Baden/Davos
Kantischüler diskutierten mit Kofi Annan und weiterer WEF-Elite

Mehrere Wirtschaftsmaturanden der Kantonsschule Baden verfolgen das WEF in Davos vor Ort. Dabei trafen sie unter anderem auf Kofi Annan. Die Diskussion sei zu wenig kritisch gewesen, meinen die Schüler.

Stefanie Suter
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Die Schüler sind soeben mit dem Bus angekommen
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Die Schüler müssen noch warten
Die Podiumsdiskussion startet mit Verspätung
Die Schüler drücken Wawrinka die Daumen
Noch ist die Bühne leer
Hinter den Scheiben wird fleissig übersetzt
Der Sitz von Kofi Annan ist noch leer
Mit Applaus empfangen die Kantischüler mit dem Rest des Publikums Kofi Annan
Der ehemalige UN-Generalsekretär kritisiert das Abwerben von Fachleuten in Entwicklungsländern
Die angehenden Maturanden des Schwerpunktfaches Wirtschaft und Recht hören konzentriert zu
Einige Schüler kritisieren, es sei gar keine richtige Diskussion entstanden, da die kritischen Stimmen gefehlt hätten
Badener Kantischüler beim Besuch am WEF in Davos
Nach einer Pause füllt sich die Aula für die nächste Podiumsdiskussion
Vorwiegend junge Unternehmer erzählen über ihren Weg zum Erfolg
60 Schüler der Kanti Baden sind nach Davos angereist
Die Wirtschaftsmaturanden hören gespannt zu
Glaubt an euch und verfolgt eure Ziele, rät SVP-Nationalrat Thomas Aeschi während der Podiumsdiskussion
Zoltan Matucza stellt dem Unternehmer Pavel Koktyshev aus Kasachstan eine Frage
Aeschi gibt nach dem Podium bereitwillig Auskunft
Sie unterrichten Wirtschaft und Recht

Die Schüler sind soeben mit dem Bus angekommen

Stafanie Suter

In Davos zeigt sich ein komisches Bild: Scharfschützen spähen von den Dächern, Skifahrer machen sich auf den Weg zur Gondel, Polizisten stehen an jeder Ecke und Einheimische besorgen ihre Einkäufe.

Mittendrin: Die Schüler der Kanti Baden mit dem Schwerpunktfach Wirtschaft und Recht. Sie besuchen von Mittwoch bis Freitag das Open Forum Davos in der Aula der Schweizerischen Alpinen Mittelschule, an dem die Bevölkerung mitdiskutieren kann.

Ausweichende Antworten

Auf dem Weg zur Aula erzählt Maturand Jozef Nue: «Gestern haben wir den ehemaligen brasilianischen Nationalspieler Ronaldo angetroffen.» Vor der Aula stehen die Besucher Schlange – 500 haben Platz, einige Interessierte muss die Polizei bereits vor der Tür abweisen.

Heute diskutieren unter anderem der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan und Martin Schulz, Präsident des EU-Parlaments, über die Frage, ob Einwanderung zu begrüssen sei oder nicht.

«Im Forum werden relevante Themen behandelt, die Fragen des Publikums sind bis jetzt aber nur ausweichend beantwortet worden», finden Vanessa Pfyl und Medina Djuricic. «Kofi Annan ist eine starke Persönlichkeit – von ihm erwarten wir konkretere Antworten.»

Maturanden am wef: Bestandteil des Abschlussjahres

Bereits zum sechsten Mal besuchen Schüler des Schwerpunktfaches Wirtschaft und Recht der Kanti Baden das World Economic Forum (WEF). 60 Schüler sind mit acht Lehrpersonen angereist. Am Open Forum Davos erleben die Maturanden Politiker, Ökonomen und Nobelpreisträger aus nächster Nähe. Zwischen den Podiumsdiskussionen treffen sich die Schüler mit dem Geschäftsleiter des Open Forums, Professor Gilbert Probst, und mit dem Vorsitzenden der Deutschen Börse, Reto Francioni. Letzterer war vor einigen Jahren ebenfalls Schüler an der Kanti Baden. Die Exkursion ist Bestandteil des Abschlussjahres - jedes Schwerpunktfach unternimmt mit ihren Schülern einen Ausflug, der im Zusammenhang mit dem jeweiligen Fach steht. (ssu)

Die Podiumsdiskussion beginnt mit Verspätung und die Schüler nutzen die Wartezeit, um das Tennisspiel zwischen Stanislas Wawrinka und Tomas Berdych zu verfolgen. Als Kofi Annan zehn Minuten nach Beginn dazu stösst, wird er mit Applaus begrüsst.

