Erneut streicht General Electric im Aargau 450 Stellen – die Mehrheit, 350, am Standort Baden, dazu 100 in Birr. Die Firma begründet den erneuten Stellenabbau mit dem finanziell herausfordernden letzten Geschäftsjahr. Zudem nehme die Nachfrage nach Stromerzeugung mit fossilen Brennstoffen weiter ab – dies habe einen negativen Einfluss auf das Geschäft mit neuen Gas-Kraftwerken. Die gestern angekündigte Sparrunde ist bereits die Dritte seit 2016; in jenem Jahr übernahm das amerikanische Unternehmen das Gasturbinen-Geschäft vom französischen Konzern Alstom. Danach wurden in Baden in einem ersten Schritt 800, in den vergangenen Monaten weitere 1100 Stellen abgebaut.

Was bedeutet der neuerliche Stellenabbau für die Stadt und die Region? In einer Medienmitteilung macht der Stadtrat aus seiner Enttäuschung zuerst kein Geheimnis. Von einem «schmerzhaften Schlag» für den Wirtschaftsstandort ist die Rede. Das Ausmass des nochmaligen Abbaus sei enttäuschend, «auch wenn uns die anhaltenden Herausforderungen im Energiesektor sehr bewusst sind», so Stadtammann Markus Schneider. Zudem teilt die Stadtregierung mit, ihr Mitgefühl gelte den betroffenen Mitarbeitern. Der Stadtrat erwartet von GE, dass alles unternommen wird, um möglichst wenig Kündigungen aussprechen zu müssen.

Danach beinhaltet die Mitteilung aber auch viel Zuversicht. Die Voraussetzungen für die «lückenlose Neuanstellungen der Betroffenen in der Region» seien gegeben, aufgrund der nach wie vor hohen Nachfrage nach hochqualifizierten Arbeitskräften. Nach dem letzten Stellenabbau hätten 90 Prozent der Betroffenen lückenlos Neuanstellungen erhalten – diese Quote soll «nach Möglichkeit übertroffen werden». Dieselbe Zahl wurde gestern auch den GE-Mitarbeitern am Informationsanlass genannt. Stadtammann Markus Schneider: «Wir hoffen, dass GE nochmals einen mindestens so grossen Effort leisten wird wie nach der letzten Abbaurunde, damit es für die Betroffenen Anschlusslösungen geben wird.»

Thomas Lütolf, Leiter der Standortförderung in Baden, erklärt: «2250 gestrichenen Stellen innert dreier Jahre allein bei GE am Standort Baden, das ist brutal, erst recht für die Betroffenen.» Die Aussagen von General Electric zu den lückenlosen Neuanstellungen würden durch die Zahlen der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren belegt, sagt Lütolf. «Wir hoffen sehr und setzen darauf, dass für möglichst viele Betroffene im Kompetenzzentrum von GE wiederum lückenlos neue Jobs gefunden werden können.»

Zuletzt hätten die Erfolge der kleinen und mittleren Firmen in der Region geholfen, die Einschnitte bei GE abzufedern, heisst es in der Mitteilung der Stadt Baden. Hinzu kämen positive Standortentscheide internationaler Konzerne, die in der Stadt Geschäftseinheiten ansiedeln, wie etwa Infosys (Indien), Doosan (Korea) und – das ist die gute Nachricht des Tages – kürzlich die kanadische Firma Linxon, ein Joint Venture von ABB und SNC-Lavalin, mit rund 50 Angestellten.

Weil zuletzt viele Angestellte nach ihrer Anstellung bei General Electric wieder einen Job in der Region fanden, seien auch die Folgen für die Stadt weniger schlimm gewesen als befürchtet. Hoteliers, Restaurantbesitzer und Gewerbe beispielsweise rechneten 2016, nach der ersten Abbaurunde, mit starken Umsatzeinbussen. «Diese blieben mehrheitlich aus», so Thomas Lütolf. «Die Stadt Baden wird auch diesen Abbau verkraften, davon sind wir überzeugt.»