Wettingen
Kanti Wettingen und Kanti Aarau bekämpften sich musikalisch

«Battle of the Bands» Die zwei Jazz-Bands der Kantonsschulen überraschten mit einem bunten Musik-Mix. Nur am Kampfgeist müssen sie noch etwas feilen.

Samuel Schumacher (Text und Fotos)
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Die Kanti-Schülerin Géraldine Schneider kämpft mit ihrer Stimme für die Wettinger Jazz-Band.

Die Kanti-Schülerin Géraldine Schneider kämpft mit ihrer Stimme für die Wettinger Jazz-Band.

Sabina Galbiati

Die Idee feiert weltweit Erfolge: Bands, Chöre oder ganze Orchester ringen sich musikalisch gegenseitig nieder. So machen sie die klassische Form des Livekonzerts durch ein kompetitives Element spannender.

Tradition hat das musikalische Battle auch bei den Konzerten der Jazz-Formationen der Kantonsschulen Aarau und Wettingen. Jedoch ging der neunte «Battle of the Bands» zwischen den Kantis Aarau und Wettingen am Donnerstagabend nicht ganz so kämpferisch über die Bühne.

Zum neunten Mal standen, beziehungsweise sassen sich die Jazz-Bands unter der Leitung von Fritz Renold (Aarau) und Rafael Baier (Wettingen) beim «Battle of the Bands» gegenüber. Die jungen Jazzmusiker zeigten in der vollen Wettinger Löwenscheune, was sie können und überzeugten ihr Publikum.

Seltenes Solo-Instrument

Die Gäste aus Aarau präsentierten in ihrem Set eine spannende, wenn auch zumeist sanfte Auswahl an Kompositionen der amerikanischen Fusion-Jazz-Formation Steps Ahead. Wie ein Paukenschlag inmitten ruhiger Fusion-Harmonien wirkte das Stück «Beirut», bei dem sich Felix Piringer auf dem selten gehörten Electronic Wind Instrument (EWI) virtuos durch die Takte blies. Mit ihm blühte der Kampfgeist der Wettinger Formation zum ersten Mal richtig auf.

Bassistnin Sharon Renold sorgte in den Reihen des Jazz Orchestra der Kanti Aarau für den nötigen Groove
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Jazz-Sänger Dominik Merz von der Big Band der Kanti Wettingen
Das Jazz Orchestra der Kanti Aarau spielte Kompositionen der amerikanischen Fusion Band Steps Ahead

Bassistnin Sharon Renold sorgte in den Reihen des Jazz Orchestra der Kanti Aarau für den nötigen Groove

Samuel Schumacher

Angetrieben von der toll aufspielenden Perkussions-Abteilung machten die Wettinger einen Abstecher zum österreichischen Überjazzer Joe Zawinul und verabschiedeten sich mit den Steps-Ahead-Stücken «Lust for Life» und «Trains» anständig von der Bühne.

Wettinger mit buntem Mix

Die Wettinger bestritten ihr Heim-Battle mit einem bunten Mix aus Latin-Kompositionen und originellen Arrangements klassischer Songs wie «Wonderwall» (Oasis) oder «Feeling Good» (Michael Bublé) oder «Jump» (Van Halen). Géraldine Schneider und Dominik Merz beeindruckten als Jazz-Sänger und sorgten begleitet von der toll aufspielenden Big Band der Kanti Wettingen für einen mitreissenden zweiten Battle-Teil.

Ein weltweiter Trend

Das musikalische «Battle» entstand in den 80er-Jahren in amerikanischen Hip-Hop-Kellern und wird seit einigen Jahren weltweit in unterschiedlichsten Musikszenen imitiert. In Castingshows rund um den Globus kämpfen junge Talente um den Sieg.

Und selbst die helvetische Konsens-Kultur ist auf den Geschmack des musikalischen «Battles» gekommen. Sendungen wie «Kampf der Chöre» und bald auch «Kampf der Blasmusik-Formationen» werden hierzulande zu Kassenschlagern.

Wollen die Jazz-Bands der Kanti Wettingen und Aarau auf diesen Zug aufspringen, müssen sie den eigenen Kampfgeist noch etwas mehr herausfordern. Denn zu einer direkten «Konfrontation» der beiden Wettkampf-Seiten kam es nicht. Das Battle-Element, so scheint es, ging bei der Konzertdramaturgie gänzlich vergessen. Der Abend – um es mit dem Titel des Wettinger Schlusssongs von Carlos Santana auszudrücken – ging äusserst «Smooth» zu Ende. Vielleicht aber war das nur die Ruhe vor dem Sturm, den man sich vom 10-Jahr- «Battle of the Bands»-Jubiläum im kommenden Jahr erhoffen darf.