Kann denn Fasnacht Sünde sein?

Bevor jetzt alle Fasnachtsmuffel wegzappen, kommt hier die Entwarnung: Auch wer die fünfte Jahreszeit nicht liebt, darf gerne weiterlesen, denn der Text ist durch und durch anständig. Ich befürchte, er könnte fast ein wenig langweilig werden. Es wird nämlich kein Sex and Crime vorkommen, auch keine intellektuell anspruchsvolle Themen wie Politik, Fussball oder Wirtschaft. Hingegen werden die Sparten «Glanz und Gloria» und «People» berücksichtigt. Und natürlich «Kultur», wie es sich für eine anständige Zeitung gehört.

Sie lesen also weiter? Prima. Um niemanden zu irritieren, seien hier noch zwei Dinge geklärt: Obwohl Gender-Sternchen* im Trend sind, verwende ich sie nicht. Männliche und weibliche Formen sind beliebig austauschbar. Ich könnte anstelle von «Fasnächtler» und «Fasnächtlerinnen» zwar auch «Fasnachtende» verwenden. Das macht aber dem Schreibenden nicht wirklich Spass, und er fände kaum das Schreib-Ende. Und zum Zweiten: Wir Fasnächtler duzen einander, es geht dann alles etwas ringer.

Du liest immer noch weiter? Hab ich’s mir doch gedacht. Dann bist du entweder ein eingefleischter Fasnächtler und das Wasser läuft dir schon im Mund zusammen, oder aber du bist ganz einfach eine neugierige Allesleserin, die endlich wissen will, was wirklich abgeht während der närrischen Tage. Vielleicht bist du ja auch seelenverwandt mit meinem ansonsten sehr liebenswerten Sportsfreund Hubi aus dem Westaargau. Er trägt in seinen Genen die Vorwahl 062 und ist von Geburt an überzeugt, dass die Fasnacht des Teufels und mit Sodom und Gomorrha gleichzusetzen sei. Also mit Sünde, Sittenlosigkeit und Ausschweifung. Dann, lieber 062er, liegst du nicht ganz und gar daneben.

Wir Fasnächtler sind der Meinung, dass eine Prise Ausschweifung nur guttun kann. Ein wenig Sünde, ein klitzekleines Mass an Sittenlosigkeit? Kann denn Fasnacht Sünde sein, mit direkter Fahrt in die Hölle? Ha, sie kann uns nicht abschrecken, denn das ganze restliche Jahr verbringen wir eh wieder mit Glanz, Gloria und viel People im «Himmel». Er bleibt ja geöffnet, mindestens in Baden. (Diese Pointe musste ja kommen, gäll. Solltest du sie nicht gecheckt haben, bist du definitiv ein 062er.)

Aber, liebe 062erin, Fasnacht ist auch Kultur! Musik und Tanz, Kreativität, Köpfchen. Versuch doch zum Beispiel mal, eine Schnitzelbank zu dichten. Da braucht es Grips im Oberstübli, damit du am Schluss die Kurve kriegst und sogar Westaargauer zum Lachen bringst. Das ist die hohe Schule der Beizenfasnacht. Gelungene, geistreiche Schnitzelbänke, verbunden mit beschwingter Musik. Dann liegt doch auch noch eine winzige Portion Sodom und Gomorrha drin, gäll.