Baden/Wettingen
Kanti-Rektoren kontern Kritik: «Die Qualität der Matura ist gut»

Nationalräte kritisieren die Matura und fordern ein höheres Niveau. Die Rektoren der Kantonsschulen Baden und Wettingen verteidigen die Qualität des Mittelschul-Abschlusses.

Martin Rupf
Drucken
Teilen
Hansrudolf Stauffacher, Rektor der Kanti Baden und Kurt Wiedemeier, Rektor der Kanti Wettingen, sind von den Gymischülern überzeugt.

Hansrudolf Stauffacher, Rektor der Kanti Baden und Kurt Wiedemeier, Rektor der Kanti Wettingen, sind von den Gymischülern überzeugt.

Walter Schwager/Alex Spichale

Die Zürcher Nationalrätin Kathy Riklin (CVP) und der Berner Nationalrat Matthias Aebischer (SP) fordern in der jüngsten Ausgabe der «NZZ am Sonntag», die Qualität der Matura sei zu erhöhen. Dabei stützen sie sich auf eine Evaluation, die belegt, dass ein Grossteil der Maturanden in der Erstsprache und in der Mathematik kein Niveau erreicht, das für irgendeine Hochschule akzeptabel wäre.

Für Riklin ist auch klar, woran das liegt: am Wahlsystem mit Grundlagen-, Schwerpunkt- und Ergänzungsfächern – dieses hatte in den 1990er-Jahren die Maturitätstypen abgelöst. Laut Riklin führe dieses System zu einer bewussten Abwahl gewisser Fächer, um die eigenen Schwächen zu umgehen. Aus diesem Grund stellt sie gar die Rückkehr zum alten Typusmodell zur Diskussion.

«Deutschkenntnisse: Nicht alles»

Die Kanti-Rektoren Hansrudolf Stauffacher (Baden) und Kurt Wiedemeier halten nicht nur diese Forderung für falsch, sondern auch die «Pauschalkritik» an der Qualität der Matura für ungerechtfertigt.

1999 wurden im Aargau die ersten Kanti-Schüler im neuen System unterrichtet. Ein System, das sich bewährt habe, so Stauffacher. «Erst nach zwei Jahren entscheidet man sich für Schwerpunkt- und Ergänzungsfächer. Das führt unter anderem dazu, dass wir einen hohen Anteil an Schülern haben, die sich für Naturwissenschaften interessieren.»

Stauffacher ist überzeugt: Müsste man sich direkt nach der Bezirksschule für eine Richtung entscheiden, würden sich weniger Schüler für Naturwissenschaft interessieren. Die Kritik, das neue System erlaube es, Schwächen gezielt auszuweichen, kontert Stauffacher: «Auch das Typenmodell sah vor, dass man Minusnoten mit guten Noten kompensieren kann – da hat sich gar nichts geändert.»

Dass die Qualität der Matura schlecht sei beziehungsweise die Maturanden generell zu wenig mitnehmen fürs Studium, trifft laut Stauffacher nicht zu. «Die Matura ist eine anspruchsvolle Sache. Einige schaffen sie zwar mit links, andere müssen sich aber richtig durchbeissen.»

Die Kantonsschule biete hervorragende Rahmenbedingungen, um bestmöglich für Universität oder Technische Hochschule vorbereitet zu sein. «Aber es liegt auch in der Eigenverantwortung jedes einzelnen Schülers, von diesen Rahmenbedingungen Gebrauch zu machen», hält Hansrudolf Stauffacher fest.

Ins gleiche Horn bläst Kurt Wiedemeier: «Klar, einzelne Verbesserungsvorschläge gibt es immer, aber eine solche Pauschalkritik erachte ich als wenig sinnvoll.» Er störe sich auch daran, wenn vor allem auf den Deutschkenntnissen herumgehakt werde. «Ja, es ist so, dass die Jungen heute die Sprache nicht mehr im gleichen Stil pflegen, wie dies früher der Fall war.»

Dafür verfügten junge Menschen heute über Fähigkeiten, die frühere Generationen nicht hatten. «Ich denke dabei nicht nur an den ganzen IT-Bereich, sondern etwa auch an die Auftrittskompetenz», so Wiedemeier. Rechtschreibung sei zwar wichtig, aber nicht der alleinige Massstab für die Qualität einer Ausbildung.

Im Aargau gebe es ganz sicher keinen Qualitätsmangel, was schon nur die im Landesvergleich tiefe Maturitätsquote von 15 Prozent belege, so Wiedemeier. Und es sei auch nicht so, dass man im Wahlsystem gezielt Schwächen ausweichen könne. «85 Prozent unseres Lehrplans beinhalten Grundlagenfächer, nur gerade 15 Prozent sind Wahlfächer.»

Aber: Das neue System ermögliche es besser als früher, «schwache Fächer mit starken Fächer zu kompensieren», was aber nicht per se schlecht sei. «Wir orientieren uns heute mehr an den Stärken junger Menschen und sind weniger fixiert auf deren Fehler.»

Aktuelle Nachrichten