Baden
Junior Ballett: Sie sind jung – und gierig auf den Tanz

Jedes Werk höchst anspruchsvoll: Das Junior Ballett, Nachwuchs-Compagnie des Balletts Zürich, hat im Kurtheater im Baden Hochkarätiges gezeigt. Die vorgeführten Stücke unterscheiden sich extrem.

Elisabeth Feller
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Eine Szene aus «Bellulus» von Stephan Thoss: Die Choreografie ist eine witzige Persiflage auf den Opernbetrieb.

Eine Szene aus «Bellulus» von Stephan Thoss: Die Choreografie ist eine witzige Persiflage auf den Opernbetrieb.

ZVG

Sie sind jung, neugierig und gierig auf den Tanz. In der Nachwuchs-Compagnie des Balletts Zürich tanzen 14 Menschen aus neun Nationen. Sie brennen darauf – einmal pro Saison – in einem eigenen Ballettabend zu zeigen, was sie drauf haben. Beeindruckend viel, wie der dreiteilige Ballettabend zeigt.

Douglas Lee («Iris») und Christian Spuck («Solitude») haben dafür je eine neue Choreografie beigesteuert; Stephan Thoss’ «Bellulus» ist die schweizerische Erstaufführung eines 2009 überarbeiteten Werks.

Jedes Stück unterscheidet sich vom anderen so sehr, dass man gar nicht erst einen gemeinsamen Nenner sucht – höchst anspruchsvoll ist jedes Werk.

Verlangsamt oder eruptiv

Die Iris steht in Lees Choreografie für die Lichtmenge, die das Auge durch die Pupille absorbieren kann. Mobile Leuchttürme mit Kugeln, die riesigen Augäpfeln gleichen, erinnern daran; sie leuchten den kühl-grauen Raum dezent aus und definieren ihn so für sieben Tänzer, die sich darin bewegen: sei es – je nach Lichteinfall – verlangsamt oder eruptiv ausbrechend.

Damit wird ein permanentes Auf- und Wegblenden suggeriert, das nur ab und zu eine Beruhigung erfährt: durch eine Tänzerin in einem halbkugelförmigen, steifen Tutu, das wiederum ein Auge evoziert.

Spielt Lee mit Licht und Wahrnehmungen, greift der Zürcher Ballettchef Christian Spuck in «Solitude» das Thema Einsamkeit zu barocker und zeitgenössischer Musik auf. Hier steht ein von den Tänzern ins Schwingen gebrachtes Pendel symbolhaft für die Zeit, die einsame Menschen als bedrohlich empfinden (können).

Da sitzt etwa eine Tänzerin mit gesenktem Kopf und angewinkeltem Arm auf dem Boden, während um sie herum das Leben tobt: mit tanzenden Paaren, die sie nicht beachten. «Solitude», so Spuck, sei keine Illustration von Einsamkeit, sondern der Versuch, ein Gefühl einzufangen.

Das gelingt ihm auch deshalb so beeindruckend, weil er für seine Choreografie weniger die Vertikale, denn die Horizontale bevorzugt. Vieles spielt sich – etwa mit robbenden Männern – auf dem Boden ab. Damit verfestigt sich der Eindruck von Trauer, der über «Solitude» liegt vollends.

Auf so viel Schwergewichtiges folgt am Ende ein köstliches Soufflé. Stephan Thoss’ «Bellulus» ist eine witzige Persiflage auf den Opernbetrieb und das Repertoire. Auf einem Plüschsofa sitzen einige abgetakelte, schlaffe Figuren.

Schlaff? Kaum erklingt ein Arienhit, rappelt sich eine(r) auf, tanzt und brennt – etwa bei «O sole mio» – ein Feuerwerk irrwitziger Pirouetten ab. Mit «Bellulus» unterstreichen die charismatischen Juniors, was Tanz sein kann, wenn er derart fulminant serviert wird wie von ihnen: ein Publikumsmagnet.