Zuerst schloss Weibel Möbel in Endingen, dann folgte im März 2016 das Möbelhaus Form+Wohnen in Baden, schliesslich stellte auch das Möbelgeschäft «in!baden» zu Jahresbeginn den Betrieb ein. Das die traurige Reihe von Geschäftsschliessungen in der Möbelbranche in den letzten zwei Jahren. Doch es gibt auch Geschäfte und Händler in der Region, die Faktoren wie Einkaufstourismus, Online-Handel und Aufhebung des Euro-Mindestkurses trotzen.

Eines davon steht in Fislisbach. In einem modernen, dreistöckigen Showroom bietet Dino Talamona seit 1994 sowohl Designermöbel als auch Eigenkreationen an. Der gelernte Innendekorateur verneint nicht, dass sich die Möbelbranche in einer herausfordernden Situation befindet. Vor allem 2015, als der Euro-Mindestkurs aufgehoben wurde, sei der Umsatz stark eingebrochen. «Die Kunden waren verunsichert und der Meinung, dass sich der Einkauf im grenznahen Gebiet lohnt», sagt Talamona. Doch in solchen Situationen heisse es für ihn nur: «Flucht nach vorne.» So nennt der 62-Jährige das Beispiel eines Angestellten, der 2015 gekündigt und sich neu orientiert hatte. «Ich hätte seine Stelle nicht wiederbesetzen und dadurch Personalkosten sparen können.» Jedoch habe er sich damals gesagt, «jetzt erst recht» und einen neuen Mitarbeiter eingestellt. Ähnlich entschied er, als 2007 die Finanzkrise die Schweiz erschütterte: Im Oktober desselben Jahres erweiterte «Wohnbedarf Talamona» seine Verkaufsfläche mit einem Anbau. «Investitionen sind zwar immer mit Risiko verbunden, aber gerade deswegen ist es immer vorwärtsgegangen.»

Beratung gehört zum Erfolgsrezept

Rund läuft es auch beim kleinen Möbelgeschäft Halde 14 in der Badener Innenstadt. Auf die Frage, welches das Erfolgsrezept sei, sagt Inhaberin Sophie Jeuch ohne Wenn und Aber: «Beratung, Kundenservice und Zuverlässigkeit.» Auch, dass sie manchmal mehr Leistungen als üblich erbringe, etwa bei einer Möbellauslieferung gleichzeitig Glühbirnenwechseln, würde sehr geschätzt. Beat Meier, Geschäftsführer des alt-eingesessenen Wettinger Unternehmens Möbel Meier setzt ebenfalls auf Kundenservice. «Möbel liefern, diese montieren und die alten entsorgen ist eine unserer Stärken.» Klar, die Umsätze seien zwar nicht mehr so hoch wie früher. «Doch im letzten Jahr konnten wir ihn halten. Unser Glück ist auch, dass die Liegenschaft in unserem Eigentum ist.»

Neben den Möbelgeschäften trotzen auch die hiesigen Möbelfabrikanten wie etwa die Glaeser Wogg AG in Dättwil den Wirtschaftslaunen. Es sei vor allem die Optik, die Funktionalität und die Einzigartigkeit der Kollektionen, die Wogg in schwierigeren Zeiten das Rückgrat stärken würden, sagt Mark Werder, Leiter Geschäftsbereich Wogg. «Wir pflegen seit Jahren ein reiches Portfolio an Schweizer Designern. Das wird von unseren Kunden geschätzt.» Zudem spiele auch die Tatsache in die Hände, dass Wogg vor Ort produziere. «‹Swissmade› bürgt für gute Qualität», sagt Werder. Das sei vor allem seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses, wodurch die Preise für ausländische Händler um ein vielfaches gestiegen sind, ein wichtiger Faktor.

Events mit regionalen Geschäften

«Um zu überleben, muss man innovativer sein», sagt Dino Talamona vom Fislisbacher Möbelhaus. So wird Wert gelegt auf ein ausgesuchtes Sortiment, Eigenkreationen und Dienstleistungen wie Vorhänge konfektionieren, Polster- und Bodenbelagsarbeiten. Auch organisiert Talamona seit 2015 Events mit anderen Geschäften aus der Region. «Dabei schreiben die Betriebe ihre Kunden an und ich meine. Das gibt eine Win-win-Situation.» Beispielsweise trafen sich letzten Herbst Kunden von Vögele Optik aus Döttingen/Ennetbaden und der Goldschmiedin Caroline Boutellier aus Windisch bei Talamona zu Live-Musik, Kaffee, Kuchen und Suppe. «Dafür habe ich eineinhalb Tage lang Gemüse gerüstet. Das haben die Kunden geschätzt», sagt Talamona mit einem Schmunzeln. Events wie diese seien eine gute Chance, um sich von den Mitbewerbern abzuheben.

Auch «Halde 14»-Inhaberin Sophie Jeuch hat ihren Weg gefunden: Sie nimmt nur Produkte ins Sortiment, die nicht übers Internet gekauft werden können. «Das garantiert mir eine gewisse Exklusivität», sagt Jeuch, die das Möbelgeschäft an der Unteren Halde seit bald 40 Jahren führt. Dino Talamona erwähnt zudem, dass es hilfreich sei, jemanden zur Seite zu haben, der am gleichen Strick ziehe. Damit meint er seine Frau Ursina, die ihn – zusammen mit dem Team – in der Kundenberatung unterstützt. Und überhaupt sei ein gut aufgestelltes Team das A und O, damit ein Geschäft gut laufe.

Markt hat noch Wachstumspotenzial

Dass der Möbelmarkt ausgeschöpft ist, glaubt Talamona nicht. «Das Internet kann die persönliche Beratung, zum Teil vor Ort, die Ideen und Fachberatung nicht ersetzen.» Auch Mark Werder von der Dättwiler Möbelfabrikantin Glaeser Wogg AG glaubt, dass die Möbelbrache noch Wachstumspotenzial hat: «Es gibt heutzutage zwar viele Hersteller, doch es gibt noch Marktlücken zu entdecken.» Ausserdem habe er das Gefühl, dass es stets mehr Konsumenten gebe, die bewusster auf Qualität und Nachhaltigkeit der Produkte achten – und somit eher Möbel beim Fachhändler kaufen statt beispielsweise im Internet.

Talamona sagt, dass es für Geschäfte immer Wege gebe, sich den äusseren Gegebenheiten anzupassen. Doch er gibt zu bedenken, dass auch Konsumenten in Bezug auf ihr Einkaufsverhalten mehr Verantwortung übernehmen und sich Gedanken zur Schweizer Wirtschaft machen sollten: «Was ist, wenn in zehn Jahren ein Jugendlicher eine Lehrstelle sucht, es aber keine Geschäfte mehr gibt?» Manchmal sei man sich über die Auswirkungen des grenznahen Einkaufens oder im Online-Handel gar nicht bewusst. «Das ist schade», sagt Talamona.