«Es ist furchtbar traurig», sagt Ursula Diebold aus Niederrohrdorf: «Jeden Morgen, wenn ich aufwache, muss ich an den Wald, der nicht mehr ist, denken. Ich höre keine Vögel mehr pfeifen, die sind weg.» Letzte Woche wurde der Böhliwald, das schmale Waldstück zwischen Oberrohrdorf und Niederrohrdorf, abgeholzt. Ursula und ihr Mann Jörg Diebold wohnen direkt am Böhliwald und haben das Resultat der Rodung am Abend, als sie nach Hause kamen, gesehen.

Am nächsten Morgen habe sie den Förster angerufen und gehofft, damit wenigstens einen Teil des Waldes zu retten. Sie sei belehrt worden, dass es sich bei der Abholzung um eine «Waldverjüngung» handle. Diebolds wandten sich an den Kanton. Dieser habe gesagt, dass es im Ermessen des Revierförsters liege, wie viel abgeholzt werden darf. «Kahlschlag», nennt das Ursula Diebold. «Und das ist verboten.»

«Von der rechtlichen Situation her ist alles ordentlich abgelaufen», sagt Sandro Fischer vom Bauamt Niederrohrdorf. Er sehe keinen grossen Schaden. Viele Bäume seien alt und überhängend gewesen. «Jetzt haben auch andere Pflanzen eine Chance», so Fischer. «Klar sieht es im Moment nicht schön aus, es wird aber schnell nachwachsen.» Der Förster werde dafür sorgen, dass es wieder einen Mischwald gebe. «Der Böhliwald ist rechtlich gesichert als Wald, er wird nachher nicht zu einem Garten», ergänzt Fischer. Am Tag der Abholzung habe es einige Telefonate auf der Gemeinde gegeben.

Geplant ist ein Mehrfamilienhaus

«Da der Revierförster selber abgeholzt hat, sind wir auch sicher, dass alles mit rechten Dingen zu und her gegangen ist», sagt Luzius Scheller. Dem Architekten und seiner Frau gehört das Grundstück an der Böhlistrasse, das bebaut werden soll. «Der Förster meinte, es wäre sinnvoll, die grossen Bäume zu fällen, wenn man dort bauen wolle, später wäre dies nur noch mit extrem hohem Aufwand möglich.» Er will dort ein Mehrfamilienhaus mit 5 Wohnungen bauen. «Die Baueingabe wollen wir noch dieses Jahr machen», sagt Scheller. «Und dann müssen wir noch einen Investor oder interessierte Stockwerkeigentümer finden.»

Vor einem Dialog mit den Nachbarn scheut er sich nicht: «Vor der Abholzung redeten wir mit den direkten Nachbarn über die Strasse und unterhalb des Hanges», sagt der Architekt. «Einige Anwohner sagten, sie seien froh, dass abgeholzt wurde. Sie hätten sich von den alten Bäumen bedroht gefühlt und könnten endlich wieder ruhig schlafen.» Nur ein kleiner Teil des Böhliwaldes stehe auf seinem Grundstück, der grosse Teil gehöre den unteren Nachbarn. Diese konnten die Argumente des Försters nachvollziehen, sagt Scheller.

Den Stürmen standgehalten

Dass die Bäume alt und gefährlich seien, wollen die Diebolds nicht gelten lassen: «Bei den letzten Stürmen ist auch nichts passiert», sagt Jörg Diebold. Ein kleines Bächlein und das Waldstück trennen ihre Parzelle vom Grundstück des Architekten. «Wir haben keine Probleme, dass nebenan gebaut wird, aber dafür muss man doch nicht alle Bäume fällen», sagt Ursula Diebold. «Das ist alles nur der Aussicht willen und das finde ich stossend.»

Verärgert ist Ursula Diebold auch, dass mit ihnen nicht geredet wurde: «Es gab keine Information für Anstösser.» Es gehe ihnen nicht um Bauverhinderung. «Wir wollen die Gemeinde sensibilisieren, dass man mit den Leuten kommunizieren muss, wenn so etwas geplant ist.»

Diebolds, die seit 2003 am Höhenweg wohnen, wollen nun handeln: «Wir machen eine Anfrage an den Gemeinderat. Wir möchten wissen, ob die Bäume im Bach zu Recht gefällt worden sind. Denn unser Grundstück geht bis in die Mitte des Baches. Und dort wurden auch Bäume gefällt. Vielleicht war darunter auch ein Baum, der uns gehört.»