Kloster Fahr

Kein Marsch der katholischen Frauen für Gleichberechtigung

Priorin Irene Gassmann, Kloster Fahr: «Der Sternmarsch war als Startschuss der Kampagne gedacht.»

Priorin Irene Gassmann, Kloster Fahr: «Der Sternmarsch war als Startschuss der Kampagne gedacht.»

Mit der Kampagne «We are the Change» kämpfen katholischen Frauen weltweit für Gleichberechtigung. Der Start für die katholische Herzensangelegenheit verlief harzig: die erste Aktion wurde abgesagt.

Am Sonntag stand der Internationale Frauentag an. Seit über hundert Jahren erinnern am 8. März jeweils Kundgebungen an die noch nicht vollständig durchgesetzte Gleichstellung der Geschlechter. Mit demselben Anliegen stehen weltweit auch vermehrt Frauen aus katholischen Kirchenkreisen zusammen: «We are the Change – wir sind die Veränderung» ist eine globale Kampagne, die im vergangenen Jahr ins Leben gerufen wurde. Die Bewegung hat ihren Ursprung im ebenfalls 2019 gegründeten Netzwerk Catholic Women’s Council. Mitglied dieser global agierenden Gruppierung ist Priorin Irene Gassmann vom Kloster Fahr.

Die erste Aktion der Kampagne fiel nun kurzfristig dem Corona-Virus zum Opfer. Am 8. März hätte ein Sternmarsch von unterschiedlichen Orten aus zur katholischen Kirche Felix und Regula in Zürich führen sollen. Zwei Routen waren im Limmattal geplant; ein Start war beim Kloster Fahr vorgesehen, ein zweiter Start derweil in Birmensdorf.

«Zum ersten Mal hätten wir uns in dieser Form am Internationalen Frauentag beteiligt. Dies war als Startschuss der Kampagne gedacht», sagt Priorin Irene Gassmann. Sie nimmt die Absage aber gelassen: «Manchmal ist es so, dass solche Barrieren die Kreativität ankurbeln, sodass noch Besseres entstehen kann.» Folgeveranstaltungen seien erwünscht, nur in welcher Form sei noch offen. Ein globaler Tag sei kraftvoller, verbinde und ermutige.

Gemeinsamer Nenner: Die Würde der Frau

Die Dachgruppe Catholic Women’s Council strebt das Ziel an, die vielen einzelnen Initiativen, die teilweise unterschiedliche Ziele verfolgen, zusammenzuführen und die Kräfte zu bündeln. Der Zusammenschluss liegt in früheren gestarteten Initiativen wie «Maria 2.0» oder «Junia». Im Hintergrund agiert zudem der Verbund Voices of Faith. Bei diesem laufen die Fäden zusammen. Dieser versucht mit Hilfe von Veranstaltungen, Konferenzen und internationalen Netzwerkgruppen katholische Frauen in Entscheidungspositionen innerhalb der Kirche auf lokaler und globaler Ebene zu bringen. Der gemeinsame Nenner aus allen Verbindungen bleibt somit die Gleichstellung und Würde der Frau in der katholischen Kirche.

Eine Welt, die von den Männern gemacht wird

Einen Weg des Sternmarsches von Birmensdorf aus hätte die Zuger Theologin Regula Grünenfelder begleitet. «Das Anliegen und die Energie für eine römisch-katholische Kirche mit gleichen Rechten und gleicher Würde bleibt trotz der Absage bestehen», sagt sie. Ihr sei der 8. März ein grosses Anliegen mit globaler Bedeutung. Sie verweist auf das kürzlich erschienene Buch «Unsichtbare Frauen. Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert» der Autorin Caroline Criado-Perez. Dieses zeige mit wissenschaftlichen Daten auf, wie männerorientiert gesellschaftliche Fragestellungen bis heute behandelt werden. «Zum Beispiel ist es kein Zufall, dass sich vor Frauentoiletten Schlangen bilden.

Wir leben immer noch in einer von Männern gemachten Welt, und das hat verheerende Konsequenzen für Frauen», sagt sie. Sie habe auch miterlebt, wie geflüchtete Frauen sich diesem ungleichen System beugen müssten. «Die Integration kann mit der Frage der Unterbringung und Chancen auf Bildung bei Frauen nur verzögert stattfinden.»

Das seien die grossen Zusammenhänge, für die sich der Einsatz lohne. Als Theologin gehöre sie ausserdem einem System an, in dem in Zeiten der Missbrauchskrise gleiche Rechte und gleiche Würde von Frauen so dringend wären.

Sie gehört deshalb zu den Initiantinnen des Catholic Womens’ Council «Die Notwendigkeit der Mitwirkung in allen Funktionen ist weltweit notwendig, und wir können sie theologisch begründen», sagt sie. Zudem wäre die Kirche ohne Frauen leer. Es stimme nicht, dass Frauen in anderen Weltgegenden dem ungleichen System begeistert zustimmten. Frauen auf der ganzen Welt würden unter Abwertung und Ausgrenzung leiden. «Dass wir Frauen unsere Arbeit in der Kirche gut machen können, dafür braucht es Veränderung.» So könne und werde es nicht weitergehen, betont sie. «Auch in der Kirche ist das Pa­triarchat zu Ende.»

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