Die KSB-Studie kommt zu dem Schluss, dass bei Patienten, die nach der Darm-OP dreimal täglich Kaffee tranken, die Darmfunktion schneller wieder in Gang kam. Auch konnten diese Patienten das Spital einen Tag früher verlassen als jene, die nach dem Eingriff Kräuter- oder Früchtetee erhielten. Dies teilt das Kantonsspital Baden mit. 

«Nach einer Operation ist der Darm wie gelähmt und braucht lange, bis er wieder mit normalem Stuhlgang funktioniert», erklärt Professor Antonio Nocito, Direktor des Departementes Chirurgie am KSB. «Wir haben festgestellt, dass die Darmfunktion rascher wieder funktioniert, wenn die Patienten nach einem Eingriff Kaffee anstatt Tee oder Wasser trinken.»

Kaffee schlägt Kaugummi

Um den raschen Stuhlgang zu fördern und das Risiko von Komplikationen (beispielsweise verzögerte Wundheilung, Lungenentzündung oder tiefe Venenthrombosen) zu reduzieren, werden am Darm operierte Patienten in vielen Kliniken angehalten, das Bett so rasch wie möglich zu verlassen und sich zu bewegen. Mitunter wird der Stuhlgang auch medikamentös gefördert. Zudem wird regelmässiges Kaugummikauen als hilfreich erachtet. «Letzteres ist jedoch gerade für die meist betagten Menschen oft keine Alternative», so Nocito.

Deshalb verordnet das KSB seinen Patienten nach Darm-Eingriffen nun Kaffee. Die Vorteile kommen in der Studie deutlich zum Ausdruck: Im Schnitt neun Stunden früher konnten die Kaffeetrinker in der randomisierten Studie mit 115 Patienten nach der OP das WC aufsuchen als die Teilnehmer der Kontrollgruppe. Mehr als 7 Prozent der Kaffee trinkenden Patienten hatten sogar innerhalb der ersten 24 Stunden nach der OP Stuhlgang, hingegen war dies nur bei 1,7 Prozent der Tee trinkenden Studienteilnehmer der Fall.

Ausgezeichnete Studie

Die weiteren Vorteile liegen auf der Hand: Kaffee ist günstig und nebenwirkungsfrei. Nicht zu vergessen der psychologische Aspekt: «Es ist schön, dass die Patienten durch die Tasse Kaffee auch eine Art Wohlfühleffekt nach der Operation erleben», sagt Simone Hasler-Gehrer, die Autorin der Studie, die am KSB als Oberärztin tätig ist.

Nebst den Patienten war auch die Jury des 44. Deutschen Koloproktologen-Kongresses in München von Simone Hasler-Gehrers Arbeit sehr angetan und zeichnete die Studie «Coffee to go» im Frühjahr 2018 als beste wissenschaftliche Arbeit aus. «Die Auszeichnung zeugt davon, dass man mit guten Ideen auch an einem nicht-universitären Spital wissenschaftliche Forschung betreiben kann, die internationale Akzeptanz findet», sagt Hasler-Gehrer.