Baden
Kasperlis morbide Reise in die Arktis ist nicht für Kinder

Das Splätterlitheater «Schlachthuus Südpol» tränkt auch im «Royal» die Zuschauer zumindest in den vorderen Reihen in Kunstblut. Dies ist wohl sinnbildlich für die ungewöhnliche Kasperli-Aufführung.

Barbara Scherer
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Dieses Kasperlitheater ist alles andere als unbescholten
12 Bilder
Skurile Gestalten und viel Kunsblut erwartet die Zuschauer auf der Reise
In der Dunkelheit der Arktis geht es wild zu und her
Und der Eisbäñr frisst die letzte Puppe
Viel Kunstblut und Rabenschwarzer Humor
Manch seltsame Gestalt zieht es in Kasperlis Bar
Splätterlitheater Südpol
Die Schauspieler teilen sich die Bühne mit kopflos deprimierten und überambitionierte Kämpfe
Die Nihilistin singt ein Ständchen über den Tod
Alle wollen zum Südpol, des Ruhmes wegen oder einfach nur um zu Sterben
Die erste Reihe in diesem Theater wird mit Kunstblut und Pudding beworfen
Zum Schluss sind alle tot und der Kasperli ist wieder da

Dieses Kasperlitheater ist alles andere als unbescholten

Barbara Scherrer

«Tri, tra, tralala – hust, würg – en Moment bitte», sagt die Kasperlipuppe noch, bevor sie weiter hustet und würgt. Dieses Kasperlitheater ist von Anfang an nichts für Kinder. An diesem Freitagabend zieht der Kasperli nicht in die weite Welt für das Gute, sondern verkauft Alkohol und Zigaretten. Das Splätterlitheater «Schlachthuus Südpol» von Matto Kämpf nimmt die Zuschauer im Kulturlokal Royal mit auf eine makabre Reise.

Wagemutige in vorderster Reihe

Kunstblut, viel Kunstblut - das ist eine der Besonderheiten der trivialen Geschichte des Splätterlitheaters. Mit der Warnung «es spritzt Blut» wird den Gästen Einlass gewährt. So setzen sich auch im Badener «Royal» nur Wagemutige in die vordersten Reihen. Spätestens dann, wenn Pudding ähnliche Masse von der Bühne fliegt, holen sich aber auch die zähesten Gäste Sitzkissen zum Schutz.

Für alle anderen Gäste im Publikum bieten die hinteren Reihen Schutz und eine gute Sicht auf die skurrilen Gestalten auf der Bühne. In blaues Scheinwerferlicht getaucht nehmen drei Schauspieler mit Handpuppen die Zuschauer mit auf die wunderliche Fahrt an den Südpol.

Eine wilde Seefahrt

Auf der Suche nach der maximalen Challenge zieht es zwei Extremsportler in die Kälte, während die nihilistische Prinzessin und ihr kopfloser Begleiter nur sterben wollen. Der kleine gelbe Biologe mit dem süddeutschen Akzent möchte eigentlich nur die Fauna und Flora schützen und wird dummerweise unterwegs vom Hai verschluckt. Und der englische Lord mit seiner Magd möchte die Überlegenheit Grossbritanniens beweisen. Gegen Skorbut wird blutig überamputiert und der Letzte vom Eisbär aufgefressen.

Mit viel schwarzem Humor beginnt eine wilde Seefahrt. Nur wer nicht erfriert, von Fischen verdaut und von seinen Mitstreitern nicht ertränkt wird, erreicht das Ziel.

Die Erzählung startet trivial und endet mit viel schwarzem Humor, bleibt dabei aber immer banal. Im Mittelpunkt stehen die Spezialeffekte. Neben viel Blut kommen auch Stinkbomben und Lichteffekte zum Einsatz. Das Stück eignet sich mit seinem makabren Humor nicht für jedermann. So füllen sich die Sitzplätze im ehemaligen Kino denn auch nur spärlich. Trotz vieler Blutspritzer und weniger Besucher bleibt die Stimmung aber gelassen. Wer nicht mehr sitzen mag, holt sich gelassen Popcorn.

An der Bar schenken währenddessen dike Bardamen mit Kopfschusswunden und blutigen Würgeverletzungen lächelnd Getränke aus. Erst wenn der Kasperli aus dem Hintern des Eisbären wieder auftaucht, heisst es:» Tri, Tra, Talala, für hüt isch Schluss und Schlussdibus.»