«Game Over», «Bevor das Glücksspiel als Trauerspiel endet» oder «Der letzte Fünfer für einen Sechser?». Das sind nur drei der vielen respekteinflössenden Sprüchen, die derzeit die Öffentlichkeit vor einem suchtgeplagten Casino-Spiel warnen sollen.

Sie sind auffällig, zieren die Werbewände an Bahnhöfen, an Bushaltestellen oder mitten in Aargauer Städten: Die Werbungen von «Spielen ohne Sucht» (siehe Bild). Die Kampagne wurde von der «Sucht Schweiz» in Zusammenarbeit mit 16 Kantonen, darunter auch der Aargau, ins Leben gerufen.

Ein spielsüchtiger Mann glaubt, dass die Kampagne Casinos ein grosser Dorn im Auge sei: «So wird doch die breite Bevölkerung auf die Gefahren in Casinos aufmerksam gemacht. Die Kampagne verbreitet in der Öffentlichkeit das Gefühl, Casinos seien totale Teufelsorte», sagt der Mann gegenüber der az, der sich im Jahr 2011 selber sperren liess und Hunderttausende Franken verlor.

«Kein Kampf gegen Casinos»

Detlef Brose, Geschäftsführer des Grand Casino Baden, winkt ab und sieht die Kampagne gegen Spielsucht nicht gleichzeitig als Kampf gegen Casinos. «Diese Kampagne ist eine positive, zusätzliche Unterstützung zu unserer bereits bestehenden Prävention im Rahmen unseres Sozialkonzeptes», sagt Brose auf Anfrage der az.

Es sei äusserst wichtig, regelmässige Casino-Spieler auf die Gefahren von Spielsucht aufmerksam zu machen und hinzuweisen.

500 Spieler werden in Baden jährlich gesperrt

Einbussen aufgrund dieser Kampagne befürchtet Brose nicht. Er habe kürzlich die Umsatzzahlen der ersten drei Monate des Jahres verglichen zum Vorjahr. «Wir spielen auf dem gleichen Umsatz-Niveau wie im letzten Jahr», sagt er.

Viel eher befürchte er Umsatzeinbussen wegen des Casinos Zürich, das Ende Jahr eröffnet werden soll – oder das kleine Badener Stadtfest im Sommer.

Dennoch könne er sich vorstellen, dass einzelne Spieler sich aufgrund der Kampagne sperren lassen werden.

Die Kritik von Branchenkennern, dass die Casinos zu spät bei Spielsüchtigen reagieren würden, weist Detlef Brose von sich. «Wir sprechen bei 527'000 Besuchern jährlich 546 Sperren aus. Dabei fragen wir nachträglich alle Gäste, ob ihre Sperre rechtzeitig erfolgte. Nur 7 Prozent verneinen diese Frage», so der Geschäftsführer des Casino Baden.

Ob die aktuelle Spielsucht-Kampagne tatsächlich etwas bewirkt, wird sich erst noch zeigen. (sha)

Lesen Sie hier von einer Frau, die wegen ihrer Spielsucht ihr Leben aufs Spiel setzte.

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Mehr Infos zur Spielsucht finden Sie unter www.sos-spielsucht.ch