Baden
Kantonsspital Baden noch nicht im Corona-Notbetrieb – intern wirft das Fragen auf

Das Kantonsspital Baden führt trotz der Corona-Pandemie weiter diverse Operationen durch – eine Umstellung wäre aber kurzfristig möglich.

Fabian Hägler
Merken
Drucken
Teilen
Derzeit hat das Kantonsspital Baden trotz Corona-Krise noch genügend Kapazität für Operationen.

Derzeit hat das Kantonsspital Baden trotz Corona-Krise noch genügend Kapazität für Operationen.

Alex Spichale

Keine Operationen mehr, die nicht dringend notwendig sind: Das war die klare Ansage des Bundesrats an die Spitäler, als am Montag die Notlage ausgerufen wurde. Sie sollen auf sogenannte Wahleingriffe und weitere verschiebbare Behandlungen verzichten, so die Vorgabe. Damit soll laut Erläuterung des Kantons vermieden werden, dass sich zum Beispiel in Wartezimmern unnötige Menschenansammlungen bilden. Zudem sollen keine Kapazitäten und Ressourcen gebunden werden, die potenziell zur Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Corona-Infektion benötigt werden. Dabei geht es um Personalressourcen, Infrastruktur, Heilmittel und medizinisches Verbrauchsmaterial.

Spital-CEO: «Kein Anlass, OP-Betrieb zu reduzieren»

Dennoch werden am Kantonsspital Baden (KSB) weiter «elektive» Operationen durchgeführt. Das geht aus internen Chat-Einträgen hervor, welche der AZ vorliegen. Darin schrieb Adrian Schmitter, der CEO des KSB, am Dienstag, das Spital sei weder «geldgeil» noch bewege man sich mit dieser Praxis in der Illegalität. «Sollte die Zahl der Corona-Patienten ansteigen, fahren wir den Krisenmodus sukzessive rauf respektive den Normalbetrieb runter», schrieb Schmitter. Dies wäre laut dem Spital-CEO innerhalb weniger Stunden möglich. Derzeit gebe es aber noch keinen Anlass, den OP-Betrieb herunterzufahren.

Zuvor gab es im spitalinternen Chat offenbar Fragen von Ärzten und Pflegerinnen aus der Anästhesie und den OP-Bereichen. Sie wollten wissen, weshalb am KSB nicht nur dringliche und unverschiebbare Eingriffe durchgeführt werden, wie der Bund dies verordnet habe.

«Hier werden kritische Ressourcen wie Schutzausrüstung und Mitarbeiter nicht im Sinne des Gesetzgebers eingesetzt und für die kommende Corona-Welle geschont», kritisiert ein In­sider. Während andere Spitä­ler auf Notbetrieb umstellten, laufe am KSB der Normalbetrieb. «Sofern der Patient nicht von sich aus auf den Eingriff oder die Untersuchung verzichtet, wird vom Spital gar nichts abgesagt.»

Auf Nachfrage der AZ informiert Spitalsprecher Omar Gisler, Ziel des KSB sei, allen Patienten adäquat und zeitnah zu helfen. Zum jetzigen Zeitpunkt könne man das noch tun. «Später, bei einem erwarteten Corona-Peak, wird dies vielleicht nur noch eingeschränkt möglich sein. Deshalb wäre es fahrlässig und unverantwortlich, den Spitalbetrieb jetzt schon komplett herunterzufahren oder in einen Standby-Modus zu schalten.»

Operationen wurden in drei Kategorien eingeteilt

Im Rahmen des Ressourcen- Managements und in Erwartung des prophezeiten Anstiegs von Corona-Patienten hat das KSB die Eingriffe und Behandlungen in die drei Kategorien A, B und C gegliedert. Diese Aufteilung ist laut Omar Gisler folgendermassen definiert und geregelt:

A) dringend, notfallmässig: Der Eingriff wird unabhängig vom Alter und vom Risiko des Patienten durchgeführt (z.B. Karzinome, Infektionen, ausgeprägte Symptomatik).

B) nicht dringend, «to do» in den nächsten zwei Monaten: Alle Anmeldungen für Patienten, die aus medizinischer Sicht nicht zwei Monate verschoben werden können, werden durchgeführt. Hier gilt aber gerade bei Risikopatienten ein gewisses Augenmass. Sollten Eingriffe bei solchen Patienten verschoben werden, muss dies vom Abteilungsleiter visiert werden. Bei allen Patienten mit Atemwegssymptomen muss ein Corona- Test durchgeführt werden.

C) nicht dringend: Patienten ohne dringliche Indikation, die problemlos drei Monate geschoben werden können. Bei unklarer Kategorie (B oder C) liegt der Entscheid, ob der Eingriff vorgenommen wird, beim Abteilungsleiter und muss dokumentiert werden. Die Patienten werden kontaktiert, und es wird bereits ein neuer Termin vereinbart. Das KSB strebt laut Gisler an, die Eingriffe der Kategorie C sukzessive herunterzufahren.