Er kritisiert, dass die guten Fachkräfte in Entwicklungsländern abgeworben werden. William Swing, Generaldirektor der Internationalen Organisation für Migration, ist der Ansicht, dass Migration sehr positiv und wünschenswert sei, wenn man sie richtig regelt. Die Schüler hören gespannt zu und werden nur kurz abgelenkt, als die Meldung durch die Reihe geflüstert wird, dass Wawrinka gewonnen hat.

Während einer halben Stunde kann das Publikum fragen stellen, um 14 Uhr ist die Diskussion fertig. Vor allem Annan und Schulz hätten überzeugt, finden die Schüler. Jakub Vokaty bemängelt, dass die kritischen Stimmen gefehlt hätten: «Es war mehr ein Vortrag – jeder hat seine Sicht dargelegt.»

Nach einer kurzen Pause geht es im gleichen Saal weiter: Vorwiegend junge Unternehmer erzählen über ihren Weg zum Erfolg, darunter SVP-Nationalrat Thomas Aeschi. Auch die Kantischüler greifen nach dem Mikrofon und stellen ihre Fragen.

So möchte Zoltan Matucza von Unternehmer Pavel Koktyshev wissen, wie das Umfeld für Firmen in seinem Heimatland Kasachstan sei. Koktyshev antwortet, dass es für neue Unternehmen sicher sei, ergänzt aber.

«Werden die Unternehmen grösser, kann es vorkommen, dass sie von der Regierung beschlagnahmt werden.» Eine andere Frage aus dem Publikum lautet, wie man auch als Sprössling aus einfachen Verhältnissen ein erfolgreicher Unternehmer wird. Aeschis Tipp: «Glaubt an euch, verfolgt beharrlich eure Ziele und fragt andere um Rat.»

«Eine Schülerin beruhigte die Störenfriede»

Herr Michael Stutz, zum sechsten Mal reisen Sie mit angehenden Maturanden an das WEF. Ist in diesen Jahren etwas Spezielles vorgefallen?

Michael Stutz: Ja, da gibt es tatsächlich einen Vorfall: Die Occupy-Bewegung störte 2012 die Diskussion im Open Forum zum Thema «Umbau des Kapitalismus». Eine unserer Schülerinnen schlichtete die Situation. Sie stand auf und erklärte, dass sie hier sei, um zu diskutieren, nicht um zu randalieren. Es gelang ihr, die Störenfriede zu beruhigen, und die Diskussion lief wieder in geordneten Bahnen weiter. Der Geschäftsleiter des Open Forums, Gilbert Probst, bedankte sich später persönlich bei der Schülerin.


Wie bereiten Sie Ihre Schüler auf das WEF vor?


Wir erhalten die provisorische Themenliste des Open Forums ein paar Wochen vor der offiziellen Publikation. So haben wir etwa einen Monat Zeit, die Themen gezielt im Unterricht zu besprechen und den Schülern Inputs zu liefern. Unser Ziel ist es, sie zu befähigen, an den Podiumsdiskussionen des Open Forums mitdebattieren zu können.


Verschiedene Seiten kritisieren das WEF. Wird diese Kritik im Unterricht thematisiert?


Als die Occupy-Bewegung am WEF 2012 die Diskussionen störte, griffen wir ihren Protest im Unterricht auf. Kritische Fragen können die Schüler direkt an Herrn Probst richten - wir treffen ihn jedes Jahr während des WEFs. Ansonsten liegt unser Fokus auf dem kritischen Umgang mit den Themen, über die am Open Forum gesprochen wird.