Wettingen

«Kammerorchester 65»: Letztes Sommerkonzert mit herbstlichen Tönen

Das Kammerorchester 65 während des Konzerts vor der imposanten, über 500-jährigen Orgel in der Klosterkirche. TAB

Das Kammerorchester 65 während des Konzerts vor der imposanten, über 500-jährigen Orgel in der Klosterkirche. TAB

Am letzten Sommerkonzert in der Klosterkirche bot das «Kammerorchester 65» ein musikalisches Bouquet mit Sibelius, Haydn und Dvorak in der Klosterkirche.

Ein weicher Klang löst die Stille in der Klosterkirche ab. Als würden die Sonnenstrahlen in den frühen Morgenstunden die Grashalme berühren, so setzen die Geigen ein.

Die Streicher des Kammerorchesters 65 malen eine Landschaft: nebelverhangen, sehnsuchtsgetränkt. Wie aus dem Nichts ein Aufblühen; der lebensfrohe Aufbruch des Streichorchesters spricht Mut. Tänzerisch bewegt sich die Melodie vorwärts, so, als würde jemand durch eine Blumenwiese streifen. Und wieder kehrt Ruhe ein – diese Ruhe, die einen überkommt, wenn man in die dunstige Ferne schaut.

Wenn ein Orchester konzertiert, gehören solche magische Momente zu den emotionalen Höhepunkten des Orchesters und der Zuhörer. Es sind Momente, in denen die Zeit stehen bleibt; in denen man sich kaum mehr zu atmen traut. Mit Jean Sibelius Impromptu für Streichorchester ist dem «Kammerorchester 65» am Samstag ein überzeugender Auftakt gelungen.

Darauf folgte das Cellokonzert in C-Dur von Joseph Haydn mit dem Solisten Benjamin Nyffenegger. Der Solist setzte energiegeladen ein, kletterte gekonnt in die hohen Tonlagen seines Instrumentes. Nyffenegger bewies, dass er dem Cello sanfte Klänge entlocken kann; sein Vibrato klang im Kirchenschiff nach. Das Zusammenspiel mit einem Profi-Solisten ist für jedes Orchester eine Herausforderung - und ein Erlebnis.

Puristische Schönheiten bot die Serenade für Streichorchester in E-Dur von Antonin Dvorak – der zweite Satz kam als schwelgerischer Tanz mit ernsteren und verspielteren Passagen daher. Die Wechsel der Tempi im Scherzo forderte die volle Konzentration des Orchesters. Das Larghetto zeichnete einen offenen Himmel; im Finale schliesslich bewies das Orchester nochmals seine volle Spielkraft. Die hohen Streicher und die Bassstimmen warfen sich das Thema elegant hin und her, als würde jemand das Horn zum Aufbruch blasen.

Schliesslich mündete das Finale in einem scheinbar sachten Ende, was den Bogen zu Sibelius Anfangsklängen spannte. Darauf tischte das Orchester nochmals das Thema des fünften Satzes von Dvoraks Serenade auf – ein hübsches Feuerwerk zum Abschluss dieses Orchesterkonzertes unter der Leitung von Alexandre Clerc, welches im Rahmen der Wettinger Sommerkonzerte stattfand.

Was bleibt, wenn der Zuhörer die Klosterkirche verlässt? Es ist eine Bereicherung im Innern; das Erlebnis von emotionaler Rührung und Impressionen eines lebensfrohen Aufbruchs, welche das «Kammerorchester 65» dem Publikum mit auf den Nachhauseweg gibt.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1