Am Sonntagabend entdeckten Pierre Rudoni, Präsident des Fischereivereins Turgi-Siggenthal, und Bachobmann Christian Baumann in der Limmat die Katastrophe. Tausende von Jungfischen (Alet, Barben, Egli etc.) lagen verendet auf der Restwasserstrecke vor dem Kraftwerk Stroppel.

Womöglich auch anderswo

Der Rettungsversuch, einige Fische ins Fliessgewässer zu versetzen, blieb erfolglos. «Auf der BBC-Insel in Turgi dürfte es ähnlich gewesen sein, nur hat es niemand entdeckt», vermutet Bruno Pabst, der den Fischereiverein in der Limmatkommission vertritt. Dort wird das neuste Fischsterben sicher zu reden geben.

Die mutmassliche Ursache war rasch rekonstruiert. Am Sonntag hatte man den Zürichsee-Abfluss zweimal innert weniger Stunden um zehn Kubikmeter Wasser pro Sekunde zurückgefahren.

«Eigentlich ein normales Vorgehen, das auch dem Reglement nicht widerspricht», heisst es beim Elektrizitätswerk Zürich. Doch beim ohnehin niedrigen Wasserstand wirkte sich das weiter unten gravierend aus.

«Im untern Limmatbereich kam es zu einem Sunk von 35 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, was den Flusspegel im Restwasser um rund 70 Zentimeter reduzierte», sagt Pabst.

Man erwägt nun, gegen das EWZ eine Anzeige zu machen. Pabst: «Damit dürfte eine ganze Generation von Jungfischen vernichtet worden sein.»

Solche Fischsterben machen eine intensive Zuchtarbeit zunichte. Denn ohne Fischzucht wäre der Fischbestand in den Flüssen verschwindend klein. Ein weiterer Grund neben gefrässigen Fischreihern und Kormoranen ist das beim Einnehmen der Antibabypille via Urin ins Abwasser gelangende synthetische Östrogen.

Dieses wird in den Kläranlagen nicht abgebaut, gelangt in den Fluss und beeinträchtigt dort – wissenschaftlich nachweislich – die Fortpflanzung von Wasserlebewesen.

Limmatstrecke nicht fischtauglich

Träten irgendwo technische Störungen auf, so Edi Kuhn, Betriebsleiter der Limmatkraftwerke AG, sei es unvermeidbar, dass der Wasserstand falle. Problematisch werde es, wenn der Pegelstand – wie seit Februar der Fall – ohnehin niedrig sei.

Dass es den unteren Limmatabschnitt treffe, wo mit BAG und Stroppel gleich zwei Kanalkraftwerke Wasser abführen und das Flussbett dazu noch sehr breit ist, verwundere ihn nicht.

Bei der Schiffmühle soll darum ein Bachbett in den Fluss gelegt werden. Beim EWZ hätte man keine Probleme, wenn das Absenken der Wasserführung strenger reglementiert würde.