Das Aus des «Nordportal» ist abgewendet: Auch nach Ablauf der Schonfrist Ende Jahr wird das beliebte Badener Kultur- und Eventlokal weiterbestehen – wenn auch mit neuer Ausrichtung. Doch der Reihe nach: Gross war der Aufschrei im Sommer 2017 in der Badener Kulturszene, als bekannt wurde, dass die Stadt den Leistungsvertrag mit dem «Nordportal» auf Ende 2017 nicht mehr erneuern wollte. Das hätte das Aus des «Nordportal» bedeutet. Denn damit hätten ihm nicht nur 60 000 Franken Förderbeiträge gefehlt, sondern auch die Mietkosten inklusive Nebenkosten in Höhe von jährlich 180'000 Franken wären durch die Stadt nicht mehr gedeckt gewesen.

Auf Druck der Kulturschaffenden entschied sich der Stadtrat aber, die Subventionen (abzüglich der Förderbeiträge) noch bis Mitte 2018 zu leisten, «damit die Betreiber sich auf den Wegfall der Fördergelder einstellen und Alternativen finden können». Weil dies nicht gelang, wurde die Schonfrist im Sommer ein letztes Mal bis Ende dieses Jahres verlängert. Dadurch entgingen der Stadt nochmals Mieteinnahmen von rund 80'000 Franken.

Stillschweigen über neue Miete

Und doch scheint es, hat sich der Aufschub gelohnt. Denn die Stadt und die bisherige Betreiberin, die Kailua GmbH, haben sich gefunden und auf Anfang 2019 einen neuen Mietvertrag abgeschlossen. «Man kann von einer Win-win-Situation sprechen», sagt der zuständige Stadtrat und Vorsteher Immobilien Philippe Ramseier (FDP). Auf der einen Seite sei die Stadt froh – sowohl aus kultureller wie auch aus finanzieller Sicht –, bleibe das Kultur- und Eventlokal Nordportal als öffentlich zugänglicher Veranstaltungsort erhalten. Auf der anderen Seite habe nun die bisherige Betreiberin die Möglichkeit, ihre erfolgreiche Arbeit der letzten 13 Jahre fortzusetzen.

Bisher betrug die Miete samt Nebenkosten rund 180'000 Franken pro Jahr. Bezahlt wird sie bis Ende Jahr von der Abteilung Kultur. Über die neuen Mietkonditionen ab 2019 halten sich sowohl die Stadt wie auch die Betreiber bedeckt. Ramseier sagt nur so viel: «Es gibt keine versteckten Subventionen. Die Betreiber zahlen künftig eine Sockelmiete, die sich an den Marktpreisen orientiert. Unser Ziel ist es ganz klar, hier eine marktfähige Institution aufzubauen, die selbsttragend ist.» Sockelmiete bedeutet eine Basis-Miete, die Mieteinnahmen können aber höher auffallen, sollte das «Nordportal» grössere Umsätze als prognostiziert erzielen. «Somit würde auch die Stadt als Vermieterin am Erfolg des Kulturlokals partizipieren.»

Doch gab es überhaupt andere Interessenten an den Räumlichkeiten des «Nordportals»? «Natürlich hat es sich in der Branche herumgesprochen, dass das ‹Nordportal› eventuell zu mieten wäre, und es wurde auch von verschiedener Seite Interesse bekundet», sagt Manfred Schätti, Leiter Immobilien bei der Stadt Baden.

Doch letztlich sei auch er erfreut, dass das «Nordportal» weitergeführt werden könne. «Damit ist für Kontinuität gesorgt.» Ramseier und Schätti sind beide überzeugt, dass es richtig war, die Zwischennutzung um ein halbes Jahr auf Ende 2018 zu verlängern, auch wenn dadurch der Stadt Mieteinnahmen von rund 80 000 Franken entgingen. Ramseier: «Erstens hat das den Betreibern die nötige Zeit gegeben, ein neues Konzept auf die Beine zu stellen. Und zweitens wäre es nicht realistisch gewesen, nahtlos auf Sommer 2018 einen neuen Mieter zu finden. Ein Leerstand und ein eingestellter Betrieb wären die Folge gewesen.»

Kulturförderung trotz Kommerz

Betrieben wird das «Nordportal» weiterhin von Geschäftsführer Clive Hupf, der seit 2005 für die Geschicke des Event- und Kulturlokals verantwortlich zeichnet. Unterstützt wird er von Maik Strassl und Clemens Hauser. Auch Hupf zeigt sich erleichtert, dass er «sein Baby», wie er das «Nordportal» nennt, weiterbetreiben kann. Dabei denkt er nicht zuletzt auch an die rund 65 Mitarbeitenden, die bei einem Aus des «Nordportal» auf der Strasse gestanden wären.

Hupf macht aber kein Geheimnis, dass sich das «Nordportal» mit wegfallender Subvention neu ausrichten muss. «Das ‹Nordportal› wird künftig kommerzieller. Es wird sicher mehr Partys und Vermietungen an Veranstalter geben.» Doch obwohl mit dem Wegfall der Subventionen auch der Leistungsauftrag zur Kulturförderung zwischen Stadt und «Nordportal» hinfällig wird, wird es weiterhin eine Plattform für Kulturförderung geben. Denn neu ist ein Nutzungsrahmen vorgegeben. «So muss das Nordportal weiterhin und regelmässig öffentlich genutzt werden können und steht weiter als Plattform für die von der Stadt geförderten Kulturinstitutionen und – veranstalter zur Verfügung», sagt Schätti.

Aufstrebende Jungunternehmer nach Baden locken

Clive Hupf glaubt daran, dass das «Nordportal» auch im harten Wettbewerb bestehen kann. Das «Nordportal» sei im Tourplan vieler Bands eine fixe Grösse. «Von vielen Bands und Künstlern hören wir immer wieder, dass wir hier sowohl von der Akustik wie auch von der Atmosphäre ein Juwel haben. Darauf bauen wir auf.» Trotz neuer Ausrichtung sollen auch die kleineren Anlässe – allen voran im angrenzenden «Fjord» – weiter ihren Platz haben.

Um aber künftig finanziell wirklich auch auf eigenen Beinen stehen zu können, sind bereits weitere Ideen angedacht. So soll das Gastronomie-Angebot im «Fjord» über Mittag ausgebaut werden. Und auch tagsüber soll im «Nordportal» künftig Betrieb herrschen. «Wir sehen Möglichkeiten im Bereich der privatwirtschaftlichen Start-up-Förderung», sagt Hupf. Dabei denke er etwa an Co-Working-Spaces. Stadtrat Ramseier ist von den Ideen angetan: «Auf dem Areal Baden Nord ist heute schon sehr viel Betrieb. Es wäre sehr wünschenswert und eine grosse Chance, wenn wir hier aufstrebende Jung-Unternehmer nach Baden locken könnten.»

Patrick Nöthiger, Leiter der Abteilung Kultur, zeigt sich ebenfalls erfreut über Lösung. «Für uns ist wichtig, dass die kulturelle Plattform trotz Sparauftrag erhalten werden konnte.» Natürlich bedeute die Neuausrichtung des «Nordportal» aus kultureller Sicht auch ein Verlust. «Aber unter dem Strich und im Kontext des Sparauftrags haben wir jetzt das Bestmögliche herausgeholt», ist Nöthiger überzeugt.