Mit den Leistungsaufträgen, wie sie in der neuen Spitalliste definiert wurden, sind das Kantonsspital Baden und das Kreisspital Muri gar nicht einverstanden. Während in Muri die Adipositas-Operationen (Eingriffe zur Bekämpfung von Übergewicht) vom Dienstleistungsangebot gestrichen werden, darf das KSB die Wirbelsäulenchirurgie nicht neu anbieten. Beide Spitäler haben eine Beschwerde gegen diese Entscheide der Aargauer Regierung beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht.

«Das KSB hat sich für die Wirbelsäulenchirurgie beworben», erklärt Dieter Keusch, CEO des KSB. Die Aargauer Regierung habe diesen Antrag abgelehnt, da es sich um ein neues Leistungsangebot im KSB handeln würde. «Dies steht im Widerspruch zum strategischen Schwerpunkt ‹Bewegung› des KSB», fügt Keusch hinzu. Das KSB biete hier ein umfassendes Angebot mit hochkompetenten orthopädischen Operateuren an. Daher sei es nicht nachvollziehbar, weshalb die Wirbelsäulenchirurgie ausgeklammert werde. «Hier wird eine wesentliche Lücke in der patientennahen Versorgung des Ostaargaus entstehen. Deshalb haben wir eine Beschwerde eingereicht», sagt Keusch.

Adipositas-OP’s an beiden Orten

Für das Kreisspital für das Freiamt in Muri schwer zu verkraften ist der Verlust der bariatrischen Chirurgie (Adipositas-Operationen). Bisher wurden diese Eingriffe unter anderem am Kantonsspital Baden und am Kreisspital durchgeführt. «Wir arbeiten eng und gut mit Muri zusammen. Der Chefarzt Chirurgie des Kreisspitals Freiamt, Gerfried Teufelberger, operiert Patienten mit höherem Risiko in Baden. Dennoch würden wir die Operationen gerne an beiden Standorten durchführen können. Das haben wir in unserer Bewerbung an den Kanton so beantragt», erklärt Keusch. Baden habe dazu den Leistungsauftrag erhalten, Muri nicht. Konkret: Neu sollen alle Adipositas-Operationen im Ostaargau in Baden durchgeführt werden – der Leistungsauftrag für Adipositas-Chirurgie wurde Muri mit der neuen Spitalliste entzogen.

In Muri werden jährlich rund 60 Adipositas-Operationen durchgeführt. «Im Vergleich zu anderen chirurgischen Eingriffen im Kreisspital Muri registrieren wir mit diesen rund 60 Operationen zwar eine geringe Fallzahl – dennoch behandeln wir 50 Prozent der Adipositas-Patienten im Kanton Aargau», erklärt Marco Beng, CEO und Vorsitzender der Spitalleitung des Kreisspitals für das Freiamt. Wie er gegenüber der az Aargauer Zeitung bestätigt, haben der Stiftungsrat und die Spitalleitung nach juristischen Abklärungen beschlossen, gegen den Entscheid der Aargauer Regierung Beschwerde zu führen.

«Wir sind grundsätzlich zufrieden mit der neuen Spitalliste», betont Beng. Die zweite Lücke: Die bariatrische Chirurgie sei jedoch ein Gebiet, für das sich das Spital Muri stark engagiert habe. «Gesamtschweizerisch rechnen wir auf diesem Gebiet mit einem Anstieg der Patienten. Wir hätten gerne an diesem Zukunftspotenzial partizipiert», unterstreicht Beng. Zudem wolle verhindert werden, dass Freiämter Patienten weit reisen müssen.

Zusammenarbeit von Bedeutung

Welche Konsequenzen hätte die Leistungsverschiebung der Adipositas-Chirurgie von Muri nach Baden für das KSB? «Wir hätten mehr Fälle in der bariatrischen Chirurgie. Heute unterziehen sich zirka 40 Personen Adipositas-Operationen im KSB. Mit den Fällen von Muri hätten wir insgesamt zirka 100», präzisiert Keusch. Mit Platzproblemen oder Investitionen in die Infrastruktur rechnet Keusch nicht.

Zusätzliches Personal? Ob Personal von Muri nach Baden wechsle, müsse allenfalls geprüft werden. «Hier wird die Frage nach der Entwicklung der Fallzahl relevant. Die Tendenz ist steigend, wir würden uns der Entwicklung anpassen.»

«Wir sind in Zusammenhang mit der Beschwerde Muris in Kontakt mit dem Operateur und dem Kreisspital», so Keusch. Nun bleibe nur das Warten auf den Entscheid. Für das KSB und das Kreisspital Muri sei die enge Zusammenarbeit von zentraler Bedeutung, damit die patientennahe Versorgung gewährleistet werden könne, sagt Keusch. «Mit Muri und anderen Partnern betreiben wir das Gesundheitsnetz Aargau Ost. Patienten sollen nicht unnötig reisen.»