Trotzdem zuerst zur Wahl des neuen Stadtammanns. Vor sieben Jahren fiel es an dieser Stelle einiges leichter, mit Stephan Attiger eine klare Empfehlung abzugeben. Auch das az-Podium vom 13. Dezember brachte nur insofern Klarheit, dass die Entscheidung zwischen Roger Huber, Geri Müller und Markus Schneider fallen wird. Sander Mallien lässt sich schwerlich einordnen; mit ihm hätte Baden eine politische Wundertüte als Stadtammann. Mit Geri Müller käme zweifellos eine politische Figur von nationaler Bekanntheit ans Ruder. Trotz seines ideologischen Hintergrundes überrascht er wiederholt mit einer liberalen Haltung. Wie weit sein Berner Netzwerk Baden nützlich wäre, ist von sekundärer Bedeutung. Relevant ist vielmehr die Frage, ob sich neben einem Nationalratsmandat das Badener Stadtammannamt bewältigen lässt. Müller glaubt ja. Diese Vorstellung kann hier nicht geteilt werden.

Huber oder Schneider? Das wäre folglich die Frage – selbst wenn Müller im ersten Wahlgang das beste Resultat erzielen würde. Huber bringt mehr Exekutiverfahrung und als Anwalt Verhandlungsgeschick mit. Schneider überzeugte an der Podiumsdiskussion durch seine ruhige, klare Art. Huber ist jedoch mehr Durchsetzungsvermögen zuzutrauen. Er ist ausserdem vernetzter und hat nebst seiner Partei noch die SVP hinter sich, während Schneider im ersten Wahlgang zumindest nur auf die CVP und diejenigen Mitte-Links-Wählerinnen und -Wähler zählen kann, die weder Müller noch Mallien ihre Stimme geben werden.

Unter dem Strich und in Anbetracht der Tatsache, dass es auf jeden Fall zu einem zweiten Wahlgang kommen wird, hat Roger Huber die besten Karten. Er dürfte im ersten Wahlgang mehr Stimmen als Schneider holen. Somit würde er als bürgerlicher Kandidat gegen Geri Müller in die Endausmarchung geschickt. Müllers Chancen werden in einem zweiten Wahlgang sinken. Da er sich dessen bewusst sein dürfte, wäre es durchaus möglich, dass Müller beim zweiten Durchgang gar nicht mehr antreten könnte. Dann wäre plötzlich Schneider gegen Huber in einer komfortableren Position.

Der Stadtammann ist zweifellos der wichtigste Mann in Baden. Dennoch ist die Ersatzwahl in den Stadtrat – wie eingangs erwähnt – nahezu wichtiger. Warum? Ganz einfach: Der Stadtammann ist zwar der Profi im Stadtrat, und doch ist er nur «primus inter pares», zu Deutsch «der Erste unter Gleichen». Massgebend im Siebnergremium des Stadtrats ist die Abstimmungsmehrheit, wenn in einer Sache der politische Kurs entscheidend ist. Heute ist die Mehrheit im Stadtrat mit 4 zu 3 Stimmen bürgerlich. Die bürgerliche Mehrheit hat hier Tradition. Und bürgerlich ist Baden in den vergangenen 20 Jahren stets gut gefahren. Es besteht also kein Grund, an dieser Konstellation etwas zu ändern.

Zu recht kann man dem entgegenhalten, dass Exekutivwahlen stets Persönlichkeitswahlen sind. Die FDP erhebt Anspruch auf ihren zweiten Sitz und hat Peter Courvoisier nominiert. Auch das team (mit den Grünen) stellt Anspruch auf ein zweites Stadtratsmandat und schickt Ruth Müri ins Rennen. Nicht zu vergessen Sander Mallien, der auch für den Stadtrat kandidiert und seit 2010 im Einwohnerrat ist. Zwei Ratsjahre mehr kann Courvoisier vorweisen, der eher als stiller Schaffer gilt. Den grössten politischen Rucksack bringt Ruth Müri mit, ehemalige Ratspräsidentin, 17 Jahre Einwohnerrat, heute Präsidentin des team baden. Mallien wird allerdings Müri Stimmen wegnehmen. Kommt es – wie anzunehmen – zu einem zweiten Wahlgang, könnte es für Courvoisier dann brenzlig werden, wenn Mallien zugunsten von Müri nicht mehr antreten würde.

Warum soll Baden das Abenteuer eingehen und eine Links-Regierung im Stadtrat herbeiführen, wenn man mit Peter Courvoisier eine gute bürgerliche Wahl hat? Mit Müri hätte Baden eine Links-Regierung, mit bürgerlich dominiertem Parlament, das ein Stimmvolk mit bürgerlicher Mehrheit vertritt. Diese Konstellation könnte sehr bald den politischen Prozess lähmen. Eine Stadt, die sich traditionell durch Dynamik und Fortschritt auszeichnet, wäre mit einer Oppositionsregierung in ihrer Entwicklung gehemmt. Dafür gibt es in der Schweiz wie im Ausland einige Beispiele.

Es besteht kein Grund, an der bürgerlichen Mehrheit etwas zu ändern, denn mit den laufenden wie den geplanten Massnahmen und Projekten werden die politischen Bedürfnisse in ihrer gesamten Breite berücksichtigt: im Wohnbau (Wohnbaustiftung), bei der familienergänzenden Betreuung, im Bereich Schulbau und Schulentwicklung, im Verkehr (Projekte Baden Zentrum) oder in der Entwicklung (BNO), in der Kultur (neue eigene Abteilung), der Jugendkultur (Projekt alte Schmiede) und mit einer ebenso nachhaltigen wie prosperierenden Stadtentwicklung, wie sie im neuen Planungsleitbild 2014 definiert wird.

Die Wahlen werden wohl erst am 3. März mit dem zweiten Wahlgang entschieden. Es ist bei der jetzigen Konstellation nicht davon auszugehen, dass jemand im ersten Wahlgang das absolute Mehr erreichen wird, das heisst mehr als die Hälfte der eingegangenen Stimmen. Der Stadt Baden steht also ein langer Wahlwinter bevor.