Mägenwil

Kamera in Turnhalle installiert: Gemeinde-Mitarbeiter filmte schon früher

Ein Gemeindemitarbeiter filmte das Geschehen in der Turnhalle mit einer Webkamera.

Ein Gemeindemitarbeiter filmte das Geschehen in der Turnhalle mit einer Webkamera.

Ein Angestellter Mägenwils wurde freigestellt, weil er den Eingangsbereich sowie die Doppelturnhalle filmte. Nun wird bekannt: Es war nicht das erste Mal. Der Mitarbeiter überwachte bereits heimlich den Kindergarten.

In der 2114-Einwohner-Ortschaft Mägenwil gibt es derzeit vor allem ein Gesprächsthema: Ein Mitarbeiter der Gemeinde wurde Anfang Monat bis auf weiteres freigestellt. Er hatte im Foyer der Turnhalle eine Videokamera montiert, die den Eingangsbereich sowie die Doppelturnhalle filmte.

Der Gemeinderat hat gemäss Mitteilung von gestern wie angekündigt ein Disziplinarverfahren gegen den Angestellten eröffnet. Dieses lasse von einer Verwarnung bis zu einer Kündigung alle Möglichkeiten offen, so Gemeindeammann Marin Leuthard (CVP).

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Dass der Mann die Kamera installierte, sei unbestritten; unklar ist nach wie vor sein Motiv. Der provisorisch freigestellte Mitarbeiter wird im Rahmen des Verfahrens die Möglichkeit haben, seine Sicht der Dinge darzulegen. Gleichzeitig wurden die Akten der Staatsanwaltschaft übergeben. Die Kamera wurde von der Kantonspolizei entfernt.

Schulpflege hat Vertrauen verloren und fordert Kündigung

Wie der Gemeinderat weiter mitteilt, hat der Mann schon einmal eine Überwachungskamera im Bereich eines von ihm betreuten öffentlichen Gebäudes installiert: 2014 habe er laut Schulpflege eine Kamera eingerichtet, die den Aussenbereich des Kindergartens überwachte. Nachdem die Kamera entdeckt wurde, sei er von der Schulpflege gerügt worden, und man habe dem Mann mitgeteilt, dass eine solche Installation künftig bewilligt werden müsse.

Weil er nun erneut heimlich ein Schulgebäude überwacht hat, haben Schulleitung und Schulpflege «jegliches Vertrauen in den Gemeindeangestellten verloren». Die Schulpflege fordert den Gemeinderat darum dazu auf, dem Mitarbeiter auf den nächstmöglichen Termin zu kündigen.

Nach Informationen dieser Zeitung handelte es sich beim Gerät, das die Doppelturnhalle filmte, um eine Webkamera, die mit Schwenk- und Zoomfunktion ausgestattet war; die Aufnahmen waren in Echtzeit abrufbar. Offenbar war die Kamera monatelang installiert.

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Weil er eine Kamera im Foyer der Turnhalle aufhängte, wurde ein Gemeinde-Mitarbeiter provisorisch freigestellt. Die Kantonspolizei wurde eingeschaltet, die Akten der Staatsanwaltschaft übergeben. Am Montag hat der Gemeinderat das weitere Vorgehen beraten.

Bei der Turnhalle handle es sich um einen sensiblen Bereich

Gemeindeammann Marin Leuthard erklärte bereits diesen Montag: «Wir hatten keine andere Wahl, als den Mann bis auf weiteres freizustellen.» Es handle sich bei der Turnhalle um einen besonders sensiblen Bereich; zudem hätte die Kamera von der kantonalen Datenschutzbeauftragten bewilligt werden müssen. Die Installation einer Videokamera im Bereich der Doppelturnhalle ohne notwendige Bewilligung stelle eine Gesetzesverletzung dar, heisst es in der Mitteilung der Gemeinde von gestern. Darüber hinaus habe der Arbeitnehmer mutmasslich auch gegen eine Anordnung der Schulpflege verstossen. Keine Hinweise gebe es, dass die Garderoben oder der Garderobenbereich gefilmt wurden, so Gemeindeammann Marin Leuthard.

Die provisorische Freistellung des Mitarbeiters der Gemeinde wurde vor wenigen Tagen öffentlich bekannt, nachdem die Eltern der Mägenwiler Schülerinnen und Schüler ein Schreiben erhielten, wie der «Reussbote» berichtete. Die Schulleitung äussert sich nicht zum Fall.

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