Baden
Kein dickes Buch, sondern ein identitätsstiftendes Dokument – und Lesestoff für die Bevölkerung

Mit den Dättwiler Dokumenten XIV tritt Antoinette Hauri aus der vordersten Reihe der Chronikgruppe zurück. Eines der letzten Mitglieder aus der Gründungszeit tritt zurück. «Ich war immer mit Herzblut dabei», erzählt sie.

Roman Huber
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Antoinette Hauri engagierte sich seit der ersten Ausgabe 1994 für die «Dättwiler Dokumente». Sie wollen keine akademischen Abhandlungen sein, sondern Lesestoff für die Bevölkerung. AZ-Archiv

Antoinette Hauri engagierte sich seit der ersten Ausgabe 1994 für die «Dättwiler Dokumente». Sie wollen keine akademischen Abhandlungen sein, sondern Lesestoff für die Bevölkerung. AZ-Archiv

Nicht weniger als 14 «Dättwiler Dokumente», von der Themenwahl bis zur Vernissage, erlebte Antoinette Hauri mit. Sie war von Beginn weg dabei und wirkte viele Jahre in der Leitung der Chronikgruppe. Jetzt, mit 72, möchte sie sich etwas entlasten. Nach den Dokumenten XIII «Wohnen, Waldrand, Tempo 30», die sich der neueren Entwicklung von Dättwil widmen, lauten die Schlagwörter der Nummer XIV «leben – transportieren – produzieren». Die Beiträge handeln vom Stationsgebiet, dem kleinen Bahnhof, der Entwicklung des Verkehrs, des Gewerbegebiets und des dortigen Wohnens im vergangenen Jahrhundert, wobei das Thema «Galgenbuck» ebenso in die Zukunft weist. Für Antoinette Hauri, Co-Leiterin der Chronikgruppe, schliesst sich hiermit der Kreis, denn 1994, zwei Jahre nach der Gründung der Chronikgruppe, ging es beim ersten Dokument um die «Täfern».

Seit der Gründung dabei

Das Ende der Wirtschaft Täfern sowie die Erinnerungen von Zeitzeugen im Stationsgebiet, die über früher und die Entwicklung erzählen, bildete den Anlass dazu. Illustriert sind die Dokumente XIV mit spannenden Fotografien. Es geht einmal mehr um Identität. «Identität entwickelt sich nicht nur aus dem Hier und Jetzt, sondern auch aus der Geschichte. Dafür danke ich der Chronikgruppe Dättwil», so das Testimonial von Stadtrat Erich Obrist, gebürtiger Dättwiler, der seit Beginn für die Gestaltung der Titelseite verantwortlich zeichnet.

Antoinette Hauri ist eines der letzten Mitglieder aus der Gründungszeit. Sie erinnert sich gut, als 1992 die Dorfvereinspräsidentin und spätere Stadträtin Ruth Blum zusammen mit Eugen Kaufmann das Projekt der Chronikgruppe vorgestellt hatte. Dem Aufruf nach ehrenamtlichen Mitarbeitenden sei sie sofort gefolgt, erzählt sie. Damit hatte die drei Jahre ältere Chronikgruppe Rütihof eine schlagkräftige Schwester in Dättwil gefunden. Zufall war diese Gründung nicht, denn der Rütihöfler Peter Meier und Eugen Kaufmann kannten sich von der katholischen Kirchenpflege. Beide sind inzwischen verstorben.

Werke der Chronikgruppe

Bisher erschienene Dättwiler Dokumente (in Auswahl)

- Dättwiler Dokumente I (1994): Täfern-Album (Marcel Giger, Antoinette Hauri, Eugen Kaufmann, Erich Obrist)

- Dättwiler Dokumente II (1995): Euses Dorf (Ernst Obrist)

- Dättwiler Dokumente III (1997): Milchbüechli (Eugen Kaufmann)

- Dättwiler Dokumente IV (1998): Dättwil – seine Frühgeschichte und seine reformierten Wurzeln (Immanuel Leuschner)

- Dättwiler Dokumente VI (2001): Hab oft im Kreise der Lieben… Dättwil und seine Chortraditionen (Antoinette Hauri)

- Dättwiler Dokumente VIII (2004): Tafelfreuden am historischen Strassenkreuz – Die Pinte zu Dättwil

- (Antoinette Hauri)

- Dättwiler Dokumente IX (2005): Dättwil lässt grünen (Eugen Kaufmann)

- Dättwiler Dokumente XII (2010): Milch – Brot – Most. Zum Gut Hochstross und seinem Sodbrunnen

- Dättwiler Dokumente XIII (2015): Wohnen, Waldrand, Tempo 30 (Antoinette Hauri, Alfons Müller, Bruno Meyer, Walter Voegeli)

Lektüre für die Identität

Es sollte kein dickes Buch werden, sondern ein identitätsstiftendes Dokument, geschaffen für die Bevölkerung, welche die Vergangenheit ihres Wohnortes näher kennenlernen soll, habe Kaufmann zu Beginn gesagt. So sei bald der Name «Dättwiler Dokumente» geboren gewesen, erzählt Antoinette Hauri. «Damit diese etwas gediegen daherkommen, wurden sie mit römischen Zahlen nummeriert und professionell gestaltet.»

Die Aufgabe habe sie fasziniert: Nicht eine wissenschaftlich-historische Abhandlung für akademische Kreise erstellen, sondern Lesestoff für die Bevölkerung, im Dorf recherchieren und den Kontakt Alt-Dättwiler und -Dättwilerinnen aufnehmen und sie über die Vergangenheit befragen, sagt Hauri. Antoinette Hauri erinnert sich, wie sie vor 44 Jahren als Mutter den Kinderwagen durch das Dorf gestossen, Leute angesprochen und als Neubewohnerin im Rüteli ihre ersten Dättwiler Gespräche führte. Heute fühle sie sich nicht zuletzt durch die Chronik-Arbeit als Fast-Dättwilerin.

Nebst den Dokumenten, die an den Vernissagen gebührend gefeiert wurden, hat die Chronikgruppe Informationstafeln organisiert und Dorfrundgänge auf die Beine gestellt. Da geht es jeweils um Geschichte vor Ort. Und vor vier Jahren stellte die Chronikgruppe zur Dauerausstellung Geschichte ‹verlinkt› im Historischen Museum Baden eine Bild-Schau zu Dättwil zusammen.

Immer mit Herzblut dabei

«Ich war immer mit Herzblut dabei», sagt die Phil-1erin, die von der Altphilologie herkommt (ihre Doktorarbeit befasste sich mit lateinischen Gebäcksbezeichnungen). «Das Recherchieren im Dorf machte mir grossen Spass», erzählt Hauri. So stiess man auch auf die eine oder andere Fotosammlung mit aussergewöhnlichen Aufnahmen, welche die Chronik-Arbeit bereichern.

«Es ist ein lustbetontes Arbeiten, auch wenn Termine eingehalten werden müssen und seriöse Arbeit verlangt ist.» Weil sie sich gewohnt war, genau zu arbeiten, habe sie oft den Gang ins Staatsarchiv oder ins Stadtarchiv angetreten. Dadurch hätten sich wertvolle Kontakte ergeben, so mit Badens Stadtarchivar Andreas Steigmeier, der für die Arbeit der Chronikgruppe nur lobende Worte findet.

«Inhaltliche Fehler haben sich dennoch eingeschlichen. Diese müssen korrigiert werden», ist für sie klar. Und es kamen neue Fakten dazu. Deshalb wird sie sich nicht ganz von den Dättwiler Dokumenten verabschieden. Und dann wartet noch ein Stück Archivierungsarbeit.

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