Die Anwohner der Birmenstorfer Quartierstrasse Hööndlerweg fordern vom Gemeinderat eine Reduktion der erlaubten Geschwindigkeit. Bisher gilt auf der Strasse Tempo 80. Die Anwohner wünschen sich eine Begegnungszone mit Tempo 20. Trottoirs gibt es hier keine, die Strasse liegt faktisch im Ausserortsbereich.

Denn: Früher war der Hööndlerweg ein Feldweg ausserhalb des Siedlungsgebiets. Seit hier aber in den letzten Jahren neue Terrassenhäuser entstanden und einige junge Familien zugezogen sind, spielen auf dem zu einer Fahrstrasse ausgebauten Hööndlerweg auch immer wieder Kinder. Sie benutzen die Strasse etwa zum Velo- und zum Rollschuhfahren.

In der Interessengemeinschaft (IG) Hööndlerweg haben sich etwa drei Viertel der Haushalte an der Quartierstrasse zusammengetan. Sie fordern eine Begegnungszone mit Tempo 20 – oder zumindest eine Tempo-30-Zone. Das würde sich anbieten, zumal der Hööndlerweg eine Sackgasse ist. Und er ist ohnehin die einzige Quartierstrasse in Birmenstorf, auf der noch nicht Tempo 30 gilt.

In einer Mitteilung der IG heisst es: «Mit dem Bezug der Überbauungen hat sich der Weg (ohne Trottoir) zu einer Gemischtverkehrsanlage entwickelt, mit unterschiedlichen Ansprüchen und Interessen.» Der Weg dient nicht zuletzt auch als offizielle Radverkehrsroute – hier verläuft die nationale Veloroute Nr. 5 von Romanshorn nach Lausanne.

Kantonsstrasse als Knackpunkt

Eine weitere Gefahrenstelle sei die Einfahrt des Hööndlerwegs in die parallel verlaufende Mülligerstrasse. Auf der Kantonsstrasse über die Reuss ins Nachbardorf Mülligen gilt ebenfalls Tempo 80. Um bei der Einfahrt die Gefahrenzone zu entschärfen, schlägt die IG vor, die Birmenstorfer Ortseinfahrt ein Stück Richtung Mülligen zu versetzen, so dass die Einfahrt zum Hööndlerweg innerorts zu liegen kommt. Im heutigen Zustand würden die nötigen Sichtweiten nicht eingehalten.

René Suter, der sich als Anwohner in der IG engagiert, ergänzt: «Auf der anderen Seite der Reussbrücke, beim Restaurant Müli Mülligen, besteht das gleiche Problem.» Auch dort sei die Ausfahrt vom Parkplatz her nicht ungefährlich, weil auch dort Tempo 80 gilt. Und Suter sagt: «Das Versetzen der Generell-50-Tafel sollte vom Gesetz her kein Problem sein.»

Suter ist optimistisch, dass hier eine einvernehmliche Lösung für Birmenstorf möglich ist.
In ihrer Eingabe verlangen die Anwohner zudem Massnahmen gegen den Lärm auf der Kantonsstrasse nach Mülligen. Dabei sei nicht der normale Alltagslärm das Problem, sondern «die weitverbreitete Unsitte des Beschleunigens mit getunten Auspuffen beidseits der Reussbrücke».

«Ohrenbetäubender Lärm»

Ein gewisses Grundgeräusch des Verkehrs auf der Mülligerstrasse würde man in Kauf nehmen. Aber: «Insbesondere an Sommerabenden und nachts wird von einzelnen Fahrzeuglenkern gerne auf kurzer Strecke auf 80 km/h mit ohrenbetäubendem Lärm beschleunigt», schreibt die IG.

Um diese Unsitte zu verhindern, schlägt die IG vor, auf der ganzen Verbindungsstrasse Birmenstorf-Mülligen eine tiefere Geschwindigkeit zu signalisieren: «Dies wäre auch im Hinblick auf steigende Frequenzen im Radverkehr (mit E-Bikes) mehr als gerechtfertigt.» Zudem wünscht sich die IG, dass die Polizei mehr Kontrollen macht und die Lärm- und Temposünder mit entsprechenden Sanktionen belegt.

Beim Gemeinderat rennt die IG mit ihren Anliegen offene Türen ein. Birmenstorfs Frau Gemeindeammann Marianne Stänz (CVP) begrüsst die Eingabe der IG Hööndlerweg. «Wir unterstützen diese Punkte. Der Gemeinderat war auch schon vorstellig beim Kanton deswegen», sagt Stänz. Für eine Temporeduktion auf dem Hööndlerweg ist die Gemeinde offen.

Tempo 30 könne hier wie auf allen Quartierstrassen sinnvoll sein, sagt Stänz. Dafür brauche es aber ein Verkehrsgutachten, das der Kanton absegnen müsste, wie Gemeindeschreiber Stefan Krucker sagt. Für eine Begegnungszone mit Tempo 20 seien die Vorschriften des Bundes sehr hoch. Eine von der Gemeinde geplante Tempo-20-Zone beim Schulhaus Widegass hat der Kanton vor zwei Jahren abgelehnt.

Auch die Situation auf der Mülligerstrasse beobachte der Gemeinderat, gemeinsam mit der Gemeinde Mülligen, schon länger. Im Rahmen der bereits beschlossenen Kantonsstrassen-Sanierung soll es hier einen neuen Radweg geben. Dann soll auch die Ortseingangstafel Richtung Reuss versetzt werden. Für eine grundsätzliche Temporeduktion auf der Mülligerstrasse habe der Kanton bisher aber kein Musikgehör gezeigt.

Messungen haben hier gezeigt, dass die meisten Leute wegen der engen Kurven ohnehin langsamer fahren. Trotzdem gibt es auch solche, die hier extra beschleunigen – und ihren Motor aufheulen lassen. Dagegen könne man leider nicht viel mehr unternehmen, als die Polizei zu rufen und die röhrenden Autofahrer zu melden, sagt Marianne Stänz.

Wegen der Temporeduktionen wolle der Gemeinderat jedenfalls noch einmal mit dem Kanton reden. Und Stänz betont: «Wir schätzen es sehr, dass sich die Bürger im Dorf so engagieren.»