«In Baden habe ich meine kreativen Wurzeln», sagt Winter, auch wenn er seit einigen Jahren in Zürich lebt. Nach Abschluss eines Schulmusiklehrer-Studiums, tourte er mit dem Kollektiv «Loungechic Productions» (er spielt Querflöte und Dudelsack), jobbte als Barkeeper in der einstigen Badener Traditionsbeiz «Seerose» und gab Musikunterricht.

Feuer und Flamme fürs Filmen

Weil er bei den Konzerten eng mit DJs zusammenarbeitete, wollte er sich in einer Ausbildung für Neue Medien mehr Kenntnisse in der virtuellen Programmierung aneignen. «Aber das war dann doch nicht meine Welt», meint Winter heute.

Stattdessen fing er Feuer für die Kunst des Filmemachens und schon sein erster Dok-Film «Abschied vom Gstühl» (2008/09) über ein kulturell lebendiges Badener Quartier, das zugunsten eines modernen Stadt-Konzeptes der Abrissbirne zum Opfer fiel, schlug hohe Wellen.

Seine Brötchen verdiente er sich weiterhin im Gastgewerbe. So landete er – wieder als Barmitarbeiter – vor vier Jahren bei Karl’s kühne Gassenschau.

Bald reifte in dem 37-jährigen gebürtigen Fricktaler die Idee für den Dok-Film «Mikrokosmos Gassenschau», der Einblicke hinter die Kulissen des heute gigantischen Spektakels gewährt, verschiedene Charaktere beleuchtet, die am Geschehen auf und hinter der Bühne beteiligt sind und in sehr persönlicher Art und Weise zeigt, wie sich das tägliche Zusammenleben in den Wohnwagencamps auf kleinstem Raum gestaltet.

Winter konnte sein Projekt als Koproduktion mit dem SF realisieren und erhielt Unterstützung vom Aargauer Kuratorium. Eineinhalb Jahre begleitete er die «Kühnen» mit seiner Kamera und genauso viel Zeit liess er sich bei der Montage.

Winter: «Weil ich lange vor Ort drehte, kam ich nahe an die Leute ran.» Es entstanden viele sehr persönliche Aufnahmen, die sonst in dieser Intimität nie an die Öffentlichkeit gekommen wären.

«Mikrokosmos Gassenschau»:
8. bis 14. August, jeweils 18 Uhr, Kino Sterk, Baden. Im September ist der Film im Kino Lichtspiel, Olten.