Mägenwil

Kandidaten-Karussell steht still: Niemand will in den Gemeinderat

Mägenwils Gemeindeammann Daniel Pfyl hofft auf den zweiten Wahlgang im Dezember.

Mägenwils Gemeindeammann Daniel Pfyl hofft auf den zweiten Wahlgang im Dezember.

Nach mehreren Rücktritten aus dem Gemeinderat fehlen Kandidaten. Gemeindeammann Daniel Pfyl (SVP) hat einen Plan B in der Schublade.

Kommende Woche erhalten die Stimmbürger in Mägenwil das dicke Wahlcouvert für die Wahlen am 23. Oktober. Nebst den Regierungsrats- und Grossratsmitgliedern haben die Mägenwiler ein neues Gemeinderatsmitglied zu wählen.

Nur: Es hat sich kein Kandidat gemeldet. Die 2000-Einwohnergemeinde verfügt im Gegensatz zu gleich grossen Gemeinden zwar über Ortsparteien und konnte nicht selten Kampfwahlen durchführen, doch nach vier Rücktritten aus der Exekutive in zwei Jahren ist das Kandidaten-Karussell quasi leergefegt.

CVP, FDP sowie die noch junge SP-Sektion Mellingen/Wohlenschwil/Mägenwil melden: «Wir haben keine Kandidaten, die wir stellen könnten.» Auch bei der SVP, die sich vor wenigen Monaten stillgelegt hat, weil Präsident und Vizepräsident sich nicht mehr für das Amt zur Verfügung stellten, findet sich kein Kandidat.

Jene, die infrage gekommen wären, sind bereits wieder zurückgetreten oder sind in Beruf und Familie zu stark eingebunden, als dass sie ein 20 bis 30 Prozent-Pensum als Gemeinderat übernehmen könnten, heisst es seitens der Parteien.

Vorgeschichte hallt nach

Doch selbst wenn die FDP eine Kandidatin oder einen Kandidaten hätte: Michael Umbricht, der bis 2013 Vizeammann war und inzwischen das Präsidium der Orts-FDP übernommen hat, äussert sich kritisch zur aktuellen Lage: «Bei mehreren Rücktritten innert so kurzer Zeit, fragt man sich, was das zu bedeuten hat.» Für ihn sei dies ein Indiz dafür, dass die Zusammenarbeit im Gremium nicht optimal laufe.

Seine Skepsis ist auch als Nachhall zu den Vorwürfen bei den letzten Gesamterneuerungswahlen zu verstehen: 2013 traten er und FDP-Gemeinderat Stephan Wild nicht mehr zur Wiederwahl an. Die Partei hatte kritisiert, dass die Zusammenarbeit mit den Gemeinderäten keine fruchtbare sei.

Die FDP kritisierte damals auch Gemeindeammann Daniel Pfyl (SVP), er habe die Situation ignoriert und nichts zur Verbesserung unternommen. Die SVP bezeichnete ihrerseits das Verhalten der FDP als «dorfschädigend». Inzwischen sind drei Jahre vergangen. Im aktuellen Gremium sitzen mit Pfyl als Gemeindeammann und Marlène Fehlmann (SVP) nur noch zwei Mitglieder von damals.

Angesprochen auf die aktuelle Zusammenarbeit und die Rücktritte, sagt Gemeindeammann Pfyl: «Tatsache ist, die Rücktritte hatten gesundheitliche Gründe, und ich kann mir nicht vorstellen, dass die zurückgetretenen Gemeinderäte, wegen der Arbeit im Gremium krank geworden sind.» Der jüngste Krankheitsfall ist Jörg Fankhauser (parteilos). Er trat im August nach wenigen Monaten zurück.

«Der Entscheid ist mir sehr schwergefallen, denn die Arbeit hat mir Spass gemacht», sagte er gegenüber der az. Ebenso beurteilt CVP-Gemeinderat Marin Leuthard, der seit Mitte 2015 amtet, die Arbeit positiv – auch im Gremium: «Ich weiss nicht, wie es vor drei Jahren war, aber heute ist das Klima gut und die Gemeinderäte sind sehr engagiert». Zusammenarbeit und Diskussionskultur seien gut. «Trotz unterschiedlicher Meinungen finden wir gut zu Lösungen.»

Vereine sollen suchen helfen

Und wie geht es nun weiter? Bisher sei er als Gemeindeammann nie auf mögliche Kandidaten zugegangen, sagt Pfyl. «Bei Wahlen sollten sich Gemeinderäte nicht aktiv einmischen», ist er überzeugt. Er hat bis zuletzt gehofft, dass sich Kandidaten melden.

Nun hofft er, dass sich aus dem ersten Wahlgang mögliche Kandidaten für einen zweiten Wahlgang herauskristallisieren. Dies wäre der Fall, wenn mehrere Wähler den gleichen Namen auf den Wahlzettel schreiben. «Dann könnten wir diese Personen anfragen, ob sie das Amt übernehmen und im zweiten Wahlgang offiziell kandidieren wollen», sagt Pfyl.

Weil die Parteien ausgeschossen sind, sieht CVP-Präsident Viktor Müller bei der Kandidatensuche auch parteiunabhängige Organisationen in der Pflicht. «Es wäre wünschenswert, wenn sich beispielsweise Vereine bei der Kandidaten suche engagieren würden.» Schliesslich gehe es um das Wohl der Gemeinde.

FDP-Umbricht appelliert an die Arbeitgeber. «Ich bin ein grosser Fan des Milizsystems und die Arbeitgeber sollten ihren Mitarbeitern die Chance geben, daran mitzuwirken.» Zudem sollten Gemeinderat und Verwaltung neue Ratsmitglieder in der Anfangsphase so gut als möglich unterstützen, damit ihnen der Einstieg in der Exekutive leichter fällt.

Sollte sich für den zweiten Wahlgang am 11. Dezember kein Kandidat finden, will Pfyl zu einem öffentlichen Hearing einladen. «Interessierte Mägenwiler könnten dem Gemeinderat dann Fragen stellen zur Arbeit und den Aufgaben eines Gemeinderats.» Dafür werde man sicher auch auf die Parteien zugehen.

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