Baden
Kein Kindergarten im Schützenhaus

Der Stadtrat begräbt die Ideen von Karin Bächli (SP), aus dem Schützenhaus einen Kindergarten oder ein Kulturzentrum zu machen. Nun wird ein Investor für das Gebiet gesucht.

Martin Rupf
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Das Schützenhaus Belvédère steht unter kantonalem Schutz und darf deshalb nicht abgerissen werden.

Das Schützenhaus Belvédère steht unter kantonalem Schutz und darf deshalb nicht abgerissen werden.

Walter Schwager

Wo bis vor rund zehn Jahren noch scharf geschossen wurde, hätten dereinst Kinder in den Kindergarten gehen können. So zumindest regte dies SP-Einwohnerrätin Karin Bächli letzten Sommer mit einem Postulat an. Alternativ sei auch eine Nutzung als Kulturraum zu prüfen. Bächli schlug vor, die Stadt könne das Schützenhaus doch im Baurecht übernehmen und einer öffentlichen Nutzung zuführen.

Davon nimmt der Stadtrat in seiner Antwort an den Einwohnerrat aber Abstand. Begründet wird die abschlägige Antwort in erster Linie mit dem fehlenden Bedarf. So werden im Rahmen der Schulraumplanung die beiden Kindergärten St. Ursus und Allmend erweitert und mit Tagesstrukturen ergänzt. Vorteil dieser Variante: Die Wege sind so für viele Kindergärtler kürzer als beim Standort Schützenhaus.

Auch ein Bedarf für eine dauerhafte kulturelle Nutzung sei nicht gegeben, so der Stadtrat. Dies nicht zuletzt, als bei der Alten Schmiede der Einbau von Kulturräumen geplant sei. Hingegen soll das Schützenhaus weiter, und solange als möglich, kulturell zwischengenutzt werden können – heute nutzt etwa die Jungwacht Baden die Räume für einen Kulissenbau.

Selbst wenn der Stadtrat den Bedarf gesehen hätte, so hätten es Karin Bächlis Ideen schwer gehabt. Denn in Anbetracht der Investitionen, die auf die Stadt zukommen, sind dem Stadtrat die errechneten Kosten von 3,9 Mio. Franken (Grundstück und Sanierung) zu hoch.

40 Wohnungen sind geplant

Und zu aller Letzt sieht der Stadtrat vor allem deshalb davon ab, das Schützenhaus zu kaufen, weil es Teil eines seit Anfang Juni rechtsgültigen Gestaltungsplans ist. 2007 kauften die Ortsbürger das Schützenhaus der Stiftung Belvédère ab und verfügten somit über 14 000 Quadratmeter Bauland zwischen Kennelgasse und Allmendstrasse. 2008 wurde ein Ideenwettbewerb als Augangslage für die Ausarbeitung eines Gestaltungsplans lanciert. Aus diesem ging das Projekt «Baumhütte» der Zürcher Architekten Robert Azzola und Thomas Durisch als Sieger hervor. Weil aber der Kanton in der Zwischenzeit das Schützenhaus unter Denkmalschutz stellte, musste das Projekt angepasst werden; das Schützenhaus muss stehen bleiben.

Der Gestaltungsplan Belvédère ermöglicht den Bau von sieben Gebäuden mit rund 40 Eigentumswohnungen. «Das heisst aber nicht, dass das Siegerprojekt auch zur Realisierung kommt», präzisiert Monika Greber, Projektleiterin bei der städtischen Abteilung Entwicklungsplanung. Aber selbstverständlich sei das Siegerbüro eingeladen, beim geplanten Auswahlverfahren teilzunehmen.

Vorgesehen ist, dass die Ortsbürgergemeinde das Bauland – eine der letzten grossen Baulandreserven der Stadt in Zentrumsnähe – im Baurecht an einen Investor abgibt. «Die Investorensuche, die sich an Architekten und Investoren richtet, wird im August öffentlich ausgeschrieben», sagt Greber. Geri Müller, Stadtammann und in dieser Funktion auch Präsident der Ortsbürger, ergänzt: «Sobald der Investor feststeht, ist es ihm überlassen, wie er das Schützenhaus im Rahmen des Gestaltungsplans nutzen will.» Dieser lässt im Gebäude wohnen, nicht störende Dienstleistungsbetriebe und öffentliche Nutzungen zu. Müller betont: «Bei der Suche nach einem geeigneten Investor werden wir natürlich darauf achten, dass die gute Wohnqualität erhalten bleibt und die neuen Bauten einen guten Bezug zur Umgebung aufweisen.»

Postulantin Karin Bächli kann einerseits die Haltung des Stadtrates nachvollziehen. Andererseits bedauert sie «im Hinblick auf den Generationenwechsel auf der Allmend» dass es die Stadt verpasst habe, sich dieses Gebäude zu sichern. «Nun hat es der künftige Investor in der Hand, was mit dem Schützenhaus passiert.»