Für das team baden gehörte Peter Kamm während 20 Jahren (1983–2003) dem Badener Einwohnerrat an. «Ich bin natürlich sehr enttäuscht über die ganze Angelegenheit», so Kamm, der immer noch dem Vorstand des team baden angehört.

Er leide mit Müller und der Partei mit. «Das team hatte mit der Wahl von Geri Müller als Stadtammann und Ruth Müri als Stadträtin grossen Erfolg; wegen Müllers Dummheit hat diese langjährige Aufbauarbeit grossen Schaden erlitten.»

Diese «Dummheit» könnte Geri Müller jetzt das Amt kosten. Über 250 Personen forderten an einer Kundgebung gestern vor dem Stadthaus Baden, Geri Müller müsse trotz allem bleiben.

Die Wahl Müllers zum Stadtammann bezeichnet Kamm zwar als «gewagt», nicht aber als Fehler. «Klar, das Experiment ist jetzt schiefgegangen. Doch grundsätzlich spricht es für die Badener, dass sie einem eher schrägen Typen wie Müller das Vertrauen geschenkt haben.»

Demo vor Badens Stadthaus für Geri Müller

Demo vor Badens Stadthaus für Geri Müller

Kamm glaubt nicht, dass Müller Stadtammann bleiben könne; zu sehr hätten Ansehen und Reputation Schaden genommen. «Aber er könnte nochmals als Stadtrat kandidieren, und falls er wieder gewählt würde, so seine guten Ideen einbringen.»

Peter Kamms ehemaliger Parteikollege Hanspeter Funk sagt: «Der Schock hat sich gelegt. Ich finde, es ist jetzt an der Zeit zu sagen: Schwamm drüber.»

Geri Müller habe kein Verbrechen begangen, und von den Leistungen her könne man ihm nichts vorwerfen. «Es ist jetzt an ihm und am Stadtrat, zur Tagesordnung überzugehen», sagt Funk, der von 1982 bis 1991 für das team baden im Einwohnerrat politisierte.

«Auch Clinton verblieb im Amt»

Aus dem linken Lager äussern sich auch ehemalige SP-Politiker. «Geri Müller war lokalpolitisch schlicht gut, war aber jetzt in einem privaten Bereich unvorsichtig», sagt Hans Hauri, SP-Einwohnerrat ab Mitte der Achtzigerjahre bis 2000.

Ist Geri Müller noch tragbar als Stadtammann? «Eine schwierige Frage. Ich möchte daran erinnern, dass der sehr viel mächtigere US-Präsident Bill Clinton sich einen offensichtlicheren Fehler leistete, aber dennoch im Amt verblieb.» Hauri: «Man hat damit rechnen müssen, dass die Bürgerlichen jede Chance wahrnehmen würden, um Müller als Ammann abzuschiessen.»

Bereits am Samstag äusserte sich im «Blick» der «Doyen der Badener Linken», ein ehemaliger Nationalrat. Er habe die SP gewarnt, Müller als Kandidaten für das höchste Amt der Stadt zu portieren – die Partei ignorierte ihn.

Der SP habe «leider geeignetes Personal gefehlt». Der SP-Mann kritisiert Geri Müller fachlich, nicht persönlich. «Müller ist vor allem Manager der eigenen Aufmerksamkeit», sagt er gegenüber dem «Blick». Nicht seine Inhalte seien von Interesse, sondern nur die Auftritte.

Solidaritätsaktion für Geri Müller

Solidaritätsaktion für Geri Müller