In «L’Histoire du Soldat» verkörperte Isabel Karajan den Soldaten, den Teufel und alle anderen Figuren – sie spielte das Musiktheater in Personalunion.

Geschrieben hat das Stück der Westschweizer Charles Ferdinand Ramuz, die Musik dazu komponierte Igor Strawinsky. Aufgeführt wurde die deutsche Fassung von Hans Reinhart. Cristoforo Spagnuolo dirigierte dazu ein absolut souveränes siebenköpfiges Ensemble. Klaus Ortner führte Regie. Die Handlung: Der Soldat verkauft dem Teufel seine Geige – und damit seine Seele – für Reichtum; glücklich wird er mit diesem Handel nicht.

Stück für den Jahrmarkt

Isabel Karajan brillierte in sämtlichen Rollen. Prompt wechselte sie zwischen dem verführerischen Teufel und dem unbeholfenen Soldaten, zwischen Hochdeutsch und einem alemannischen Dialekt. Sie trug einen roten und einen braunen Strumpf, um die beiden Hauptrollen zu verdeutlichen.

Ihr Spiel war äusserst ausdrucksstark, was bisweilen komödiantischen Wert hatte. Im Voraus sagte sie gegenüber dieser Zeitung: «Strawinsky wollte ein Stück, das auf dem Jahrmarkt gegeben wird.» So wirkte das Theater auch gewissermassen spontan. Als sich Karajan in hysterischem Gelächter zu vergessen drohte, klopfte ihr Spagnuolo an den Kopf. Sie fasste sich. Und das Ensemble setzte ein. Musik und Schauspiel ergänzten sich bestens, bis zum lang anhaltenden Applaus.

Karajan löste das Versprechen ihres Namens ein. All dies präsentierten die Wettinger Kammerkonzerte nach der Pause. Vorher spielte Chouchane Siranossian solistisch. Passend zur «L’Histoire du Soldat», wo sie ebenfalls Violine spielte, führte sie Pietro Antonio Locatellis «Capriccio in D-Dur» und die «Teufelstriller-Sonate» von Giuseppe Tartini auf. Eigentlich für mehrere Instrumente geschrieben, arrangierte sie selbst eine Partitur für Solovioline.

Verblüfftes Publikum

Entsprechend anspruchsvoll war das Spiel, entsprechend verblüfft das Publikum. Siranossian bewies auch Humor: Als ihr versiertes Spiel durch ein Handyklingeln gestört wurde, unterbrach sie und spielte die bekannte Ruftonmelodie nach. Notabene auf der exakt richtigen Tonhöhe. Applaus!