Niemand will über Pflastersteine spazieren, an denen Blut aus Kinderarbeit klebt – so genannte «Blutsteine». Aber genau das kann sein, wenn die Herkunft der Steine, die für den Bau der hiesigen Strassen gebraucht werden, nicht klar bestimmt werden kann. Früher kamen die Steine für den Strassenbau noch hauptsächlich aus dem Tessin. Später begann man Steine vor allem aus dem Ausland – aus China, Vietnam, der Türkei oder Indien – zu importieren. Und da begann auch das Problem der Kinderarbeit.

Asiatische Steine sind billiger

«Bisher verarbeiteten wir für unsere Strassen Steine, die aus Indien, Pakistan oder China stammen», sagt Josef Bütler, Gemeindeammann von Spreitenbach. «Als aus der Bevölkerung die Frage kam, ob in Spreitenbach auch ‹Blutsteine› verarbeitet werden, habe ich das nachgeprüft.» Die Zertifikate hätten gezeigt, dass es keine «Blutsteine» seien. Mit dem Submissionsverfahren habe der günstigste Lieferant jeweils den Zuschlag bekommen, und das seien meist Steine aus asiatischen Ländern gewesen. «Natürlich haben wir geprüft, ob die Qualität stimmt», sagt der Gemeindeammann. Dennoch ist der Gemeinderat zur Übereinkunft gekommen, dass für den Strassenbau nur noch Steine aus Europa gebraucht werden sollen. Er ist froh darüber, dass man so Kinderarbeit ausschliessen kann und erst noch ökologischer handelt. «Als Energiestadt ist das ein gewichtiger Faktor», so der Spreitenbacher. Die Mehrkosten seien nur marginal.

Schweizer Steine sind teuer

Auch in Baden ist man sich der Thematik bewusst. «Wir kontrollieren, woher die Steine sind», sagt Martin Koch, Abteilungsleiter Tiefbau der Stadt Baden. «Ich gehe davon aus, dass es in Baden keine chinesischen Randsteine gibt.» Die Pflästerungen kämen aus der Schweiz. In der Vorderen und Hinteren Metzggasse seien Guber-Steine verlegt worden. «Die sind qualitativ gut, aber auch am teuersten», sagt Koch.

Die meisten Steine, die in Baden eingesetzt werden, kämen aber aus Spanien und Portugal. «Und da kann man davon ausgehen, dass keine Kinderarbeit dahintersteht.» Künftig will die Stadt die Herkunft der Steine mit dem Lieferanten vertraglich absichern. Doch auch da gilt: «Eine Zusicherung auf Papier ist das eine, eine Kontrolle des Lieferscheins auf der Baustelle ist das andere», erklärt Koch.

Soziale Nachhaltigkeit ist auch in Obersiggenthal Thema. Ein Postulat der Fraktion SP/Grüne verlangt, dass in der öffentlichen Beschaffung nicht nur ökologische, sondern auch soziale Faktoren berücksichtigt werden.

«Faire Steine»

«In Wettingen ist es bei Bauarbeiten schon lange Vertragsbestandteil, dass Unternehmer garantieren müssen, dass keine Produkte aus Kinderarbeit eingesetzt würden», sagt Urs Heimgartner, Leiter Bau- und Planungsabteilung Wettingen. Portugal und China seien ihre Hauptlieferanten.

Immer öfter wird von Lieferanten verlangt, dass sie bei Beschaffungen aus Entwicklungs- und Schwellenländern den Nachweis erbringen, dass ihre Produkte unter menschenwürdigen Bedingungen produziert worden sind. Diese Steine werden auch «faire» Steine genannt.