Einige der Stadtratskandidaten waren sichtlich angespannt, denn eine solche Form von Wahlkampf hatten noch die wenigsten mitgemacht. Vor dem Quartierladen «Chrättli» auf der Allmend wurden zehn lange Tische aufgestellt. Die Besucher des «Speed-Datings» verteilen sich auf die Plätze, die Stadtratskandidaten wechselten alle acht Minuten den Tisch. Eine ideale Möglichkeit für die Bürger, jedem der zehn Kandidaten für Badens Regierung Fragen zu stellen. Auch die «Schweiz am Wochenende» setzte sich an einen der Tische und hörte sich die kritischen Fragen an.

Andrea Libardi (FDP, neu) 

Ob sie als Stadträtin auch so oft Sitzungen absagen müsse wie im Einwohnerrat, wurde Andrea Libardi (FDP, neu) gefragt. «Stimmt doch nicht, ich hatte mit die meiste Präsenzzeit», entgegnete sie. Zur aktuellen Finanzlage sagte sie: «Ich bin gegen die 8-prozentige Steuererhöhung, aber Baden soll keine Dienstleistungswüste werden. Bei der Kultur zu sparen, bringt nichts; was uns das Genick bricht, sind die teuren Bauten.» Ihre Meinung zu Geri Müller? «Ein Stadtammann muss ein einwandfreies Auftreten haben.»

Regula Dell’Anno (SP, bisher)

Sozialvorsteherin Regula Dell’Anno (SP, bisher) stellte sich so vor: «Ich führe ein Ressort, für das man oft keinen Blumenstrauss erhält, aber ich finde die Arbeit irrsinnig interessant.» Ob sie befürworte, wenn ein gesunder Mensch freiwillig Sterbepillen schlucken dürfe? Mit dieser Frage hatte sie offenbar nicht gerechnet, sie überlegte, ehe sie sagte: «Den Willen des Einzelnen gilt es zu berücksichtigen.» Warum sie nur Vizeammann, nicht aber Frau Stadtammann werden wolle? «Es passt nicht in meinen Lebensplan. Ich geniesse es, meine Insel zu haben und ab und zu sagen zu können, ich bin jetzt mal weg.» Aber es würde sie freuen, als Vizeammann mehr Verantwortung übernehmen zu können.»

Philippe Ramseier (FDP) 

Philippe Ramseier (FDP) der neu Stadtrat und Vizeammann werden will, erklärte:
«Ich würde als Stadtrat nach dem Grundsatz handeln, den ich auch meinen fünf Kindern mit auf den Weg geben werde: Man sollte nicht mehr Geld ausgeben, als man einnimmt. Es muss nicht alles vergoldet werden.»

Markus Schneider (CVP)

«Gefällt Dir ästhetisch, wie sich die Stadt entwickelt hat?», wurde Stadtammannkandidat Markus Schneider (CVP) gefragt, amtierender Vorsteher des Ressorts Planung und Bau. «Die Weite Gasse ist extrem schön. Ich hoffe, sie erhält noch mehr Platzcharakter, wenn keine Busse mehr durchfahren. Den Schulhausplatz wird man erst beurteilen können, wenn der Abgang vom Cordula-Platz zur Unterführung fertig ist. Der Trafo-Platz müsse sich noch entwickeln, gab er einer Kritikerin teilweise recht.

Ruth Müri (team) 

Bildungsvorsteherin Ruth Müri (team) wurde gefragt, ob Baden wirklich so dringend neue Schulhäuser brauche. «Ja unbedingt. Gerade in die Innenstadt ziehen vermehr Familien.» Was mit dem leerstehenden Neubau passiere, wo die International Business School ihren Sitz hatte, wollte jemand wissen. «Leider eignet es sich nicht für die Volksschule, die Schulzimmer sind zu klein, und das Verhältnis von Gängen zu Schulzimmern ist nicht gut.»

Im Moment plane die Eigentümerin, Alterswohnungen zu errichten. Zur Kritik, die Stadt mache viel zu wenig beziehungsweise gar nichts für die Start-Up-Förderung, sagte sie: «Stimmt nicht, die Stadt macht viel, und die Start-Up-Förderung ist auch Sache des Kantons.»

Sandra Kohler (parteilos, neu)

Ob ihre Kandidatur auch ein wenig eine emotionale Angelegenheit sei, weil sie die erste Frau Stadtammann werden könnte? Ja, es gebe auch den Spruch, dass Aarau gegenüber Baden diesbezüglich die Nase vorne habe, sagte Sandra Kohler (parteilos, neu). Gefragt nach einer konkreten Vision für die Stadt, sagte sie: «Baden hat seine Wurzeln im Bäderquartier. Ich wünsche mir, dass Baden wieder eine Bäderstadt, eine Kurstadt wird.» Was sie konkret anders machen würde als neue Frau Stadtammann? «Erstens mit den Nachbargemeinden auf Augenhöhe diskutieren und nicht mehr von oben herab. Zweitens sind Treffen mit Vertretern der Wirtschaft Chefsache und nicht Beamtensache.»

Matthias Gotter (CVP, bisher)

Sicherheitsvorsteher Matthias Gotter (CVP, bisher) sagte: «Spannend an diesem Ressort ist, dass man nicht alles planen kann, sondern reagieren muss.» Zum Vorwurf, an der Badenfahrt sei die Polizei zu wenig präsent gewesen, sagte er: «Wir hatten auch dank der Zusammenarbeit mit der Repol eines der grössten Dispositive, die es im Aargau je gab.» Es sei anders gefeiert worden als vor zehn Jahren: «Die Leute sind provokativer, rastloser, unruhiger, aggressiver geworden. Das spürte die Polizei unmittelbar.»

Erich Obrist (Parteilos, bisher)

Erich Obrist (Parteilos, bisher) wurde in eine Diskussion über die angeblich seelenlosen Bauten und Plätze in Baden verwickelt. «Ich habe genug davon, dass die Stadt schlecht geredet wird. Der neue Schlossbergplatz gefällt mir sehr, und ich finde auch den Theaterplatz schön.» Dieser sei gerade im Sommer sehr belebt. Er erhielt von einer Dame noch ein Kompliment für seine Frisur: «Kompliment ihrem Coiffeur.»

Geri Müller 

Ob ihn die Bevölkerung noch unterstütze, wurde der amtierende Stadtammann Geri Müller gefragt: «Ich habe gute Feedbacks erhalten und darum ein sehr gutes Gefühl.» Es laufe sehr gut in Baden, «alle wollen hierher, Private und Firmen». Gegen diese Aussage würden die Städterankings sprechen, in denen Baden zurückgefallen sei, sagte eine Frau. «Das mit den Rankings ist so: Wir sind bis auch die Sicherheit in allen Aspekten sehr gut eingestuft», sagte Müller.

Karin Bächli (SP, neu)

In einem bekannten Ranking werde die Sicherheit anhand von drei Merkmalen gemessen: Erstens die Anzahl Verbrechen – hier schneide Baden gut ab; zweitens die Nähe zum Spital – Baden haben eines. Drittens die Nähe zu Atomkraftwerken, das wirke sich negativ aus. 
Karin Bächli (SP, neu) kam als letzte an den Tisch – sie sei seit 16 Jahren im Einwohnnerrat, sagte sie, ehe sie wissen wollte, wer alles am Tisch sitze. Als alle geantwortet hatten, blieb für Fragen an die Kandidatin keine Zeit mehr.