Wettingen
Juso werfen Kantonsschule AKW-Lobbying vor

Die Juso beanstanden eine «unausgewogene» Informationsveranstaltung zu Atomkraft an der Kanti Wettingen. Sie werfen der Schulleitung vor, AKW-Lobbying zu betreiben. Der Rektor weist die Vorwürfe zurück: Nur 3 von 35 Vorträgen hätten AKW als Thema.

Nadja Rohner
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Der Rektor der Kanti Wettingen, Kurt Wiedemeier.

Der Rektor der Kanti Wettingen, Kurt Wiedemeier.

Chris Iseli

Empörung bei den Jungsozialisten (Juso) der Kanti Wettingen: An ihrer Schule wird AKW-Lobbying betrieben – so heisst es zumindest in einer Medienmitteilung. Hintergrund der Vorwürfe ist eine Infoveranstaltung, die kürzlich in der Kanti stattfand. Rektor Kurt Wiedemeier: «Die TecNight ist eine Veranstaltung zum Thema ‹naturwissenschaftliche Berufe›. Sie soll den Schülern aufzeigen, welche Zukunftsperspektiven ein naturwissenschaftliches Studium bringen kann.» Die Schülerinnen und Schüler können aus 35 verschiedenen Themenvorträgen auswählen – drei davon befassen sich mit dem Thema Atomkraft.

Drei Atombefürworter

Die Juso Kanti Wettingen wehre sich gegen die Auswahl der Referenten, heisst es in der Medienmitteilung. «Gross angekündigt, entpuppt sich die TecNight auch als Plattform für Lobbyisten der AKW-Firmen», schreiben die Schüler. «Die Schule soll neutral, unvoreingenommen und ausgewogen informieren, aber gleich drei von den Atombetreibern bezahlte Experten sprechen über Atomkraft.» Konkret sprach ein Vertreter der Axpo zur Stromsicherheit, ein Vertreter der AEW über Stromsicherheit und eine Lobbyistin der Nagra berichte über Atommüll. «Wir sind empört, dass unter dem Mantel der Wissenschaft an der Schule so einseitig informiert wird», sagt David Hunziker von der Juso Kanti Wettingen.

Auch Alternativenergie ein Thema

Mit Flugblättern machte die Juso ihrem Ärger an der TecNight Luft. Rektor Wiedemeier ist nicht erfreut: «Die TecNight wurde von der Schweizerischen Akademie der technischen Wissenschaften organisiert, nicht von der Kanti», sagt er. Es sei klar deklariert worden, dass die Experten für die Referate über Atomkraft in der Branche tätig seien. «Ausserdem ging es an der TecNight doch gar nicht nur um Atomkraft, im Gegenteil: Es gab an diesem Abend auch Referate über Windenergie, Nanotechnologie, Robotik, Minergie oder Allergien.» Die Fachlehrer sollten einzelne Aspekte aus den Referaten in den Unterricht einfliessen lassen und dabei objektiv und wissenschaftlich darstellen.

Kritik am Vorgehen des Juso

Wiedemeier kritisiert das Vorgehen der Juso: «Die verantwortlichen Schüler haben ihre Vorwürfe schon im Vorfeld der Veranstaltung gemacht – ohne die Referate je gehört zu haben.» Ausserdem hätten die Schüler sich bei der Flugblattaktion nicht geoutet. «Auf dem Flugblatt stehen keine Namen der Verantwortlichen, nur der Parteiname», sagt der Rektor. Er will nun intern herausfinden, wer hinter der Aktion steckt. «Ich schätze kritische Meinungen, aber die Schüler müssen dann auch hinstehen und ihr Gesicht zeigen.»

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