Baden
Kanti-Schüler drehen Film zu Depressionen: «Es ist nicht nur ein Traurigsein»

Zwei Schüler der Kantonsschule Baden haben im Rahmen ihrer Maturarbeit einen Film zum Thema Depression gedreht. Sie wollen zeigen, dass Depression nicht nur ein Gemütszustand, sondern eine Krankheit ist

Cristina Wenzinger
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Dominik Müller und Julian Chariatte: «Die Schulen sollten mit dem Thema Depression offener umgehen.»

Dominik Müller und Julian Chariatte: «Die Schulen sollten mit dem Thema Depression offener umgehen.»

Sandra Ardizzone

Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, innere Leere: Eine Depression fühlt sich für viele Betroffene an wie ein grosses schwarzes Loch. Doch das Leiden hat viele Gesichter. Auf diese verschiedenen Aspekte der Krankheit wollen Dominik Müller und Julian Chariatte aufmerksam machen. Im Rahmen ihrer Maturarbeit haben die beiden Kantonsschüler einen Kurzfilm zum Thema Depression gedreht mit dem Ziel, das Bewusstsein und die Wahrnehmung einer Depression in Form eines Kurzfilms zu visualisieren.

Depression ist allgegenwärtig. «Es ist nicht nur auf Social Media ein grosses Thema, sondern auch in der Schule», sagt Müller. Die beiden Kantonsschüler haben sich gefragt, ob ihre Mitschülerinnen und Mitschüler überhaupt ein Bewusstsein für die Krankheit haben. Kurzer Hand führten sie eine Umfrage im Freundeskreis durch mit der Frage: Was ist Depression? Die Antworten waren ernüchternd. Viele meinten, man sei eben ab und an mal traurig. «Es wurde allgemein mehr als Gemütsstimmung wie als Krankheit beschrieben», sagt Julian Chariatte.

Depression gilt oft noch als Tabuthema

Die beiden mussten feststellen, dass viele eine falsche Vorstellung von der Krankheit haben. «Es hat uns schockiert», sagt Dominik Müller. Nach dieser Umfrage war für die beiden klar, dass sie informieren möchten. «Wir waren der Meinung, dass es für die Betroffenen wichtig ist, den Leuten zu zeigen, wie tiefgehend die Krankheit nicht nur für sie, sondern auch für ihr Umfeld ist», sagt Müller.

Unter Kantonsschülerinnen und Kantonsschülern sei die Thematik Depression häufig ein Tabu. «Es ist ein heikles Thema, über das niemand wirklich sprechen möchte», sagt Dominik Müller. Wenn beispielsweise jemand deswegen nicht im Unterricht erscheint, werde nur gesagt, dass diese Person aufgrund einer Depression fehle. Bei dieser Aussage bleibe es dann, und es wird nicht weiter darauf eingegangen. «Die Schulen sollten mit dem Thema offener umgehen», sagt Müller.

«Insbesondere die Klassenlehrer», ergänzt Julian Chariatte. Im Gegensatz zu anderen Schulen macht die Kantonsschule Baden bereits einen Schritt in diese richtige Richtung mit ihrem Programm «ein offenes Ohr». Im Rahmen dieses Programms können Schüler, die noch nicht bereit sind, zum Psychologen zu gehen, anonym mit einer aussenstehenden Person sprechen.

Ein künstlerischer Kurzfilm mit Doku-Aspekten

«Wir haben uns bewusst für die Form Film entschieden», sagt Müller. Der 19-Jährige filmt oft in seiner Freizeit und weiss deshalb, wie ein Film aufgebaut werden muss, damit er Eindruck hinterlässt. «Nur schon mit der Musik, die wir eingebaut haben, kann man den Zuschauer viel mehr erreichen, als das mit einem Text der Fall gewesen wäre.» Ausserdem richtet sich der Film hauptsächlich an jüngere Menschen. «Wir wissen, dass unsere Generation sich mehr von einem Film als von einem Text angezogen fühlt», sagt Chariatte.

Nach rund acht Monaten kann der fertige Film nun auf der Videoplattform Youtube betrachtet werden. Es ist ein künstlerischer Kurzfilm mit Doku-Aspekten. Im Zentrum des Films steht eine junge Frau, die beschreibt, wie die Krankheit sie immer mehr eingenommen hat. Man begegnet vielen Naturszenen, fantastischen Elementen und Musikeinlagen, welche die Gefühle der Person visualisieren und besser nachvollziehbar machen. Mit dem rund achtminütigen Film wollen die beiden Kantonsschüler einen «Aha-Moment» beim Zuschauer auslösen.

Sie wollen, dass klar wird, dass Depression nicht nur ein Gemütszustand, sondern eine Krankheit ist. Am Schluss des Films erscheint ein Schriftzug mit dem Text «Sie können einen Unterschied machen. Suchen Sie das Gespräch.» Dies soll die Hauptaussage des Films sein. «Es ist egal, auf welcher Seite man steht. Ob man nun selbst betroffen ist oder als Aussenstehender merkt, dass jemand betroffen ist, soll man das Gespräch suchen», sagt Müller.