Gallati genehmigte die Operationen am KSB

Wie sieht der Kanton das Vorgehen des KSB? Jelena Teuscher, die Sprecherin von Regierungsrat Jean-Pierre Gallati, teilt auf Anfrage mit: «Zwischen dem Gesundheitsdepartement und den Spitälern wurde vereinbart, dass ein sofortiges Umrüsten gewährleistet sein muss, falls die Zahl der zu hospitalisierenden Corona-Fälle zunimmt.» Schon am Montagmorgen, bevor der Bundesrat die erste Corona-Verordnung erliess, habe Gesundheitsdirektor Gallati die Operationen am KSB genehmigt, die geplant waren und noch durchgeführt werden konnten.

Dies sei auch mit der Covid- 19-Verordnung des Bundes weiter zulässig, weil der Begriff der dringenden medizinischen Notwendigkeit eines Eingriffs einen Auslegungsspielraum zulasse. Aufgrund der aktuellen Situation im Aargau erachtete es Gallati zu Beginn der Woche als falsch, vorsorglich alle Operationen abzusagen, die jetzt noch durchgeführt werden konnten, ohne die Aufnahmekapazitäten für künftige Covid-19-Patienten einzuschränken. Erst mit den Erläuterungen des Bundesamtes für Gesundheit vom 17. März sei der Spielraum der Kantone eingeengt worden. Teuscher kündigt an, das Gesundheitsdepartement werde die Spitäler heute Freitag anweisen, künftig von Wahleingriffen abzusehen.

Das Corona-Virus macht den Aargau zum Geisterkanton – diese 45 Bilder zeigen die grosse Leere:

Leere auf dem Badener Theaterplatz.
45 Bilder
Niemand darf durch: Am Hallwilersee sperrt die Polizei beliebte Bade- und Picknickplätze mit Band ab.
Niemand trainiert: Fitnesscenter «Fit4Life» im Freizeitzentrum «GoEasy» in Station Siggenthal.
Niemand steigt um: Auf dem Bahnhofplatz Baden, wo sonst die Pendler hin- und herhasten, steht nur ein einsamer Lieferwagen.
Der Bahnhofsplatz in Aarau ist leergefegt.
Keine Pendler, keine sonstigen Fahrgäste: Auch im Bahnhofsgebäude des Bahnhhof Aarau herrscht gähnende Leere.
Die Gassen von Aaraus Altstadt sind leergefegt.
Restaurant-Terrassen müssen trotz bestem Frühlingswetter leer bleiben. So auch vor dem Kunsthaus.
Alle bleiben zu Hause in Aarau.
Das Kloster Muri bleibt leer.
Kein Gottesdienste, keine Besucher im Kloster Muri.
Boswil: Der Gasthof Löwen hat ein Takeaway-Schild aufgestellt.
Die Kartbahn ihn Wohlen ist verlassen.
Es bleibt still auf der Kartbahn in Wohlen.
Auch das Restaurant auf der Kartbahn Wohlen bleibt geschlossen.
Leere vor dem Blinddarm-Zugang in Baden.
Rheinfelden: Bäckereien dürfen geöffnet bleiben aber die Schutzmassnahmen (genügen Abstand) müssen eingehalten werden.
Die Marktgasse in Rheinfelden, sonst beliebter Treffpunkt, bleibt währen der Corona-Krise menschenleer.
Im Sportzenter Bustelbach verbringt gerade niemand seine Freizeit.
Niemand schwimmt: Das menschenleere Thermalbad Aquarena in Schinznach, auch die Sprudel- und Massagedüsen sind abgestellt.
Auf dem Regionalflugplatz Birrfeld stehen die Flieger still.
Das Restaurant auf dem Flugplatz Birrfeld stellt auf Take Away um.
Das Restaurant auf dem Flugplatz Birrfeld stellt auf Take Away um.
Die Restaurant-Terrasse bleibt leer.
Wie leergefegt die Aarauer Alstadt.
Wie leergefegt die Aarauer Alstadt.
Die Kartbahn in Wohlen ist leer.
Die Kartbahn in Wohlen ist leer.
Die Kartbahn in Wohlen ist leer.
Impressionen vom Bahnhof Aarau.
Impressionen vom Bahnhof Aarau.
Impressionen aus der Aarauer Alstadt.
Impressionen aus der Aarauer Alstadt.
Impressionen aus der Aarauer Alstadt.
Impressionen aus der Aarauer Alstadt.
Impressionen aus der Aarauer Alstadt.
Impressionen aus der Aarauer Alstadt.
Impressionen aus der Aarauer Alstadt.
Impressionen aus der Aarauer Alstadt.
Impressionen vom Regionalflugplatz Birrfeld.
Sportzenter Bustelbach, Stein.
Impressionen vom Regionalflugplatz Birrfeld.
Impressionen vom Regionalflugplatz Birrfeld.

Leere auf dem Badener Theaterplatz.

Sandra Ardizzone