich habe mir auch gewünscht, dass Yves in die Agentur kommt und prüfen kann, ob es auch stimmt, was ich erzähle. Das Buch soll ja zeigen, was ist und nicht bloss meine Ideen und Wunschvorstellungen abbilden.

Yves Demuth, haben Sie Widersprüchliches gefunden?

Demuth:Ich habe Tobias von einer anderen Seite kennen gelernt – als Chef kannte ich ihn bisher nicht. Aber was ich angetroffen habe, traf seine Schilderungen sehr gut. Es sind die zwei Seiten, die wir auch im Buch beschreiben: Einerseits die Strenge oder die ihm wichtige Pünktlichkeit. Andererseits die Beziehung zu den Mitarbeitenden, die herzlicher und vertrauter ist, als in anderen Anstellungsverhältnissen.

Gab es bei Ihnen einen Chef?

Gläser: Unser Verhältnis war von Anfang an ein Partnerschaftliches, die Rollenverteilung klar. Ich bin die Quelle, er der Filter: Ich erzähle von meinen Erlebnissen und vertraue seinen journalistischen Fähigkeiten; also dass er entscheiden kann, was spannend ist.

Inwiefern lassen sich die Regeln und Tipps im Buch auf das Buchprojekt adaptieren?

Gläser: Wir haben mindestens eine wichtige Regel befolgt, und zwar, dass Fachkenntnisse wichtig sind, wenn man sich selbstständig machen möchte. Jemand, der ein Buch schreiben will, braucht Erfahrung als Schreiber. Yves bringt diese Erfahrung mit. Ich weiss, wie man etwas vermarktet, und liefere die Erfahrung von der Unternehmerseite und die Hintergründe mit.
Demuth: Ich bin ja selber nicht selbstständig, sondern arbeite Teilzeit. Ich fand auch immer, ich sei nicht der Unternehmertyp. Aber es war irgendwie ansteckend. In meinem Fall hat dieses erste Buchprojekt bereits ein neues ausgelöst. So gesehen haben wir das gelebt, was im Buch steht: Nämlich, dass man sich für eine Idee Zeit organisieren und es dann durchziehen sollte.

Es muss also nicht gleich eine Firmengründung sein?

Gläser: Das Buch kann auch eine Anleitung für ein Teilzeitprojekt sein. Es geht uns darum, aufzuzeigen, was eine Selbstständigkeit emotional bedeutet. Wir geben aber auch Tipps wie man erste Kunden akquiriert oder ein Team rekrutiert. Das Buch ist wie ein Guckloch in diesen Alltag, um abzuwägen, ob man es sich vorstellen kann.
Demuth: Es ist sehr konkret. Am Anfang hat es beispielsweise 15 Fragen, wo man sich überlegen kann, ob man ein Unternehmertyp ist. Wenn nicht, heisst es aber nicht, dass man es nicht mit einem Projekt versuchen kann. Das Buch kann Anregungen geben, wenn man eine Idee hat und sich nicht sicher ist.

Es gibt also nicht den einen Weg?

Demuth: Nein, das kommt aber auch im Buch vor. Ein wichtiger Teil ist es, sich etwas aufzubauen, wo man reinpasst. Wir möchten mit dem Buch den Ansporn geben, das auszuprobieren. Und wir zeigen ja auch, dass nicht viel geschieht, wenn es nicht klappt.
Gläser: Angst muss man nicht haben, gerade wenn man klein anfängt. Dann kommt halt eine Welle und die kleine Sandburg ist weg.

Buch-Vernissage: Heute Freitagabend um 17 Uhr in der Agentur «Glaswerk» an der Dynamostrasse 17 in Baden. Moderation: Matthias Ackeret, Chefredaktor des Branchenmagazins «Persönlich».

Meistgesehen

Artboard 1