Die Exekutive Wettingens steht vor einer kleineren Rochade. Zum einen, weil am 25. September die Ersatzwahl für die vorzeitig zurücktretende Gemeinderätin Yvonne Feri (SP) stattfindet. Zum anderen, weil Gemeindeammann Markus Dieth am 23. Oktober oder im zweiten Wahlgang am 27. November in den Regierungsrat gewählt werden könnte. Dann nämlich würde neben dem Ammann- auch ein Gemeinderatssitz frei.

Die Kandidaten für das Ammannamt können bis jetzt an einem Finger abgezählt werden: Der Einzige, der seine Ambitionen offengelegt hat, ist Gemeinderat Roland Kuster (CVP). Im Ratskollegium winken Vizeammann Antoinette Eckert (FDP) und Daniel Huser (SVP) ab, während sich Markus Maibach (SP) und Philippe Rey (parteilos) noch nicht festlegen wollen: «Ich äussere mich erst, wenn klar ist, dass Markus Dieth als Regierungsrat gewählt ist. Das macht die Ausgangslage auch spannender», sagte Rey (siehe az vom 1.9.).

Wenn es aber darum geht, wer in den Gemeinderat nachrutschen könnte, öffnet sich der Fächer der Kandidaten, wie eine Umfrage bei den Parteien zeigt.

  • Die CVP hat ausführliche Gespräche über mögliche Szenarien geführt. «Aus unserer Sicht gibt es innerhalb der Partei einige Kandidatinnen und Kandidaten, die das Profil haben und für das Gemeinderatsamt infrage kommen», sagt Parteipräsident Roland Michel. Einer dieser möglichen Kandidaten ist Michel selber: «Ich wäre interessiert daran, Gemeinderat zu werden.» Die Partei habe das Ziel, den Sitz von Markus Dieth zu verteidigen – auch wenn kein Anspruch darauf besteht. «Der Entscheid liegt letztlich bei den Stimmbürgern, wen sie in die Exekutive wählen wollen», sagt Michel.
  • Auch die BDP hat diskutiert, wer die beste Wahl für den Gemeinderat sein könnte. «Wenn die CVP einen valablen Kandidaten bringt, dann werden wir selber nicht antreten», sagt Parteipräsident Michael Merkli. Man anerkenne den CVP-Sitz. Dass man heuer nicht antrete, würde aber nicht automatisch bedeuten, dass man dies auch bei den Erneuerungswahlen im 2017 nicht tun würde, fügt er an.
  • Für das Forum 5430 ist es eine Option, einen Kandidaten für den Gemeinderat zu portieren. «Noch haben wir uns nicht entschieden, ob und wen», sagt Parteipräsident Marco Kaufmann und fügt an: «Es kommt auch darauf an, wie viele Kandidaten sich stellen.» Sonst laufe man Gefahr, sich gegenseitig zu konkurrenzieren. «Wir beobachten das Geschehen aber genau und stehen mit den anderen Parteien in Kontakt», sagt Kaufmann.
  • GLP-Präsident Orun Palit teilt mit, dass er sich nicht selber als Gemeinderatskandidat stellen werde: «Das Amt wäre mit meinem Job zurzeit nicht vereinbar.» Ob das zweite GLP-Mitglied im Einwohnerrat, Ruth Jo. Scheier, antreten werde, lässt Palit offen. Weil Scheier genau wie Dieth für den Regierungsrat kandidiert, «warten wir den Ausgang der Wahlen ab und entscheiden dann».
  • Bei der SP tönt es ähnlich. «Wir wollen zuerst die Gemeinderatsersatzwahl für Yvonne Feri am 25. September in trockene Tücher bringen», sagt Co-Parteipräsident Christian Oberholzer. «Die weitere Strategie werden wir nach der Analyse der Resultate diskutieren. Alles andere wäre Kaffeesatzlesen» sagt Oberholzer.
  • Die SVP, die mit Franz-Beat Schwere bei den Gemeinderatsersatzwahlen ebenfalls einen Kandidaten an den Start schickt, hat sich bereits über die Prioritäten bei den Ersatzwahlen von Markus Dieth Gedanken gemacht. Doch: «Wir lehnen uns aus strategischen Gründen nicht aus dem Fenster, sondern lassen zuerst die Ersatzwahl von Yvonne Feri vorbeigehen», sagt der Fraktionspräsident der SVP, Daniel Frautschi. Man werde sich erst danach definitiv zu den zweiten Ersatzwahlen äussern.
  • Lutz Fischer-Lamprecht, Präsident der EVP Wettingen-Limmattal, will sich über mögliche Kandidaten nicht äussern – auch nicht, ob er selber antreten würde: «Kein Kommentar», sagt er sec.
  • Zugeknöpft gibt sich auch die FDP. «Wir warten erst einmal den Ausgang der Gemeinderatsersatzwahlen ab», sagt Fraktionspräsident Christian Pauli.
  • Redseliger gibt sich der Präsident von WettiGrüen, Jürg Meier. Zwar sagt er, dass man «keinen Kandidaten für den Gemeinderatssitz ins Rennen» schicken werde. Er schiebt aber nach, dass es seiner Meinung nach gar keinen Nachfolger brauche – falls Markus Dieth Regierungsrat und Roland Kuster Gemeindeammann wird. Denn letzterer habe seine Ressort-Aufgaben umfassend erledigt, etwa das «Tägi»-Projekt oder die Rechtsformänderung des Elektrizitäts- und Wasserwerks Wettingen (EWW). «Die zukünftige Einsitznahme im Verwaltungsrat der EWW AG und einer ‹Tägi›-Betriebs AG dürfte deutlich weniger Zeit in Anspruch nehmen als die bisherige Führung dieser Bereiche.» Denn die Modernisierungsplanung sei nun erfolgt. Deshalb könnte man auf Kusters Sitz verzichten und den Gemeinderat von sieben auf sechs Mitglieder verkleinern, sagt Meier. Die weiteren Aufgaben seines Ressorts könnte man gegebenenfalls auf die übrigen Gemeinderäte verteilen.
    «Mit einer solchen Reorganisation des Gemeinderats hätte Wettingen sicherlich auch gewisse Einsparmöglichkeiten.» Gedanken über eine mögliche Reorganisation habe er sich bereits seit längerem gemacht, vor allem über das Wie und Wenn. «Jetzt wäre womöglich eine gute Gelegenheit dazu», sagt Meier. Etwas Konkretes auf Papier liege aber noch nicht vor: «Das würde erst nach den Wahlen geschehen.»